Broadway Therapy

Broadway Therapy





Verwirrung alter Schule

Das US-amerikanische Entertainment-Geschäft betreibt in jüngster Zeit filmisch wieder vermehrt Nabelschau. Und das überaus erfolgreich, betrachtet man Satiren wie "Maps To The Stars" (2014) und "Birdman" (2014). Ebenso wie letztere Oscar-Sensation dreht sich auch die Komödie "Broadway Therapy" um einen am legendären New Yorker Theater-Strip arbeitenden Regisseur - und dieser sich wiederum nur um sich selbst. Mit einem fantastischen Owen Wilson in der Hauptrolle gibt sich die Liebeskomödie aber weitaus weniger bissig als der Iñárritu-Erfolg. Vielmehr gelingt Regie- und Drehbuchschreiber-Legende Peter Bogdanovich nach 13 Jahren wieder eine charmante Screwball-Comedy in bester amerikanischer Tradition.

Arnold (Wilson) feiert nicht nur als Theaterregisseur am Broadway Erfolge, sondern auch als narzisstischer Casanova in der Frauenwelt. Dass er nebenher mit Gattin Delta (Kathryn Hahn) verheiratet ist, stört ihn dabei eher weniger. Geht es dem Mittvierziger normalerweise vornehmlich ums Ausleben sexueller Triebe, verhält es sich bei Isabella (verkörpert von der wundervollen Imogen Poots) anders: Die junge Escort-Dame, die Izzy genannt und eigentlich Schauspielerin werden will, verdreht Arnold tatsächlich den Kopf. Prompt bietet ihr der selbstverliebte Künstlertyp 30.000 Dollar, wenn die junge Frau ihr horizontales Gewerbe aufgibt.

Ein überaus klassisches Komödien-Setting also, ein typisch US-amerikanisches noch dazu. Eines, das aber auch wirklich fürchterlich nach hinten losgehen kann. Doch Bogdanovich gälte wohl kaum als Retter der Screwball-Comedy ("Is' was, Doc?", 1972), wenn er nicht derlei lockere Genre-Geschichten bis zur Perfektion beherrschte. Und das geht so: Izzy nimmt Arnolds generöses Angebot natürlich an, folgt sogleich seinem Rat, und bewirbt sich als Darstellerin für sein neues Stück. Darin spielt dummerweise Ehefrau Delta die Hauptrolle - und hält Izzy zu Arnolds Ärger für die beste Besetzung.

Um das Beziehungschaos perfekt zu machen, taucht irgendwann Izzys Ex-Lover Seth (Rhys Ifans) als Hauptrollenersatz auf, während sich der Autor des Theaterstücks (Will Forte) alsbald in Izzy verknallt, weil es in seiner Ehe mit Jane (Jennifer Aniston) nicht mehr läuft. Müßig zu erwähnen, dass die Izzys Psychotherapeutin ist - und das zentrale Broadwaystück sich ebenfalls um noch dazu anzügliche Liebes-Konflikte dreht.

So schnell sich das verwirrende Liebes-Netz entspannt, so hervorragend funktioniert es als Basis für einen herrlich spitzzüngigen, mit feinster Ironie durchzogenen Plot. Bogdanovichs Drehbuch, das fast zehn Jahre reifen konnte, erweist sich als schlichtweg genial: Die tausenden Zufälle sind charmant arrangiert, jede der hunderten unerwarteten Wendungen sitzt, keine der dutzenden Verstrickungen scheint zu viel des Guten. Unter Produktion der US-Tragikomödien-Meister Wes Anderson und Noah Baumbach gelingt Bogdanovich mit "Broadway Therapy" ein herrlich doppelbödiges Stück-im-Stück-Stück im Old-School-Stil à la Billy Wilder oder Woody Allen.

Quelle: teleschau - der mediendienst