Manuscripts Don't Burn

Manuscripts Don't Burn





Kampf der Familienväter

In einer Zeit, in der mehr Menschen die Augen öffnen und Flüchtlinge nicht mehr als anonyme Gruppen betrachten, sondern als Mitmenschen, bekommt ein Regisseur wie Mohammad Rasoulof ein größeres Publikum - und gute Kritiken. Der iranische Filmemacher ist nicht so populär wie sein Kollege Jafar Panahi, der mit seinem heimlich gedrehten "Taxi Teheran" im Februar den Goldenen Bären bei der Berlinale gewann. Doch Rasoulof, der in Hamburg und Teheran lebt, hat viel mit ihm gemein. Bislang drehte er fünf Spiel- und etliche Dokumentar- und Kurzfilme. Das sehenswerte Drama "Manuscripts Don't Burn" ist ein unaufgeregter Blick auf zwei Killer und unangepasste Schriftsteller und profitiert von der fast 25-jährigen Erfahrung des Filmemachers.

Erwähnenswert auch, dass dieser Film überhaupt im Kino zu sehen ist, denn bislang blieben seine Werke in Deutschland abseits von Filmfestivals unbeachtet. So hat er auch nicht die Aufmerksamkeit bekommen wie sein Freund Panahi, mit dem er 2010 verhaftet wurde. Er wurde verurteilt, erhielt Hausarrest. Der Angriff des Regimes auf ihn persönlich ließ Rasoulof deutlicher werden. Er drehte weiter, und jetzt kommt endlich einer seiner Filme nach Deutschland.

"Manuscripts Don't Burn" lässt sich sehr viel Zeit - denn wer Menschen ermorden will, braucht viel Zeit. Das Warten der beiden Killer Khosrow und Morteza ist oft die eigentliche Handlung des Films. Sie stehen alleine in der Landschaft, reagieren naiv oder blitzschnell hochprofessionell. Doch diese Szenen erscheinen nie langweilig, hängt die Kamera doch mit einer unangenehm magnetischen Art an ihren Protagonisten. Schnell spürt man dadurch, was der unkonzentrierte Khosrow denkt. Er wartet auf das Geld für einen früheren Auftrag, belügt seine Frau am Telefon, dass es bereits auf dem Konto sei. Dringend brauchen sie das Geld für die Operation ihres Sohnes.

Die nächste Arbeit, die ansteht, ist die Entführung, Folterung und Ermordung regimekritischer Künstler. Darauf steuert der Krimi zu, stellt nicht nur die Täter vor, sondern auch Kasra, einen iranischen Autor, der heimlich seine Memoiren schrieb. Außerdem den im Rollstuhl sitzenden Schriftsteller Forouzandeh, der ungeachtet seiner körperlichen Probleme ganz wütender Intellektueller ist, sowie den Dichter Kiran, der dem Künstlerleben pessimistisch gegenübersteht.

Wenn politische Thriller aussehen wie dieser, wird ein größeres europäisches Publikum zusehen. Denn "Manuscripts Don't Burn" ist ein präziser, leicht verständlicher, spannender Film, der ohne Genehmigung gedreht wurde - heimlich in Teheran und zu einem kleinen Teil in Hamburg. Aus Sicherheitsgründen werden Darsteller und Crew nicht genannt, es gibt keinen Abspann, nur Schwarzbild, weil der Film um einen wahren Vorfall kreist. Immer wieder ist die Rede von der "Sache mit dem Bus". Immer wieder begeben sich Männer in einen Machtkampf. Einen Kampf, den sie wegen ihrer Kinder führen, um sie zu versorgen oder sie wiederzusehen.

In Cannes wurde der Film bereits ausgezeichnet, und er hat es verdient, ein interessiertes Publikum zu finden. Denn "Manuscripts Don't Burn" ist zutiefst menschlich. Nicht weil er auf Mitleid oder Entsetzen abzielt, sondern weil er das Leben zeigt in einem Staat, der bestimmt, der überwacht und für uns Selbstverständliches nicht zulässt.

Quelle: teleschau - der mediendienst