Fantastic Four

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Superhelden light

Zehn Jahre ist es her, dass die "Fantastic Four", damals produziert von Bernd Eichinger, ihren ersten regulären Kinoauftritt hatten. Eichinger hatte die Filmrechte bereits in den 80er-Jahren erworben - die vier Wissenschaftler, die unverhofft zu Superkräften kommen, gehören zu den wenigen Marvel-Figuren, über die der Comic-Riese keine Verfügungsgewalt im Kino hat. Das merkt man leider deutlich: Schon die Verfilmung aus dem Jahr 2005 war, immerhin mit bescheidenem Erfolg an der Kinokasse, ein antiquiert wirkendes Missverständnis. Die Neuauflage macht es nicht besser und wirkt im Vergleich zu den Marvel-Materialschlachten wie der Pilotfilm einer zweitklassigen Actionserie aus den 90er-Jahren.

Billig, hilflos und schludrig: Man könnte meinen, dass Ed Wood bei der Neuauflage der "Fantastic Four" Pate stand. Dabei hatte mit Josh Trank ein Regisseur das Sagen, der mit dem wundervollen Found-Footage-Streifen "Chronicle" (2012) eindrücklich bewies, dass sich dem Superhelden-Wahnsinn unserer Zeit ungewöhnliche und erfrischende Facetten abgewinnen lassen: Selten waren Superhelden so wenig super, so wenig heldenhaft und so menschlich wie die "Chronicle"-Teenager, die unverhofft zu Superkräften kommen. Von seinen ungewöhnlichen Ideen ist aber nichts übrig geblieben. Im Gegenteil ...

An den talentierten und weitgehend unverbrauchten Darstellern Michael B. Jordan ("Chronicle"), Kate Mara ("House of Cards"), Jamie Bell ("Billy Elliott", "Nymph()maniac") und Miles Teller ("Whiplash") liegt es nicht, dass "Fantastic Four" ein enttäuschender Film geworden ist. Vielmehr ist das Drehbuch langweilig und die Dramaturgie eine Katastrophe. Mehr als eine halbe Stunde lang werden die einzelnen Figuren eingeführt. Ziemlich viel Zeit für eine Exposition, vor allem, wenn nichts passiert und das auch noch vorhersehbar ist. Nur ganz zu Beginn, als Ben Grimm (Bell) und Reed Richards (Teller) noch Kinder waren und sich mit ihrer Freundschaft und wissenschaftlicher Neugier gegen die Widrigkeiten ihrer prekären Herkunft abschotteten, kann man ahnen, was aus dem Film hätte werden können.

Doch der interessante Ansatz verpufft. Grimm wird eine ganze Weile ignoriert, bis sich Richards im Schlussdrittel an ihn erinnert. In der Zwischenzeit hat Reed die Geschwister Sue (Mara) und Johnny Storm (Jordan) sowie dem düsteren Viktor von Doom (Toby Kebell) kennengelernt. Die vier arbeiten im Auftrag von Dr. Franklin Storm (Reg E. Cathey, Rippchen-Freddy aus "House of Cards") an einem Gerät, dass Teleportation ermöglicht.

Dass sie völlig unterschiedliche Typen sind und sich doch irgendwie zusammenraufen - das muss man sich freilich selbst zusammenreimen: Nach einer kurzen Montage ist schon die Dimensionskapsel fertig, mit der der zwischenzeitlich aus der Vergessenheit geholte Ben Grimm, Johnny Storm, Reed Richards und Victor von Doom in ein Paralleluniversum reisen. Ein folgenschwerer Kurztrip: Der mysteriöse Planet Zero spuckt Gift und Galle - und verschlingt von Doom.

Grimm, Storm und Richards können sich zwar in die Kapsel retten, überstehen die Rückreise aber genauso wenig unbeschadet, wie Sue Storm, die im Labor Dienst schiebt. Die vier haben plötzlich Superkräfte: Richards kann seinen Körper beliebig strecken, Susan kann sich unsichtbar machen und Kraftfelder generieren, ihr Bruder Johnny wird zu einer menschlichen Fackel und Ben Grimm zu einem unansehnlichen Muskelprotz mit steinharter Hülle. Klar, dass die Armee Interesse an den potenziellen Wundersoldaten zeigt.

Da aber die Spielzeit des Films zu diesem Zeitpunkt schon fast rum ist, können nur noch ein paar Klischeeweisheiten über das Verhältnis von Mensch und Militär zum besten gegeben werden, bevor noch schnell durch einen Showdown gehetzt werden muss. Victor von Doom wurde nämlich von Planet Zero zu einer unverwundbaren Allzweckwaffe aufgepäppelt. Ihm steht der Sinn nach Vernichtung der Menschheit: Die hat ihre Chance auf der Erde ziemlich vergeigt und soll nun nicht auch noch die andere Dimension zerstören. Damit hat Doom nicht Unrecht, aber so pathetisch, wie seine Sätze im Drehbuch stehen, wirkt sein Motiv eher lächerlich.

Überhaupt fehlt dem Film der Witz, "Fantastic Four" nimmt sich viel zu ernst und bewegt sich in seiner Schlichtheit auf Kinderfilmniveau. Auch und vor allem, was die Spezialeffekte angeht: Die sind, trotz kolportiertem 122-Millionen-Budget, schlichtweg nicht auf der Höhe der Zeit. Wie gesagt: Als Pilotfilm einer zweitklassigen Actionserie aus den 90er-Jahren mag das annehmbar sein. Als Kinofilm ist "Fantastic Four" aber eine Enttäuschung - mit angekündigter Fortsetzung, die für 2017 geplant ist.

Quelle: teleschau - der mediendienst