Simon Pegg

Simon Pegg





"Siegertypen sind fade"

Simon Pegg mag Humor, sehr sogar. Immerhin begann er seine Karriere als Stand-up-Comedian, der jedes Wochenende von Bühne zu Bühne tingelte. Auch als Schauspieler hat sich der 45-Jährige diesen Sinn für Humor bewahrt. Längst gehört er zur oberen Liga der britischen Schauspielstars. Auch im nächsten "Mission: Impossible"-Film (Start: 6. August) ist der smarte Pegg wieder mit von der Partie, er wird in "Star Wars: Episode VII" (Start: 17. Dezember) zu sehen sein, und im kommenden "Star Trek"-Abenteuer "Beyond" (Start: Juli 2016) spielt er nicht nur zum bereits dritten Mal Scotty, er arbeitet gar am Drehbuch mit. Zuvor aber glänzt er als sympathischer Loser in der romantischen Komödie "Es ist kompliziert..!" (Start: 30. Juli). Darin gerät für Jack, gespielt von Pegg, ein Blind Date mit Hindernissen überraschend zur Nacht seines Lebens.

teleschau: Der englische Originaltitel Ihres neuen Filmes lautet '"Man up" und hat eine komplett andere Bedeutung als der deutsche Titel "Es ist kompliziert..!"

Simon Pegg: Das stimmt. Ich mag den Originaltitel lieber, weil er ein bisschen sexistisch ist und eine klare Botschaft für uns Männer enthält: Wir sollen endlich erwachsen werden, richtige Männer sein. Nur dann können wir ernst genommen werden. Interessanterweise gilt diese Ansage im Film auch für Nancy, die weibliche Hauptfigur, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommt. Es geht also für alle darum, der Realität ins Auge zu sehen und seinen Mann zu stehen.

teleschau: Was reizte Sie an der Rolle von Jack?

Pegg: Ich finde, die Drehbuchautorin Tess Morris entwickelte diese Figur sorgfältig und konzipierte einen spannenden männlichen Charakter. Er geht zu einem Blind Date mit einer Frau, von der er glaubt, dass sie viel jünger ist, und er tut so, als wäre er ein cooler Typ. Tatsächlich ist er tief verletzt, sein Herz ist gebrochen, und er ist ziemlich am Straucheln. Genau das macht ihn interessant, und er ist dabei nicht weniger verrückt als Nancy. Im Laufe des Films bricht ja all das aus ihm heraus. Mir macht es Spaß, jemanden zu spielen, der neben der Spur ist.

teleschau: Solche Rollen scheinen Ihnen zu gefallen. Auch in "Hectors Reise", Ihrem letzten Film, spielen Sie einen eher uncoolen Typen.

Pegg: Mir gefällt das. Für mich als Schauspieler ist es wesentlich reizvoller, eine Figur darzustellen, die noch taumelt und ihren Weg noch nicht gefunden hat. Siegertypen zu spielen ist doch fade.

teleschau: Sie haben offenbar eine Schwäche für Anti-Helden. Sind Sie selbst einer?

Pegg: Kann schon sein. Ich selbst sehe mich jedenfalls nicht als Helden. Ich bin einfach ich selbst, zumindest versuche ich das im echten Leben.

teleschau: Als Hector waren Sie auf der Suche nach dem Glück ... Wie sieht's bei Ihnen selbst aus? Sind Sie fündig geworden?

Pegg: Ich denke, ich weiß inzwischen, was Glück ist. Ich muss nicht mehr danach suchen. Andererseits bin ich überzeugt, dass man das Glück nicht suchen kann, es muss in einem drin sein. Ich habe 45 Jahre gebraucht, bis ich das kapiert habe. Aber ja, ich bin glücklich.

teleschau: In "Es ist kompliziert..!" leiden Sie sehr darunter, dass Ihre Noch-Ehefrau Sie betrogen hat. Wie halten Sie es mit der Treue?

Pegg: Ich denke, jemanden zu betrügen, ist eine gefährliche Sache. Wenn man eine Affäre hat, dann ist das ziemlich aufregend. Aber glücklicher wird man deshalb nicht. Im Gegenteil: Betrug kann alles vergiften. Ich kann durchaus verstehen, dass Menschen Opfer ihrer Begierde werden. Aber es ist fatal, weil man andere damit verletzt.

teleschau: Sie lernen Nancy ja bei einem Blind Date kennen. Machten Sie mit so etwas selbst schon Erfahrungen?

Pegg: Nicht wirklich, denn ich hatte mein letztes Date in den 90-ern. Ich bin mit meiner Frau ja schon 15 Jahre zusammen! So war ich nie versucht, zu einem Blind Date zu gehen. Das macht man ja eher, wenn man konkret auf Partnersuche ist. Als junger Mensch möchte man einfach nur Spaß haben. Da muss man nicht zu einem Date gehen, weil man auf Partys oder im Club eh ständig Leute kennenlernt. Und heute gibt es eh keine richtigen Blind Dates mehr, denn man kann den anderen ja sofort googeln oder auf Facebook orten. Mit unserem Film wollen wir das Publikum sozusagen ein letztes Mal auf ein Blind Date mitnehmen.

teleschau: Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

Pegg: Das war im Urlaub, ganz unspektakulär, so wie es halt passiert, wenn man gerade nicht dran denkt.

teleschau: Heutzutage gibt es ja Online-Dating ohne Ende, und mit Apps wie Tinder ist es scheinbar leichter denn je, jemanden kennenzulernen. Hilft uns das, die große Liebe zu finden?

Pegg: Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass eine tiefe Verbindung zueinander ein guter Garant für eine lange Beziehung ist. Es kommt natürlich immer darauf an, was man sucht. Wenn man nur Sex will, kriegt man ihn heute leichter denn je. Im Falle von Jack und Nancy ist zwischen beiden eine tiefere Verbindung, daraus kann was werden. Aber selbst wenn man jemanden gefunden hat, für den man sich entscheidet und mit dem man für immer zusammenbleiben will: Deshalb hört man ja nicht auf, andere Menschen attraktiv zu finden.

teleschau: Worüber können Sie lachen?

Pegg: Ich mag ehrliche, wahrhaftige Filme. Je realistischer, desto besser. Nichts ist lustiger als die Wahrheit. Selbst wenn eine Geschichte völlig absurd ist, kann sie dennoch der Realität entsprechen.

teleschau: Die Briten sind ja berühmt für ihren Humor, weil der auch ganz schön bissig sein kann. Wie erklären Sie sich das?

Pegg: Ich denke, wir Briten haben tatsächlich sehr viel Humor, das ist Teil unserer Identität. Wahrscheinlich ist unser Humor eine Art Selbstverteidigungs-Mechanismus, denn wir sind ja sonst eher zurückhaltend und keine besonders offenen Menschen. Eigentlich sind wir ständig damit beschäftigt, unsere Gefühle zu verbergen. Und eben deshalb machen wir so viele Witze.

teleschau: War es für Sie eine Art Berufung, Komiker und Schauspieler zu werden?

Pegg: Ich denke schon. Ich hatte diesen Impuls schon als Kind und habe es immer genossen, meine Familie und Freunde zum Lachen zu bringen. Aber ich will die Leute nicht nur belustigen, ich will auch ernste Rollen spielen.

Quelle: teleschau - der mediendienst