Kartoffelsalat

Kartoffelsalat





Krass kalauert

In der Schule werden nun mal Albträume wahr: Gerade ist Loser Leo Weiß (Torge Oelrich alias Freshtorge) vom Elitegymnasium geschasst worden und steht noch ganz geknickt vor dem einschüchternden, düsteren Gebäude - da erschallt es schon aus den Lautsprechern: "Es gibt eine gute Nachricht! Leo Weiß hat die Schule verlassen!" Jubelstürme brechen von irgendwoher los, Feuerwerk knallt, Cheerleader versammeln sich und spulen ihre akrobatische Choreographie ab. Vorbei ist es damit nicht: An der nächsten Schule wird es Leo unter die Zombies verschlagen. Der Trash-Schulhorror "Kartoffelsalat" setzt Versagensängste und Dünkel-Institutionen, Bildungskatastrophe und Außenseiterstress im halluzinatorischen Kurzschluss-Verfahren krass kalauernd ins Bild. Trotz flippiger YouTuber in den Hauptrollen ist das nicht revolutionär, aber kunstfertiger als gedacht.

Als Rahmen darf die Genreparodie herhalten: Der ältere Beamte (Otto Waalkes) einer ländlichen Notrufzentrale verwechselt das Telefonklingeln schon mal mit dem Wecker, der ihn an das Umdrehen der Grillwürstchen erinnert. Unter solchen Umständen hat der Hilferuf der verstörten Schülerin Vivien (Joyce Ilg) natürlich keine Chance. An ihrer Dorfschule verwandeln sich gerade alle in fresssüchtige lebendige Tote.

Dabei war eine Woche zuvor noch alles ganz normal. Außer für Leo Weiß, der den Wechsel an die Hebbel-Schule mit ihren debilen Lehrern, dumpfen Schülern und dem brennenden Auto vor dem Hauptgebäude als Abstieg empfindet. Tja, und dann mutieren die Mitschüler auch noch zu Zombies. Leo, Katrin (Dagi Bee), Torsten (Philipp Laude) und Torben (Florian Appelius) schweben in höchster Gefahr. Aber die Polizei feiert lieber eine Party. Ein schwerbewaffnetes Sondereinsatzkommando liefert sich zwar (Schein-)Gefechte, aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (Marianne Schätzle) spielt im Fernsehen die Sache doch ziemlich herunter.

Die Idee zu dem Weltuntergangsszenario in der norddeutschen Tiefebene soll von YouTuber Freshtorge stammen, und das sieht man "Kartoffelsalat" auch an. Freshtorge, mit bürgerlichem Namen Torge Oelrich, verwandelt sich in die Gestalten seiner Online-Sketche und walzt deren Schulkrisen kräftig aus. Dennoch liefert das Medium Internet kaum etwas, das man nicht bereits aus dem Kino kennt. Die Figur des Leo Weiß lehnt sich sehr deutlich an die kindischen Männer an, mit denen Blödelostfriese Otto Waalkes nach dem Fernsehen auch das Kino eroberte. Waalkes tritt nicht nur als hirnrissiger Notfallzentralenbeamter und Reporter mit Dreisatzaufgaben-Fragen auf, sondern hat das Spektakel auch mitproduziert. Das schlägt zum Ende hin eine irritierend ultrakonservative bis zynische Volte. Die Botschaft, die aus dem Off mitgegeben wird, hinterlässt mehr als einen faden Nachgeschmack.

Dennoch bekommt man mehr als erwartet. So wie im Vorfeld Teaser und Interviews über alle verfügbaren Kanäle ausgeschüttet und Voraufführungen nahe dem Drehort Wesselburg in Schleswig-Holstein angepriesen wurden, musste man dem Ergebnis fast schon misstrauen. Noch die Presseinformationen lesen sich wie der Businessplan eines Startups, angefüllt mit jener Prominenz und Professionalität, die mit einem riesigen Erfolg zu rechnen scheint. Ob es dazu kommt? In seiner ebenso munteren wie konsequenten Inszenierung weidet Regisseur und Drehbuchautor Michael David Pate die Popularität der Schulkomödie nach den Trash-Prinzipien des unvergessenen Christoph Schlingensief aus. Das ist gekonnt, aber nicht unbedingt mehrheitsfähig.

Quelle: teleschau - der mediendienst