Pixels

Pixels





Wenn Nerds die Welt retten

Sie sind dicklich, verschwitzt und tragen kindlich bunte Hosen: Sam Brenner (Adam Sandler) und seine Kumpels haben ihre besten Zeiten hinter sich. Etwa jene, als Sam noch als der coolste Schüler der Vorstadt galt, weil er die damals so aufregenden, hektisch blinkenden Arcade Games - die Ur-Vorläufer der heutigen Video-Spiele - eiskalt beherrschte. 35 Jahre später ist nur aus dem schon immer feisten Will (Kevin James) etwas geworden: Er ist der vielleicht unkonventionellste, in Kreisen von Würdenträgern und steifen Militärs einschüchterbarste (fiktive) Präsident der US-Geschichte. Und doch kreuzen sich die Wege der beiden wieder, als eine außerirdische Macht die Welt bedroht. Die knallbunte, schrille, alberne aber herzerwärmende Sommer-Blockbuster-Komödie "Pixels" erzählt von einem Angriff auf die Menschheit - und vom nostalgischen Charme der Mitmenschlichkeit.

Es ist die mindestens seit Tim Burtons "Mars Attacks!" (1996) durchgeknallteste Untergangsbedrohung, mit der sich der blaue Planet konfrontiert sieht. Damals landeten putzig aussehende, aber durch und durch grausame Marsianer auf der Erde. Ähnlich perfide sieht es bei "Pixels" aus: Hoch über den Wolken schweben feindliche Raumschiffe, die bunt glänzende, dreidimensionale Computer-Pixel-Teile auf die Menschheit herabprasseln lassen. Bei Berührung mit den Glüh-Würfeln droht Tod und Zerstörung. Denn wer mit den Leuchtteilchen in Kontakt gerät, wird in Sekundenschnelle "verpixelt" und verschwindet als dematerialisierter Cyberschrott.

Man ahnt bereits, dass man den "Pixels"-Machern um Regisseur Chris Columbus einiges an Wohlwollen und nicht allzu viel Drehbuchskepsis entgegenbringen sollte. Seine gnadenlos überdrehte Sci-Fi-Komödie ist laut und überdreht wie eine altmodische Arcade-Game-Maschine. So ist allein schon die Ausgangsbasis für das unterm Strich doch überraschend liebenswerte Weltuntergangsspektakel gelinde gesagt kurios: Die nun angreifenden Pixel-Außerirdischen fingen die frühen TV-Berichte über Arcade-Games wie "Pac-Man" oder "Tetris" ab und verstanden sie als Kriegserklärung der Erdlinge. Nun sind sie angetreten, das Spiel der Spiele auszufechten. Verliert die Menschheit, droht der Erde die totale Zerstörung durch die "Pixels"-Mächte.

So weit, so skurril: Und doch setzt die Handlung eine Maschinerie in Gang, die den Zuschauern den Atem raubt - gleichzeitig aber auf die augenzwinkernde Tour viele Schmunzelmomente einbaut. Natürlich raten die aufgebrachten Generäle angesichts der ersten Zerstörungen wieder einmal zum Üblichen: frei von besserem Wissen den Iran bombardieren. Ausgerechnet der Loser Sam, der es in seinem weiteren Karriereleben vom ehemaligen Proto-Computer-Nerd doch nur zum TV-Techniker gebracht hatte, kann das unvermeidliche Ende, nun ja, noch ein wenig hinauszögern. Er verschafft sich über die partnerschaftlich frustrierte Stabsoffizierin (Michelle Monaghan) Direktzugang zum Präsidenten, also zu seinem alten Buddy Will, und teilt mit ihm seine Arcade-Expertise.

In der kommenden Schlacht mit Strahlenkanonen werden zumindest für die etwas älteren Kinogänger die Erinnerung an die "Ghostbusters"-Reihe hellwach - wie sich ohnehin die Pop-Kultur-Referenzen wie eine bunte Liebesperlen-Kette durch "Pixels" ziehen. Ein wenig wohlige Seid-nett-zueinander-Botschaften dürfen dann selbstverständlich auch nicht fehlen: Nicht was man im Leben erreicht, sondern ob man dabei ein anständiger Kerl geblieben ist, sei doch das Entscheidende. Das meint zumindest Sam Brenner. Außerdem darf er ruhig einmal aussprechen, was offensichtlich ist. Nämlich dass die meisten Ego-Shooter-Ballerspiele von heute doch nur zynisch, dumm und trotz genialer Grafik meist viel eindimensionaler als die alten Videospiel-Perlen sind. Für all diese Weisheiten - und den großen Spaß, den dieses Buben-Stück auslöst - bekommt er am Ende seinen Kuss. Völlig zu Recht.

Quelle: teleschau - der mediendienst