Señor Kaplan

Señor Kaplan





Der wunderliche Herr aus Uruquay

Jacob Kaplan (Héctor Noguera) weiß sehr wohl, dass großen Männern auch jenseits der 70 allerlei Spektakuläres im Leben passieren kann. Er stellt sich die Frage: Bin ich ein solcher Mann? Während sich Jacob dem Zuschauer auf einem Pool-Sprungbrett vorstellt, gewinnt man diesen Eindruck nicht unbedingt. Wo sind sie hin, die Jahre? Sein Papa riet ihm vor langer Zeit, immer nur nach vorn zu schauen. Der kleine Jacob musste sich früh alleine durchschlagen. Und jetzt? Nur noch Routinearbeiten und Ärztechecks, war's das schon mit dem Leben?

Der gealterte Señor Kaplan hat so seine eigenen Ansichten über das Schwimmen, das Schreiben und das Atmen. Ein toller Hecht ist er nicht, eher ein sehr skurriler älterer Herr aus Uruguay, der sich gerne aufregt. Bereits die ersten, detailverliebten Bilder von Regisseur Álvaro Brechner sind zum Dahinschmelzen: Der Bildaufbau, die Dialoge und präzise Arbeit der Schauspieler versprechen eine ganze Menge. So nimmt man es einfach hin, dass der jüdische Señor am Strand einen Nazi entdeckt. Alles an ihm ist verdächtig. Kaplan haftet sich an die Fersen des gesuchten Deutschen (Rolf Becker), ohne seine These näher zu untersuchen. Schließlich hat er nicht mehr allzu lange Zeit, etwas Sensationelles zu erleben

Zusammen mit dem ehemaligen Polizisten Wilson (Néstor Guzzini) legt er sich auf die Lauer. Im Zusammenspiel der beiden entfaltet die Komödie ihren Witz: Die angetrunkene Plaudertasche Wilson und der grimmige Alte entwickeln während der Ermittlungen jeweils auf ihre Weise einen erstaunlichen Ehrgeiz. Bekommt man beispielsweise einen Aschenbecher an den Kopf, gehört das zum Berufsrisiko - auch wenn man eigentlich gar keinen Beruf ausübt. Aber was, wenn die beiden Hobby-Detektive am Ende Recht behalten?

Das elegante Drehbuch schrieb Alvaro Brechner selbst. Und trotz allem Skurrilem lässt er die Realität darin nicht ganz außen vor: Nebenbei schlägt das Leben zu, auch Polizist Wilson darf ein wenig Mensch werden und bleibt nicht auf der Stufe des freakigen Sidekicks stehen. Insbesondere jene Momente verleihen "Señor Kaplan" etwas Besonderes. Zeitweise wirkt Filmemacher Brechner gar wie ein etwas vernünftigerer Wes Anderson. Wem also "Royal Tenenbaums" oder "Darjeeling Limited" ein bisschen zu durchgeknallt erschien, könnte mit "Señor Kaplan" sehr glücklich werden.

Quelle: teleschau - der mediendienst