Cordula Stratmann

Cordula Stratmann





"Für mich ist das Schräge das Normale"

Deutsches Comedy-Fernsehen steht und fällt nicht selten mit ihr: Cordula Stratmann. Die 51-Jährige war und ist eine tragende Säule von zahlreichen Unterhaltungsformaten, am bekanntesten ist sicher die Impro-Show "Schillerstraße". Nun ist die einstige Familientherapeutin und heutige Garantin für massentaugliche Lachnummern gleich in zwei neuen TV-Produktionen zu sehen: In der sechsteiligen ZDF-Sitcom "Ellerbeck" (ab Freitag, 24. Juli, 22.30 Uhr) spielt Stratmann eine Kindergartenleiterin, die sich in die Politik drängen lässt und unverhofft Bürgermeisterin wird. Und als schlagfertige wie schräge Tierheilpraktikerin mischt sie sich in "Die Kuhflüsterin" (viermal zwei Folgen ab Freitag, 3. Juli, 18.50 Uhr, ARD) immer wieder in die Angelegenheiten anderer Leute ein. Im Interview spricht Cordula Stratmann über innere Ruhe und Besonnenheit, zwischenzeitliche Ausflipp-Phasen und Verrücktheit als Normalität.

teleschau: Frau Stratmann, sind Sie generell schnell für eine Sache zu begeistern?

Cordula Stratmann: Das kommt auf die Sache an. Je nachdem, um was es geht, kann ich mich sowohl sehr schnell begeistern als auch mit größter Skepsis vorgehen.

teleschau: Wann waren Sie zuletzt so richtig angetan von etwas?

Stratmann: Das waren tatsächlich die beiden Produktionen, die ich gedreht habe: "Ellerbeck" und "Die Kuhflüsterin". Für die habe ich mich ganz und gar entschieden, war Feuer und Flamme und habe meine ganzen Kräfte reingesteckt.

teleschau: Und wann waren Sie kürzlich mal total gegen etwas?

Stratmann: Bei Anfragen, die ich unpassend fand. Wobei ich in solchen Fällen auch nicht wirklich auf Krawall gebürstet bin, sondern einfach nur höflich "nein" sage.

teleschau: Regen Sie sich allgemein nicht so schnell auf?

Stratmann: Von meinem Temperament her bin ich eigentlich sehr leicht zu entfachen. Das geht in Richtung Freude genauso wie in Richtung Aufregung. Da aber Aufregung auf lange Sicht kein guter Ratgeber ist, ebbt die bei mir schnell wieder ab.

teleschau: Als einstige Familientherapeutin möchte man bei Ihnen auch einen eingebauten Ruhepol vermuten.

Stratmann: Auch Familientherapeuten bleiben immer das Wesen, das sie eben sind, das ist ganz unabhängig vom Job. In der Arbeit als Familientherapeutin ist natürlich Besonnenheit wichtig. Die habe ich mir in wichtigen Momenten auch bewahrt.

teleschau: Und als Mutter? Ihr Sohn ist neun Jahre alt. Sind Sie ihm gegenüber auch immer besonnen?

Stratmann: Na ja, ich gehe - wie jede andere Mutter auch - bisweilen unangespitzt durch die Decke (lacht).

teleschau: Und dann? Wie beruhigen Sie sich wieder?

Stratmann: Ich sehe zu, dass ich kurz nach draußen gehe, mich durchlüfte und dann hoffentlich schon etwas entspannter bin.

teleschau: Fürs Fernsehen gehen Sie nun verstärkt auf die Barrikaden - und das mit großem Erfolg: in Ihrer Rolle als Kindergärtnerin und Bürgermeisterin Sabine Ebert in "Ellerbeck". Hat Ihnen die vielleicht auch deshalb zugesagt, weil Ebert anscheinend immer für die gute Sache kämpft?

Stratmann: Nein, denn das würde ja bedeuten, dass Cordula Stratmann Sabine Ebert wäre oder umgekehrt. Die beiden haben nichts miteinander zu tun. Für mich waren das Drehbuch und die Serienidee einfach sehr überzeugend. Vor allem fand ich es reizvoll und spannend, einen privaten Menschen zu spielen, der in die Politik gerät, gepaart mit dem Konflikt mit einer Bürgerinitiative. Und die Umsetzung hat die Qualität der Geschichte dann auch bestätigt. Alle sechs Folgen finde ich wirklich gut gelungen.

teleschau: Sie sagen, Sie wären nicht Ebert oder umgekehrt. Eberts kritische Meinung zu Schweinemastanlagen ist also auch nicht Ihre?

Stratmann: Der Initiator der Anlagen, der Bürgermeister von Ellerbeck, ist natürlich ein übler Geselle und der Deal mit dem Anlagen-Investor eine große Schweinerei, im wahrsten Sinne des Wortes. Aber ich persönlich sehe diese ungebremste Wutbürgerschaft, die dem gegenübersteht, genauso kritisch. Diese selbstzufriedene moralische Sicherheit, in der manche Wutbürger sich wiegen, erscheint mir doch sehr fragwürdig.

teleschau: Ebert ist Kindergartenleiterin - und plötzlich Politikerin und sogar neue Bürgermeisterin, weil sie sich mehr oder weniger überreden lässt. Sie sagt, sie sei eine "Ja-Nein-Verwechslerin". Auch keine Gemeinsamkeit zu Ihnen?

Stratmann: Nein, auf keinen Fall! Das ist eher ein Unterscheidungsmerkmal. Ich weiß sehr genau, wann ich "ja" und wann ich "nein" sagen möchte, in der Angelegenheit bin ich wenig verwirrt.

teleschau: Vielleicht sind Sie im Gegensatz zu Sabine ja auch eher jemand, der gerne im Vordergrund steht. Sind Sie eine Leitwölfin?

Stratmann: Ach, ich gehe genauso gerne auch mal in die hintere Reihe, wenn vorne gerade genug andere rumtanzen. Ich genieße zwar die Aufmerksamkeit, wenn ich vorne stehe, ansonsten wäre ich ja auch im falschen Job. Aber das alles ist nicht zwingend notwendig für mich.

teleschau: Kommt Ihnen Ihre Rolle als Belinda Mommsen in "Die Kuhflüsterin" womöglich näher als die der Sabine Ebert?

Stratmann: Auch das nicht - weil ich im Gegensatz zu Belinda Mommsen ein diskreter Mensch bin. Von mir erfahren Sie nichts über Dritte.

teleschau: Die Tierheilpraktikerin Mommsen lebt zusammen mit ihrem Sohn und einer Kuh. Könnten Sie sich wahrscheinlich auch eher schwer vorstellen, oder?

Stratmann: (lacht) Richtig! Bisher habe ich alle Anfragen von Kühen abgelehnt.

teleschau: Würden Sie sich trotzdem eine gewisse Schrägheit attestieren?

Stratmann: Ich glaube, dazu fehlt mir der Blick. Ich finde auch andere Leute selten schräg. Für mich ist das Schräge wohl das Normale.

teleschau: Sie finden nichts und niemanden schräg?

Stratmann: Wen ich auf jeden Fall schräg finde, sind humorlose Menschen. Bei denen frage ich mich, wie die das machen, von morgens bis abends nicht spaßbereit zu sein.

teleschau: Wie wirken humorlose Menschen auf Sie?

Stratmann: Es gibt Tage, da könnte ich sie ohrfeigen, und es gibt Tage, da könnte ich mich wegschmeißen vor Lachen über sie. Wenn ein humorloser Mensch einen genau dann ratlos anguckt, wenn es gerade heiter wird, finde ich das unheimlich komisch.

teleschau: Bemitleiden Sie humorlose Menschen auch ein wenig?

Stratmann: Diese Menschen sind ja oftmals vor allem darin gut, sich über die Welt zu beklagen. Und das bemitleide ich eher nicht.

teleschau: Und Sie selbst? Worüber können Sie aktuell lachen? Zum Beispiel, was das deutsche Fernsehprogramm betrifft?

Stratmann: Natürlich über den "Tatortreiniger"!

teleschau: Finden Sie das deutsche Unterhaltungsfernsehen aktuell generell lustig? Oder bedarf es Ihrer Ansicht nach mal einer Reform?

Stratmann: In dieser Weise befasse ich mich gar nicht damit. Ich habe meinen ganz eigenen Geschmack und Humor, das kann man auch an allem sehen, was ich persönlich in diesem Bereich mache. Wir kreativen Arbeiter bieten den Zuschauern immer etwas an und freuen uns, wenn sie Spaß daran haben und womöglich eine Zeitlang dabei bleiben.

teleschau: Und wann finden Sie ein eigenes Projekt gelungen?

Stratmann: In meinem Kopf habe ich keine Quotenvorgabe dafür, wann etwas ein Erfolg ist und wann nicht. Ich bin zufrieden, wenn ich am Ende einer Arbeit sagen kann: Ich mag das. Und wenn ich den Zuschauern mit gutem Gewissen empfehlen kann, sich das auch mal anzuschauen.

Quelle: teleschau - der mediendienst