Guy Ritchie

Guy Ritchie





Raus aus dem Schatten der Ex

Madonna - ja, den Namen bekommt Guy Ritchie einfach nicht mehr aus seiner Vita. Dass auch noch im Jahre 2015 ein Porträt über den Filmemacher mit der Queen of Pop beginnt, zeugt nur davon, wie der heute 48-Jährige noch immer von der Presse angefasst wird. In Berichten über ihn kann es sich auch sieben Jahre nach der Scheidung kaum ein Autor verkneifen, den ehemaligen Beziehungsstatus der beiden nicht mindestens zu erwähnen. Dabei hat sich der Brite nach kurzer Durststrecke längst wieder erholt und künstlerisch aus dem Schatten der Ex herausgearbeitet. Mit "Codename U.N.C.L.E." (Start: 13. August) versucht er es weiter: In seinem neuen Film möchte Guy Ritchie erneut die cineastische Coolness Großbritanniens definieren.

Acht Jahre lang war Guy Ritchie mit Madonna verheiratet. Die daueraktuelle Entertainerin und ewige Provokateurin gemeinsam mit dem aufstrebenden Jung-Regisseur und Erfinder verrücktester Film-Figuren: ein Traumpaar, gerade für die Klatschspalten. Auf Augenhöhe befanden sich die beiden aber wohl nie, was auch die Yellow Press schnell als Trennungsgrund ausmachte. "Ich geriet in eine Art Seifenoper und habe einen ziemlich großen Teil meines Lebens darin verbracht", erklärte Ritchie 2011 einem amerikanischen Männermagazin. Madonna selbst habe sich "eingekerkert" gefühlt, verriet sie erst kürzlich der "Sun". Ihr Ex-Mann habe sie absichtlich künstlerisch zurückgehalten - wohl aus Neid, wie sie zwischen den Zeilen deutlich machte.

Fans der frühen Guy-Ritchie-Filme "Bube Dame König grAS" (1998) und "Snatch - Schweine und Diamanten " (2000) werden bei solchen Aussagen der Sängerin ihre Wut kaum verbergen können. Für sie und ebenso für viele Filmkritiker gilt Madonna als Grund einer acht Jahre andauernden Durstrecke im uvre des Crime-Comedy-Spezialisten. Mit seinen ersten Langfilmen erspielte sich Ritchie den Status eines britischen Tarantinos - nicht ohne den Meister zu zitieren, allerdings auch mit einer eigenen, eben sehr britischen Note. Schneller und etwas luftiger als die Gangster-Epen des Amerikaners reihte der Londoner in seinen Debütwerken Figuren nebeneinander, die in nur wenigen, meist diffusen Dialogen Eigenheit und Authentizität erlangten. Trottel, Schlitzohren, harte Hunde - und alle treffen sie im Schmelztigel des brutalen Londoner Untergrunds aufeinander. Ritchie schien einen scharfen Einblick zu haben in dieses Panoptikum illuster und aberwitziger Charaktere.

Doch was fuhr mit der Trauung Ende des Jahres 2000 in den verheißungsvollen Jungregisseur? Die Antwort liegt, wie erwähnt, für viele (männliche) Ritchie-Fans auf der Hand. Wie bestellt, versuchte Ritchie die Schauspielkarriere seiner Herzensdame wieder anzukurbeln. In "Stürmische Liebe - Swept Away" - ein Filmname, den Ritchie-Anhänger verfluchen wie der Leibhaftige das geweihte Wasser - ließ er Madonna 2002 im sardischen Sand rekeln. Fünf Goldene Himbeeren sprechen eine deutliche Sprache. An den Kinokassen floppte die RomCom zudem gnadenlos, Ausschnitte aus den internationalen Filmkritiken sind humorvoller als jede verkorkste Film-Pointe. Allerdings verteidigt Ritchie den Film bis heute wacker: "'Swept Away' war immer nur für ein kleines Publikum gedacht. Es sollte ein kleiner Film werden ... Aber es gibt eben keinen kleinen Film, bei dem Madonna dabei ist."

Auch seine künstlerische Rückkehr ins Gangster-Milieu mit "Revolver" war 2005 ein kabbalistisch angehauchter Reinfall. In seinem künstlerischen Schaffen schien Ritchie erst wieder Luft holen zu können, als er und Madonna nach Trennungsgerüchten öffentlich erklärten, "nicht länger unter einem Vorwand zusammenleben zu wollen". Im Dezember 2008 reichten sie die Scheidung ein. "Ich bedauere unsere Ehe nicht. Ich liebe die Kinder, die dabei herauskamen", stimmte Ritchie 2011 nach der Schlammschlacht einigermaßen versöhnlich. Bei den Kindern handelt es sich um den leiblichen Sohn Rocco, Jahrgang 2000, und dem unter viel Presse-Wirbel 2006 aus Malawi adoptierten Sohn David, Jahrgang 2005. Der gemeinsam betriebene Londoner Traditions-Pub "The Punch Bowl" wurde Ritchie nebst einer satten Millionensumme zugesprochen.

Guy Ritchie gilt als verschlossener Typ, der wenige Interviews gibt. Laut eines "Esquire"-Artikels aus dem Jahr 2009 sei er ein Mensch, der "nicht viel über sich spricht, nicht viel über seine Filme und nicht viel über seine Ex-Frau". Dabei rede er durchaus viel, könne unaufhörlich über Architektur und Marmelade quasseln oder von seiner Vorliebe zum brasilianischen Jiu Jitsu, das er seit über 15 Jahren fast täglich betreibe. Dass diese vorsätzliche Oberflächlichkeit, dieser vermeintliche Nonsens in Filmform unterhaltsam sein kann, offenbarte er 2008 in seinem mehrheitlich gelobten Comeback mit "RocknRolla". Die Action-Räuberpistole knüpfte wieder an seine alten Werke an und erlangte zumindest in großen Teilen den Charme der Vorgänger. Inspiration, so viel wird auch aus dem "Esquire"-Artikel klar, hole er sich gerne auch in Umgebung von Trinkern: "Briten können das ziemlich gut. Aber was wird aus all dem Blödsinn, den man im Suff redet?" Scheinbar die wildesten Figuren-Ideen.

Die waren bei seiner Arbeit an den bisher zwei "Sherlock Holmes"-Teilen mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle nicht gefragt. Dort war er, 2009 und 2011, nur als Regisseur angestellt. Das Drehbuch lieferten verschiedene Hollywood-Schreiber, und erstmals kam auch das Geld für einen Guy-Ritchie-Film aus der Traumfabrik. Dass es sich bei der Privatdetektiv-Story abermals um ein dialogschweres, urbritisches Thema handelte, um einen Nationalheiligen und natürlich wiederum um London, machte Ritchie zum perfekten Mann für die Umsetzung. Eine weitere künstlerische Kehrtwende war somit eingetreten - genauso wie eine neue Frau in seinem Leben. Kürzlich veröffentlichte Ritchie auf Twitter einige Bilder seiner Hochzeit mit Model Jacqui Ainsley Ende Juli. Die Gästeliste: Brad Pitt, David Beckham, Gwyneth Paltrow, George Clooney - Guy Ritchie umgibt sich nach wie vor gerne mit großen Namen.

Seit 2010 ist er mit der 33-Jährigen liiert, drei gemeinsame Kinder haben sie bereits in die Welt gesetzt. Allen Grund für das Familienoberhaupt, nun ordentlich Schotter zu verdienen. Statt sympathische Gangster-Komödien zu drehen, wird der Schulabbrecher wohl auch in naher Zukunft eher im Blockbuster-Geschäft bleiben. Nach der nun startenden cineastischen Serien-Adaption zu "Codename U.N.C.L.E.", bei der er zumindest auch als Co-Autor geführt wird, folgt eine großangelegte, wohl sechsteilige König-Artus-Verfilmung ab Sommer 2016. Typisch britische Themen, klar, aber auch genug Platz für Ritchies eigene Handschrift? Zumindest eines dürfte ihm so langsam mit den von Hollywood bezahlten Großprojekten gelingen: Es wird die Zeit kommen, in der ein Porträt über Guy Ritchie nicht mit dem Namen seiner Ex beginnen und enden wird - mit Madonna.

Quelle: teleschau - der mediendienst