David Kross

David Kross





Mit Prädikaten nichts am Hut

"Weltbekannt", "unser Mann in Hollywood", "deutscher Superstar" - noch bevor er überhaupt 20 war, musste David Kross solche Lobpreisungen über sich ergehen lassen. Natürlich schwingt auch viel Understatement mit, wenn er stets behauptet, er habe "wirklich nur großes Glück" gehabt bei seinem steilen Weg nach oben. Doch, und das liegt einfach auf der Hand: David Kross ist ein Naturtalent mit einem Händchen für karriereförderliche Rollen. "Boy 7", eine deutsche Produktion, ein Thriller, der am 20. August im Kino anläuft, wird trotz eklatanter Drehbuchschwächen nicht daran rütteln können: Kross spielt darin gewohnt überzeugend die Hauptrolle, den gedächtnislosen Sam. Beim Filmfest München stellte der 25-Jährige den Film vor und ging äußerst bedacht und konservativ zurückhaltend auf Journalisten-Fragen ein.

Smart wirkt er. Die Haare nach rechts gekämmt, modern-unrasiert. Die Ärmel seines grau-blauen Jeanshemds sind nach oben gekrempelt, die Anzughose lässt ihn adrett aussehen, und das bübische Lächeln sitzt über die gesamte Interviewlänge. Wohl auch, weil Filmpartnerin Emilia Schüle ebenfalls am Tisch Platz nimmt und den Kollegen mit kleinen Insidern immer wieder zumindest leicht aus der Reserve locken kann: "Es gab da einen Moment beim Dreh, als David mir etwas vorlesen musste. Ganz bedeutungsschwer", erzählt sie vom "Boy 7"-Set. "Das war unser großer Hollywood-Moment." Schüle spielt dabei natürlich auf "Der Vorleser" an, die Hollywood-Produktion, die David Kross "weltbekannt" machte.

Sieben Jahre ist dies her. Unvergessen wie sich David Kross mit Kate Winslet eine Badewanne teilt, wie er später mit ihr Sex hat: "An meinem 18. Geburtstag drehte ich all diese Szenen, zuvor durfte ich nicht", erinnert er sich. Ob er bei einem Superstar wie Kate Winslet aufgeregter gewesen sei als bei einer fast gleichaltrigen, die dieselbe Sprache spricht - wie Emilia Schüle etwa: "Sag' bitte, dass du bei mir aufgeregter warst", wirft die 22-Jährige feixend ein. David Kross bleibt aber gewohnt zurückhaltend: So etwas sei immer eine besondere Situation.

Der gebürtige Bargteheider bemüht sich - wie es scheint - stets um einen kantenlosen Auftritt. Am Abend, als sein neuer Film beim Filmfest erstmals vorgestellt wird, dürfen sein blau-melierter Anzug und die weinrote Krawatte schon als eines der knalligsten Outfits verstanden werden, die Kross jemals bei solchen Anlässen trug. Privates ausgeplaudert wurde in all den Jahren auch wenig. Hier und da zeigt er sich mit Freundin Agnes Lindström Bolmgren. Details aus der Beziehung zum gleichaltrigen schwedischen Model gibt es allerdings keine. Sogar wie und wo sich die zwei kennenlernten, verheimlicht er der Öffentlichkeit. "Berühmtwerden ist nicht mein Motor", stellte Kross bereits in der Vergangenheit heraus, und auch wenn er sich auf der ein oder anderen gesponsorten Veranstaltung sehen lässt und auf dem roten Teppich nie eine schlechte Figur macht: Das Rampenlicht sucht David Kross nicht.

Doch mit dem Rampenlicht muss sich David Kross nun mal abfinden, seit er in Detlev Bucks "Knallhart" 2006 von sich reden machte. In den Schulferien drehte er damals das Milieudrama in Berlin-Neukölln. Ein Jahr später folgte das Abitur und weitere Rollen: "Krabat" verhalf ihn 2008 deutschlandweit zu Berühmtheit, mit "Der Vorleser" und Steven Spielbergs "Gefährten" (2011) wurde er zu "unserem Mann in Hollywood". Und jetzt der Weg zurück nach Deutschland? "Darum geht es mir nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich meine Hollywood-Karriere sausen lasse, nur weil ich ab und an auch bei spannenden deutschen Projekten mitwirke", wiegelt er ab. Und auch der äußere Erwartungsdruck an den Schauspielschulabbrecher sei nicht mehr als "Teil des Jobs": "Da bin ich nichts Besonderes. Jeder Schauspieler ist abhängig von Rollen. Da gibt es mal mehr, mal weniger. Das macht den Job nie langweilig."

Bei solchen Aussagen ist es nicht verwunderlich, dass Kross mit dem Prädikat "Deutscher Superstar" nur wenig anfangen kann: "Ich werde auf der Straße kaum erkannt. Emilia bestimmt viel öfter", will er das Augenmerk auf seine hübsche Kollegin lenken. Doch die weiß ihm eine Anekdote zu entlocken, eine der wenigen an diesem Samstagmorgen: Beim Dreh zu "Boy 7" sei er von einer Frau in der Hamburger U-Bahnstation angeredet worden, dort wo der Thriller einsetzt: "Sie fragte mich, ob ich jemals darauf hingewiesen wurde, dass ich wie David Kross aussehe. Ich meinte nur: 'Nee, das hat noch nie jemand zu mir gesagt', und ließ sie etwas verdutzt zurück." Es wäre doch etwas verwunderlich, würden sich solche Situationen nicht öfter ergeben beim Gewinner der Trophée Chopard 2009, dem Jungschauspielerpreis der Filmfestspiele von Cannes (für "Der Vorleser"). Schließlich ist David Kross "Weltbekannt", "Unser Mann in Hollywood" und nicht weniger als ein "Deutscher Superstar" - ob er das will oder nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst