Unknown User

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Blair Witch Project 2.0

Seit "Blair Witch Project" 1999 einen regelrechten Hype auslöste und trotz radikal geringem Budget zum Kassenschlager geriet, wird der Horrorfilm-Markt jährlich mit Found Footage-Filmen à la "Paranormal Activity" und "Rec" geflutet. Nun gelingt es dem russischen Regisseur Lewan Gabriadse, diesem mittlerweile doch recht langweiligen Konzept neuen Schliff zu verleihen: Die Handlung von "Unknown User" spielt sich lediglich auf einem Computerbildschirm ab. Innovativ ist der erste Skype-Horrorfilm allemal - und öffnet Trittbrettfahrern ganz neue Möglichkeiten. An der Story hätte man allerdings noch feilen können.

Die sechs Freunde Blaire (Shelley Hennig), Mitch (Moses Storm), Jess (Renee Olstead), Adam (Will Peltz), Ken (Jacob Wysocki) und Val (Courtney Halverson) haben sich nach einem ganz normalen Schultag zum Skype-Videochat verabredet. Plötzlich stellen sie fest, dass ein unbekannter Nutzer an der Session teilnimmt. Mehrfach versuchen sie erfolglos, den Eindringling loszuwerden - erkennen aber bald, dass es sich um den Account von Laura Barns (Heather Sossaman) handelt. Ebenjene Laura war eine gemeinsame Freundin und Mitschülerin, die sich genau vor einem Jahr das Leben nahm - nachdem ein peinliches Video von ihr auf YouTube gestellt wurde.

Kurze Zeit später beginnt die Verstorbene, den Teenagern zu schreiben. Es ist der Beginn eines Spiels um Leben und Tod. Nach und nach werden die pikantesten Geheimnisse und Abgründe der Freunde ausgegraben. Nach und nach bezahlen die Sechs für ihre Lügen und Gemeinheiten mit dem Tod. Bis am Ende nur noch zwei Fragen übrig bleiben: Wer steckt hinter dem "unbekannten Nutzer"? Ist es tatsächlich der sich rächende Geist von Laura Barns?

Der Zuschauer verfolgt dieses Online-Treiben, das sich inhaltlich irgendwo zwischen "Scream", "Paranormal Activity" und "Saw" bewegt, aus der Sicht von Blaire. Zu sehen ist nur, was auf ihrem Computer-Bildschirm passiert. Aus filmtechnischer Perspektive betritt "Unknown User" damit Neuland. Gabriadse entfernt sich vom klassischen Filmerzählen, setzt klare Grenzen und meistert es, damit auszukommen.

Inhaltlich hätte Drehbuchautor Nelson Greaves ("Abraham Lincoln Vampirjäger") jedoch innovativer und mutiger sein können. So passt der Plot zwar zum gewählten Setting und wird die Zielgruppe der 16- bis 20-Jährigen ansprechen. Dennoch bleibt das Werk mit seiner platten Cybermobbing-Rache aus dem Online-Jenseits zu sehr am Klischee und Vorhersehbaren hängen.

Auch die schauspielerische Leistung bewegt sich zuweilen knapp an der Grenze des Erträglichen. Zu viel Wert wurde darauf gelegt, dass die dargestellten Teenager hip, jung und aufgedreht wirken. Kinogängern, die ihren Schulabschluss schon etwas länger hinter sich haben und nicht gerade Hardcore-Fans von Horror-Trash sind, dürfte der Film eher befremdlich vorkommen.

Quelle: teleschau - der mediendienst