Paul Rudd

Paul Rudd





Ameisen haben Respekt verdient

Bisher hatte sich Paul Rudd als gutaussehender Komiker einen Namen gemacht. Doch die Komödien, in denen er mal Hauptrollen ("Immer Ärger mit 40", 2012), mal Nebenrollen ("Nie wieder Sex mit der Ex", 2008) übernahm, liefen in Deutschland eher mittelmäßig. Ab 23. Juli ist der 46-Jährige aus New Jersey allerdings in einer Rolle zu sehen, nach der in Hollywood jeder Schauspieler die Finger ausstreckt. Paul Rudd ist "Ant-Man" - jener Comic-Held aus dem Marvel-Universum, der sich bis auf die Größe einer Ameise verkleinern kann, um im nächsten Moment wieder als ausgewachsener Mann dazustehen. In seinem ersten Leinwandabenteuer muss er dafür sorgen, dass die Technologie, die in seinem Anzug steckt, nicht in die Hände geldgieriger Unternehmer und militanter Weltverbesserer fällt.

teleschau: Fragten Sie sich schon mal, warum ausgerechnet Sie für die Rolle des Ameisenmannes ausgesucht wurden?

Paul Rudd: Die Idee hatte Edgar Wright, der mit dem Projekt zuerst beauftragt war. Wir sind gute Freunde, und ich bewundere seine Arbeit. Wir haben also viel gemeinsam, besonders in dem, was uns berührt und worüber man lachen kann. Daher war ich sehr glücklich, dass er bei "Ant-Man" gleich an mich dachte. Ich wäre nicht so schnell auf mich selbst gekommen.

teleschau: "Ant-Man" ist eine sehr lustige Comicverfilmung. Ist das der Humor, den Sie meinen?

Rudd: Ja, ich würde ihn als britisch bezeichnen. Edgar ist Brite, und meine Eltern stammen beide aus London, sodass auch ich sehr empfänglich für diesen speziellen Humor bin. Ich bin mit Comedy-Serien wie "Monty Python's Flying Circus" und "Fawlty Towers" groß geworden, und auch als Erwachsener erhielt ich mir meine Schwäche für britische Komiker aufrecht.

teleschau: Ein Mann, der auf Ameisengröße schrumpfen kann ... Klingt zunächst etwas lächerlich. War schon deshalb eine gehörige Portion Selbstironie wichtig?

Rudd: Allein die Grundstory bietet natürlich viele lustige Möglichkeiten. Ich finde aber auch, dass Humor für jede Geschichte wichtig ist, die man erzählen will - selbst wenn es das elendste Drama werden soll. Ich finde, "Ant-Man" erfüllt alles, was eine gelungene Verfilmung eines Marvel-Comics ausmacht: Neben der Dosis Humor gibt es eine spannende Handlung, viel Action und jede Menge Special-Effects, an denen man sich sattsehen kann.

teleschau: Sie schrieben sogar selbst am Drehbuch mit ...

Rudd: Ja, wir bewegten uns damit in verschiedenen Richtungen und wollten möglichst viele Momente einbauen, die im Kino großes Gelächter provozieren würden. Der Aspekt der Selbstironie existiert bereits in der Comic-Vorlage, den wollten wir auf keinen Fall verlieren.

teleschau: Irgendwann schied jedoch Edgar Wright aus dem Projekt aus ...

Rudd: Nachdem Edgar uns verlassen hatte, mussten wir überlegen, wie es weitergehen soll, damit das Drehbuch weiterhin den Vorstellungen von Marvel entsprechen würde. So kam Adam McKay als weiterer Drehbuchautor an Bord, und mit ihm entwickelte ich einige Ideen. Und es kamen immer mehr dazu.

teleschau: Wie reagierte Marvel darauf?

Rudd: Bei Marvel war man von unseren Ideen sehr angetan. Und für mich fühlte es sich ganz normal an, am Drehbuch mitzuwirken. Wichtig war uns, zuerst ein Drehbuch in der Hand zu halten, das alle glücklich stimmt. Dennoch basiert alles auf dem, was sich Edgar Wright und Joe Cornish zuvor ausgedacht hatten.

teleschau: Warum ist Edgar Wright, der auch als Regisseur vorgesehen war, überhaupt ausgestiegen?

Rudd: Das ist eine Sache zwischen Marvel und Edgar. Ich weiß nur, dass sie gemeinsam zu dem Schluss kamen, getrennte Wege zu gehen, weil das besser für alle sei. Ich muss selbst noch mit ihm darüber reden. Edgar wird weiterhin als Drehbuchautor und Produzent genannt. Doch als er ging, ist er wirklich gegangen. Und Peyton Reed wurde als neuer Regisseur verpflichtet.

teleschau: Wie fühlt es sich nun an, im Olymp der Superhelden aufgenommen zu sein?

Rudd: Schon ein bisschen überwältigend, muss ich sagen. Ich denke, ich war noch nie in etwas involviert, hinter dem eine so große Fangemeinde steht und das weltweit auf so viel Interesse stößt. Aber für mich gewinnt das Ganze sowieso erst jetzt an Fahrt. "Ant-Man" kommt nun endlich ins Kino, womit mich die meisten erstmals in der Rolle erleben werden. Inzwischen drehte ich schon einen weiteren Auftritt als Ant-Man in "Captain America 3" ab. Die Tragweite des Ganzen wird mir gerade stufenweise bewusst.

teleschau: Wird sich das auf Ihr Leben auswirken?

Rudd: Mein Leben verläuft tatsächlich ganz anders und weit entfernt von der Welt des Kinos. Ich lebe mit meinen Kindern in einem ganz normalen Familienhaus und versuche, mein Leben so friedlich wie möglich zu führen. Das ist völlig konträr zu dem, was ich gerade erlebe, wenn ich für "Ant-Man" um den Globus reise und Fans in einer Reihe stehen, um mir Poster entgegenzustrecken. Das ist wirklich etwas völlig anderes, als eine Komödie wie etwa "Trauzeuge gesucht" (2009) zu präsentieren.

teleschau: Sie genießen also gerade den Hype um Ihre Person?

Rudd: Es ist total aufregend! Für mich ist das eine völlig neue Erfahrung, die ich als sehr herausfordernd und positiv empfinde. Ich hoffe, dass das noch für etliche Jahre so der Fall sein wird.

teleschau: Was denken Ihre Kinder vom "Ant-Man"?

Rudd: Meiner Tochter ist erst fünf und damit noch viel zu jung dafür. Aber mein neunjähriger Sohn hat den Film gesehen und fand ihn toll. Für ihn ist es überhaupt das erste Mal, dass er seinen Papa im Kino erleben durfte. Denn meine bisherigen Komödien waren nicht gerade altersgerecht für ihn.

teleschau: Was muss man tun, um ein Superheld wie Ant-Man werden zu können?

Rudd: Das fängt schon bei der Ernährung an: viele Proteine, Gemüse und nur gute Öle. Es kommt darauf an, dass man zu bestimmten Zeiten nur bestimmte Dinge essen darf. Um 8.30 Uhr aufstehen, um 10 Uhr ein Protein-Shake, gegen 13 Uhr Fisch und vielleicht noch grüne Bohnen oder Spargel dazu. Kein Zucker, keine Kohlenhydrate und keinen Alkohol.

teleschau: Das ist hart!

Rudd: So sah mein Diätplan für ein ganzes Jahr in etwa aus! Das könnte einen tatsächlich auch ganz schön misslich stimmen (lacht). Dazu arbeitete ich mit einem Gymnastik-Trainer, der mir einige Parkour-Techniken beibrachte. Dann noch Übungen an Geräten. Damit war ich für einen Tag voll beschäftigt, aber es war auch sehr motivierend für mich. Ich war selbst über mich erstaunt, wie viel Gefallen ich daran fand.

teleschau: Was glauben Sie, wie sich "Ant-Man" auf Ihre weitere Karriere auswirken wird?

Rudd: Das können wir wohl erst in einem Jahr so richtig erörtern. Warten wir jetzt erst mal ab, wie der Film ankommt. Bisher fanden mit mir noch keine Gespräche statt, ob es einen zweiten und dritten Teil geben wird. Obwohl es am Ende von "Ant-Man" bereits einen Verweis auf eine mögliche Fortsetzung gibt. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass die bei Marvel ganz genau wissen, was sie tun. Zweifelsohne veränderte "Ant-Man" aber schon jetzt mein Leben.

teleschau: Spüren Sie nicht auch einen gewissen Druck, mit den bisherigen Superhelden, die erfolgreich die Leinwand eroberten, mithalten zu müssen?

Rudd: In solchen Kategorien denke ich nicht. Klar fühlt man diesen äußeren Druck, wenn man nur fünf Minuten daran denkt. Aber eigentlich möchte ich mir nur darüber den Kopf zerbrechen, was im Moment für mich wichtig ist - nämlich das ich in der Rolle glaubhaft sein möchte. Was die Zukunft bringt, kann ich sowieso noch nicht sagen. Ich hoffe, es bleibt so aufregend wie es zurzeit ist.

teleschau: Inwieweit veränderte "Ant-Man" Ihr Verhältnis zu Ameisen?

Rudd: Auf jeden Fall habe ich mehr Respekt vor ihnen bekommen. Erst neulich stand ich in der Küche und beobachtete Ameisen am Waschbecken, die sich in Richtung Kaffeemaschine bewegten. Früher hätte ich ihnen vielleicht einen kleinen Schubs gegeben, diesmal ließ ich sie machen und zog mich einfach zurück.

Quelle: teleschau - der mediendienst