Ooops! Die Arche ist weg ...

Ooops! Die Arche ist weg ...





Großer Sintflut-Spaß

Noahs Arche fungiert in "Ooops! Die Arche ist weg ..." lediglich als Grundidee für eine lustige Tiergeschichte rund um Freundschaft, Mut und, in gewisser Weise, auch das Überleben. Dabei halten die Macher des Animationsfilms die Spannung und Bedrohlichkeit der Situation auf einem auch für jüngere Kinder erträglichen Level. Hier soll keine Angst geschürt, sondern unterhalten werden. Dabei standen bei diesem in Europa finanzierten und produzierten Film ganz klar die großen amerikanischen Animationsstudios Pate, aus deren Filmen mit einem Augenzwinkern zitiert wird.

Alle Tiere kommen zu einer Versammlung, denn es geht das Gerücht um, dass bald eine große Flut die Erde bedecken soll. Zum Glück hat Noah eine Arche gebaut, ein gigantisches Schiff, das alle Tiere aufzunehmen soll. Alle? Nein, es gibt da eine Spezies, von der noch nie ein Mensch gehört hat: die Nestrier. Ihnen geht es wie im richtigen Leben: Rein kommt nur, wer auf der Liste steht. Und die Nestrier stehen nicht darauf. Damit bestätigt sich die dunkle Vorahnung des ewig ängstlichen Dave, der mit seinem Sohn Finny aus der Einöde in der Wüste kam.

Aber die quietschbunten, skurril aussehenden schnellsten Nestbauer der Welt geben nicht auf. Verkleidet als Grymp-Katzen hängen sie sich an eine Mutter und Tochter dieser Spezies, die auf die Arche darf. Doch die beiden gar nicht freundlichen und nun auch noch überrumpelten Zeitgenossen wehren sich. Während die fauchende Mutter vom Arche-Personal gezwungen wird, mit ihrer "Familie" schnell die Kabine zu beziehen, findet die junge und recht einsame Tochter Leah den neuen Spielkameraden ganz interessant. Die beiden streifen herum, bis sich durch ein Missgeschick für die beiden Kinder schnell der Filmtitel bewahrheitet: "Oops! Die Arche ist weg".

Eine Regel des Hollywood-Drehbuchschreibens lautet: Die Geschichte des Films soll sich in einem Satz zusammenfassen lassen. Hier reicht sogar der Titel - alles, was man sich vorstellen kann, passiert auch. Die beiden in ihrem Temperament ungleichen Tiere raufen sich zusammen, um nicht unterzugehen oder von den fliegenden Griffins gefressen zu werden. Und auch die in Panik geratenen Eltern Dave und Kate (gesprochen von Katja Riemann und Christian Ulmen) müssen all ihren Mut aufbringen, um sich gemeinsam gegen den arroganten Herrscher der Arche, den Löwen samt seinen Gorillas, durchzusetzen.

Bei der Gestaltung des kleinen Helden Finny setzen die Macher mit großen Kulleraugen aufs Kindchenschema, garniert mit ein wenig Clownfisch-Orange. Niedlich soll es sein, das benachteiligte Fantasiewesen mit dem absurd großen Rüssel. Dazu kommen noch ein paar andere Qualitäten - wie der blaue giftige Rauch, den Nestrier ausstoßen, wenn sie Angst haben. In der Nacht fangen sie zudem das Leuchten an. Das ist wirklich hübsch anzusehen, aber auch so unwirklich, dass ein Ein- und Mitfühlen mit der Figur kaum möglich ist. Allerdings: Die wahre Natur dieser Alles-in-einem-Tiere enthüllt sich gegen Ende des Films und gibt eine zufriedenstellende Erklärung für so manche Ungereimtheit.

Dezente Spannung, ohne zu verschrecken: Das gelingt dem Film weitgehend. Für diesen Kompromiss hält der deutsche Regisseur Toby Genkel die Kampf- und Actionszenen cartoonartig und damit kinderfreundlich. Die tödliche Bedrohung durch das perfekt animierte Wasser schwingt dagegen in der heftig dröhnenden Filmmusik mit. Für freche Sprüche sorgen ein sieben Tonnen schweren Koloss, der ebenfalls auf dem versinkenden Land zurückgeblieben ist, und dessen frecher Parasit. Mit vielen humorvollen Figuren und einer flotten Erzählweise kann sich "Ooops! Die Arche ist weg ..." tatsächlich auf die Fahnen schreiben, das "lustigste Sintflutabenteuer aller Zeiten" zu sein - zum ultimativen Animationsfilm der Herzen wird es das Animationsabenteuer es aber nicht bringen.

Quelle: teleschau - der mediendienst