Codename U.N.C.L.E

Codename U.N.C.L.E





Kühle Krieger

In den 60-ern war "Solo für U.N.C.L.E." mit 105 ausgestrahlten Episoden eine überaus beliebte US-Serie. Und eine außergewöhnliche noch dazu: Nicht, weil es um Agenten auf der Jagd nach Verbrechern ging - das war schon damals nichts Neues mehr. Sondern wegen der beiden Hauptcharaktere: ein Amerikaner - und ein Russe. Und das nicht als Gegner, sondern als Partner. Gespielt wurde Napoleon Solo vom Amerikaner Robert Vaughn, als Illya Kuryakin musste der Brite David McCallum herhalten. Ein echter Russe, das war in Zeiten des Kalten Krieges offenbar undenkbar. Im Kino-Remake "Codename U.N.C.L.E." von Guy Ritchie ist mit Henry Cavill als Solo und Armie Hammer als Kuryakin wieder kein Vertreter von Mütterchen Russland dabei. Ob das an der aktuellen politischen Situation liegt oder am fehlenden Glamour russischer Schauspieler, mag man da nur spekulieren.

"Codename U.N.C.L.E" beginnt mit der vielleicht spektakulärsten Flucht aus Ost-Berlin, die es so nie gab: Zusammen mit der Automechanikerin Gaby (Alicia Vikander, "Ex Machina") macht US-Agent Napoleon Solo "rüber". Mit dem Sportwagen heizen die beiden durch den Ostteil der Stadt, bevor sie schließlich die erst kürzlich errichtete Berliner Mauer überqueren, in typischer Agentenmanier, mit einer selbstgebauten Seilbahn. Ihnen auf den Fersen ist der KGB-ler Kuryakin. Auch er will Gaby, schließlich ist sie die Tochter jenes deutschen Wissenschaftlers (Sylvester Groth), der im Auftrag einer Verbrecherorganisation eine Atombombe bauen soll.

Gaby soll Napoleon Solo zu ihrem Vater führen und zu Victoria Vinciguerra (Elizabeth Debicki), die am malerischen Golf von Neapel an der Bombe basteln lässt. Als KGB und CIA merken, dass sie der drohenden Gefahr nicht allein Herr werden können, lassen sie die einstigen Rivalen Solo und Kuryakin zusammenarbeiten. Später, in der letzten Szene des Films, wird aus dieser Kooperation die Organisation U.N.C.L.E. hervorgehen. Hinter dem onkelhaften Akronym verbirgt sich das "United Network Command for Law and Enforcement", eine Art Supertruppe im Kampf gegen das weltweite Verbrechen.

Noch aber arbeiten der Yankee und der Sowjet-Agent nur widerstrebend zusammen. Es ist weniger ein Kampf der politischen Systeme: Die beiden Männer können sich schlicht nicht leiden. Zumal mit Gaby eine äußerst attraktive Frau zwischen ihnen steht. Der höheren Sache wegen rauft man sich aber dann doch zusammen und reist nach Italien. Die zwielichtige Victoria Vinciguerra ist schnell gefunden - die Bombe nicht.

So rasant, wie "Codename U.N.C.L.E" beginnt, so schnell bremst Regisseur Guy Ritchie seinen Film wieder aus. Anstatt auf Action verlässt sich Ritchie über weite Strecken auf seine beiden Hauptdarsteller, die sich in Dauerschleife kabbeln. Das hat schon in "Sherlock Holmes" (2009) nur leidlich funktioniert, hatte damals aber dank Robert Downey Jr. und Jude Law noch einen gewissen Unterhaltungswert. Henry Cavill und Armie Hammer mögen als Agenten beide zwar hübsch anzusehen sein, nur: Ihnen fehlt der Charme. Wie zwei Armani-Models auf dem Laufsteg spazieren sie durch den Film, durchtrainiert und perfekt gestylt, aber auch ziemlich öde und langweilig. Zwischen den beiden stimmt die Chemie nicht. Und daran leidet der ganze Film.

Man merkt "Codename U.N.C.L.E" seine Vorbilder an: Neben der TV-Serie sind das die Sean Connery-"Bonds" aus den 60-ern. Die Ausstattung immerhin stimmt, die Agenten spielen mit lustigen Gimmicks, und auch den aufgesetzten russischen Akzent von Armie Hammer im englischen Originalton mag man als Referenz an eine Zeit mit klaren Freund/Feind-Bildern durchgehen lassen. Was dem Film fehlt, sind das Gespür für Timing und ein klarer Spannungsbogen. Mit seiner recht simplen Agentenstory kann "Codename U.N.C.L.E" über knapp zwei Stunden nicht unterhalten. Guy Ritchie ist eben kein Quentin Tarantino: Seine Dialoge bleiben bloßes Geplänkel, das es nicht schafft, die Zeit bis zur nächsten Action-Sequenz zu überbrücken. Dennoch scheint eine Fortsetzung des Films, das lässt die erwähnte Gründungsszene von U.N.C.L.E recht unzweideutig erahnen, sicher.

Quelle: teleschau - der mediendienst