The Vatican Tapes

The Vatican Tapes





Das Exorzistchen

Wenn sich selbst Angsthasen in einem Horrorfilm nicht gruseln, ist das wirklich kein gutes Zeichen. "The Vatican Tapes" ist so belanglos wie schematisch: Satan hat sein Kommen angekündigt, ein hübsches Mädchen entpuppt sich als Teufelsbraut, der Heilige Stuhl gerät in Aufruhr und schickt seinen besten Exorzisten zur Schadensbegrenzung los. Die Schlacht zwischen Gott und dem Teufel wird der vermeintlichen Authentizität wegen mit Überwachungsvideos gezeigt: Dennoch gewinnt Filmemacher Mark Neveldine ("Crank", "Gamer") dem Genre keine neuen Facetten ab.

"Der Teufel ist immer unter uns", erklärt Kardinal Bruun (Peter Andersson) dem Vikar Imani (Djimon Hounsou), warum der Vatikan Datenschutzrichtlinien ignoriert und ein umfassendes Videoarchiv unterhält. Auf den Aufzeichnungen sind allerlei Merkwürdigkeiten zu sehen: Ob die Menschen wirklich besessen sind oder sich einfach nur komisch benehmen, sei dahingestellt. Fakt ist: "Die Wahl des Teufels kann jeden treffen."

Wer mit derlei Plattitüden in einen Exorzismus-Thriller einsteigt, hat zumindest nicht das Problem allzu hoher Erwartungen. Man kann sich steigern, muss es aber nicht. Mark Neveldine hat sich dafür entschieden, "The Vatican Tapes" 90 Minuten lang dahinplätschern zu lassen. Statt Spannung und Grusel gibt's Langeweile. Daran ändern auch ein Rabe und eine hübsche junge Frau nichts.

Angela Holmes (Olivia Taylor Dudley) heißt sie und verletzt sich an ihrem 25. Geburtstag an der Hand. Der Rabe hatte zwar nicht direkt etwas damit zu tun, immerhin war er aber im Bild. Freund (John Patrick Amedori) und Vater (Dougray Scott) bringen Angela ins Krankenhaus. Dort arbeiten keine Wunderheiler, dafür aber ein Pfarrer (Michael Peña), dem gleich Unheil schwant: "Da braut sich was zusammen."

Er soll recht behalten: "The Vatican Tapes" arbeitet sich brav an den teuflischen Geschichten der Bibel ab. Satan bereitet seinen Auftritt als falscher Prophet gründlich vor - mit allem, was dazugehört: 40 Tage Koma, Wiederauferstehung, falsche Wunder. Überall dabei: der Rabe, dem eine wichtige Aufgabe zukommt. Der Vogel muss immer mal urplötzlich mit den Flügeln schlagen oder schreiend den Schnabel aufreißen, um das Publikum aus dem Halbschlaf zu holen.

Der Kampf zwischen Gut und Böse ist nämlich eine eher ermüdende Angelegenheit. Hier ein bizarres Überwachungsvideo, dort ein paar verdrehte Augen. So richtig Mühe scheint sich der Teufel nicht zu geben. Selbst der Showdown mit Kardinal Bruun, der den finalen Exorzismus exerzieren will, ist eine lahme Nummer mit hohem "Egal"-Faktor. Immerhin waren die Darsteller stets bemüht, und das Ende des Films entbehrt nicht einer leisen Komik: Der Teufel als Rockstar. Super. Irgendwie hat die letzte Pose des Films geschafft, was den 90 Minuten vorher nicht gelang: in gewisser Weise unterhaltsam zu sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst