Buddha's Little Finger

Buddha's Little Finger





Antworten im brennenden Haus

Viktor Pelewin ist einer der erfolgreichsten russischen Schriftsteller. Populär ist er insbesondere bei jungen Lesern. 1999 veröffentlichte der heute 52-Jährige mit "Generation P" einen der beliebtesten Romane im russischsprachigen Raum. Darin beschrieb der Autor das Lebensgefühl junger Menschen in seinem Land nach Zusammenbruch der Sowjetunion und unter dem Einfluss des Westens. Gerne gibt sich Pelewin anders als andere, steht für eine surreale Sicht der Dinge. So auch in "Buddhas kleiner Finger", mit dem ihm bereits 1996 ein Bestseller gelang. Darin schleudert er seinen Protagonisten Pyotr durch ein Abenteuer auf zwei Zeitebenen. In Form eines wilden Dramas voller philosophischer Elemente wurde der Roman nun verfilmt.

"Buddha's Little Finger" ist eine etwas anstrengende Reise zwischen den historischen Fixpunkten Russische Revolution von 1919 und dem Beginn von Demokratie und Kapitalismus im Jahre 1991. Pyotr (Toby Kebbell), ein junger Krimineller im Russland Gorbatschows, kommt ins Gefängnis. Dort trifft er auf Volodin (Stipe Erceg), einen charmanten Gangster, der Pyotr für seine Zwecke einspannt. Sobald Pyotr aber die Augen schließt, rutscht er in die andere Welt. Plötzlich ist er ein Literat im Russland des Jahres 1919. Schon bald kann er nicht mehr zwischen den Zeiten unterscheiden. Pyotr scheint überdies erstaunliche Talente zu besitzen: zum Drohen, ja sogar zum Töten. Kein Wunder in Zeiten, in denen jeder schnell die Waffe zückt und Menschen zu vielem fähig sind. Seine Entwicklung macht Pyotr selbst Angst ...

Regisseur des russischen Abenteuers ist der in Ohio geborene US-Amerikaner Tony Pemberton, was zunächst verwundern mag. Doch Pemberton kennt Pelewin, lebte in den 90er-Jahren in Russland und war nahe dran an den damaligen Umwälzungen. Jene Menschen, die ihre Lebensgewohnheiten aufgaben und einen neuen Weg suchten, beeindruckten ihn. Sie stehen auch im erzählerischen Zentrum dieses Films.

Der Regisseur bemüht sich, selbstgeschaffene Verwirrungen schnell aufzuklären und den Zuschauer nicht zu überfordern. Er lässt den Träumer Pyotr Antworten suchen: "inmitten eines brennenden Hauses", wie der von André Hennicke gespielte Revolutionär Chapayev es ausdrückt. Gegen Ende lehnt sich der Film weit aus dem Fenster, rettet seinen wilden Ritt durch die Zeiten jedoch mit einem herbeizitierten philosophischen Überbau. Die Puzzleteile und Bildfetzen ergeben plötzlich Sinn. Anspruch auf reine Logik und Vollständigkeit sollte man als Zuschauer allerdings nicht erheben.

Quelle: teleschau - der mediendienst