James Franco

James Franco





Alles machen, alles können

Egal, ob in Sci-Fi-Blockbustern ("Planet der Affen: Prevolution", 2011), in Independent-Dramen ("Milk", 2008), in selbstironischen Komödien ("Das ist das Ende", 2013) oder oscarnominiert im Abenteuer-Film "127 Stunden": James Franco überzeugt sowohl Kritiker als auch Zuschauer. Vielseitigkeit ist eben Trumpf. Mit seinem neuen Film "True Story - Spiel der Macht" (Start: 6. August) agiert Hollywoods Wunderknabe, der nebenbei auch noch Regisseur, Schriftsteller, Drehbuchautor, Filmproduzent und Künstler ist, zusammen mit Jonah Hill. Hill verkörpert einen Reporter, Franco einen Häftling, der beschuldigt wird, seine Familie ermordet zu haben. Ein spannendes Katz- und Mausspiel zwischen zwei Männern, die sich intellektuell zueinander hingezogen fühlen. Ohnehin eilt dem 37-Jährigen der Ruf voraus, besonders smart zu sein, was er im Interview auch unter Beweis stellt.

teleschau: Zur Vorbereitung vieler Schauspieler gehört es, Menschen zu treffen, die Ähnliches wie die Filmfigur durchmachten. Haben Sie für "True Story -Spiel um Macht" einen vermeintlichen Mörder im Gefängnis besucht?

James Franco: So mancher Verfechter des Method Acting wäre wahrscheinlich sofort losgerannt. Das habe ich natürlich nicht getan. Als Schauspieler ist es aber mein Job, in mein eigenes Herz zu blicken, um eigene Emotionen mit denen meiner Figur auf eine Linie zu bringen.

teleschau: Wie machen Sie das?

Franco: Es gibt Wege, in die Haut eines anderen einzudringen, ohne die gleichen Erfahrungen wie er gemacht zu haben. Es ist aber nicht so, dass ich am Set die ganze Zeit elendig dasitze, um in der Rolle zu bleiben. Nein, ich beschäftige mich dann lieber mit meinen Büchern.

teleschau: Sie drehten schon über 100 Filme, schreiben Essays, Bücher sowie Drehbücher und sind als Künstler aktiv. Kann man sich da nicht einmal während einen Drehs Ruhe gönnen?

Franco: Ich habe in meinem Leben schon viel Zeit vergeudet. Wenn ich zusammenrechne, wie oft ich alleine schon bei Dreharbeiten in Wartestellung war, komme ich bestimmt auf ein ganzes Jahr. Deshalb nutze ich diese Zeit - vor allem fürs Schreiben.

teleschau: Woher nehmen Sie Ihre Inspiration in einer Umwelt, in der die ganze Zeit umgebaut wird?

Franco: Vielen Schriftstellern, die ich bewundere, erging es nicht viel anders. Zum Beispiel Raymond Carver. Er hatte nebenbei einen Vollzeitjob, manchmal sogar zwei. Hatte er die Zeit und genügend Material fürs Schreiben? Klar doch! Er schrieb eben über seine Jobs im Arbeitermilieu. Ich nutze meine Situation als Schauspieler, um daraus Geschichten zu entwickeln.

teleschau: In Ihrem letzten Film "Every Thing Will Be Fine" (seit 2. April im Kino) spielten Sie sogar einen Schriftsteller, und auch in "True Story" versucht Ihre Figur, ein guter Schreiber zu werden ...

Franco: Das hat aber wenig damit zu tun, dass ich selbst Schriftsteller bin. Das sind für mich nur Rollen. Wobei ich die Frage, die man sich bei beiden Figuren stellen muss, schon sehr interessant finde: Muss im Leben eines Menschen erst etwas Furchtbares passieren, um daraus ein Kunstwerk entstehen zu lassen?

teleschau: Haben Sie eine Antwort darauf gefunden?

Franco: Ja. Als Schriftsteller werde auch ich von aktuellen Ereignissen inspiriert. Jeder, der schreibt, nutzt Elemente aus dem eigenen Leben. Egal, ob es um die Zeichnung der eigenen Figuren geht oder um das, was man gerade durchgemacht hat. Das kann auch etwas Tragisches oder Trauriges sein, was mir oder auch anderen widerfahren ist.

teleschau: Ende 2014 widerfuhr Ihnen eher etwas Verrücktes: Die Komödie "The Interview", in der Sie und Seth Rogen Nordkoreas Diktator Kim Jong-un umbringen sollen, wurde zum Politikum.

Franco: Das lag alles außerhalb meiner Kontrolle. Wir hatten einen lustigen Film gedreht. Das hatte sich schnell herumgesprochen, und wir glaubten, damit einen richtigen Hit im Kino landen zu können. Aber dann wollten ihn viele US-Kinoketten aus Angst vor angekündigten Anschlägen Nordkoreas nicht zeigen. Es gab nichts mehr, was ich tun konnte. Es war ziemlich frustrierend für mich, denn ich bin stolz auf diesen Film. Aber so ist das nun mal im Leben. Es passieren Dinge, die man nicht kontrollieren kann.

teleschau: Am 3. September kommt bereits Ihr nächster Film "Königin der Wüste" ins Kino, in dem Sie den Liebhaber von Nicole Kidman verkörpern. Regie führte ein Deutscher: Werner Herzog.

Franco: Das ist schon ein Ding, dass ich nach "Every Thing Will Be Fine" von Wim Wenders gleich mit dem nächsten Vertreter der 70er-Jahre-Bewegung "Neuer Deutscher Film" zusammenarbeiten durfte. So war das gar nicht geplant von mir. Beide fragten mich unabhängig voneinander, ob ich in ihren Filmen mitspielen möchte. Das konnte ich doch nicht ablehnen!

teleschau: Arbeiten deutsche Regisseure anders als amerikanische?

Franco: Ich kann Ihnen nicht sagen, was man vielleicht als typisch deutsch bezeichnen würde. Ich weiß aber, dass sie früh von amerikanischen Filmen und Western beeinflusst waren. Sie sind echte Filmliebhaber - genauso wie ich. Filme sind für mich das Beste im Leben.

Quelle: teleschau - der mediendienst