Um jeden Preis

Um jeden Preis





Der unverantwortliche Wunsch

Wenn sich die Karriere gen Ende neigt, wenn der Zenit sehr wahrscheinlich bereits hinter einem liegt, macht man sich Gedanken. Kim Basinger verführte eins James Bond, durch "9 1/2 Wochen" wurde sie gar unsterblich, als sie 1986 an der Seite von Mickey Rourke Erotik im Kino neu definierte. Aber ernste, dramatische Rollen? Die gab es für die 61-jährige Schauspielerin kaum. Möglicherweise ist das Frauen-Drama "Um jeden Preis" so etwas wie Basingers letzte Chance.

"Schicksal ist die Verbindung aus Bestimmung und Verzweiflung" heißt es im Vorspann des deutsch-dänischen Dramas - es klingt ein wenig mehr nach Wortspiel denn nach wirklicher Weisheit. Kim Basinger ist bereits auf dem Plakat mit blauen Flecken zu sehen. Um Schönheit geht es diesmal also nicht, und auch das Thema ist sicher keines, unter dem sich die meisten Menchen so etwas wie "gute Unterhaltung" vorstellen würden.

Die Ausgangssituation ist drastisch: Maria (Kim Basinger) und ihr Mann Peter (Sebastian Schipper) rasen ins Krankenhaus. Maria hat eine Fehlgeburt, es ist die neunte. Sie überlebt, war aber zwei Minuten lang klinisch tot. Ihr Arzt hält es deshalb für unverantwortlich, es nochmals zu versuchen - und auch Peter will mit dem Kinderwunsch abschließen. Maria nicht. Zehn Jahre lang hat das Ehepaar erfolglos probiert, ein Baby zu bekommen.

Zu allem Überfluss ist Peter gegen eine Adoption und möchte lieber eine Weile allein sein. So steht Maria einsam da mit ihrem Bedürfnis, Mutter zu werden. Ein gut inszenierter Zufall führt sie nach Tschechien, wo junge Prostituierte ihre ungewollten Kinder verkaufen. Für Maria eine große Chance - kann sie sich auf diese Weise doch einreden, sie würde ein Leben retten. Der Anhalter Petit (Jordan Prentice), der eigentlich Christian heißt, soll ihr helfen.

Als sie ihren Wunsch vorträgt, verlässt er das Auto, fühlt sich gekränkt. Doch Maria nennt ihm eine Summe, und er kehrt um. Kurz flackert ein gewisser Humor auf, als Christian sagt, dass sie mit ihrem Anliegen bei einem "obdachlosen Zwerg mit Heroinproblemen" ja genau richtig wäre. Der neue Aspekt Drogensucht irritiert kurz - könnte er doch dazu führen, dass sich der Regisseur bei seiner Reise durch die Abgründe verzettelt. Doch der risikofreudige Däne Anders Morgenthaler wagt noch mehr. Sein Mut wird belohnt.

Er lässt das verstorbene Baby zu ihr sprechen - ein grusliger Kunstgriff, der zwar hochgradig manipulativ ist, aber nach und nach Sinn ergibt. Die Rolle der Frau, die sich auf einen dummen und gefährlichen Weg in eine fremde Welt begibt, ist für jede Schauspielerin eine Herausforderung. Basinger bewältigt sie erfolgreich. Obwohl oder gerade weil "Um jeden Preis" weit geht, vielleicht zu weit, wird der Film zum ebenso spannenden wie aufreibenden Drama.

Quelle: teleschau - der mediendienst