Emilia Clarke

Emilia Clarke





"Ich bin jetzt eine Killer-Maschine"

Für die allermeisten symbolisierte sie bislang nur eine Figur: die einzig wahre "Mutter der Drachen". Mit ihrer Rolle als Daenerys Targaryen in der Fantasysaga "Game of Thrones" erreichte Emilia Clarke in den vergangenen Jahren weltweit Bekanntheit bei einem Millionenpublikum, als hübsche Herrscherin wird sie weithin verehrt. Nun spielt die 28-Jährige, die in Wirklichkeit gar nicht blond ist, ihre erste große Kinorolle: In "Terminator: Genisys" (Start: 09. Juli) verkörpert sie keine Geringere als Sarah Connor. Doch die Nachfolge von Linda Hamilton hat wohl einen größeren Tribut gefordert: Gestützt von Krücken erscheint die ebenso charmante wie witzige Engländerin zum Interview in Berlin. Im Gespräch verrät sie, wie es zu dem Malheur kam, wie ihr erster großer Filmdreh verlief und wie es ist, mit Arnold Schwarzenegger zu arbeiten.

teleschau: In "Terminator: Genisys" übernehmen Sie die Rolle der legendären Sarah Connor. Haben Sie zur Vorbereitung mit Ihrer Vorgängerin Linda Hamilton gesprochen?

Emilia Clarke: Nein, überhaupt nicht. Aber jeder hat mich das gefragt, also sollte ich vielleicht hinterher doch einmal mit ihr reden (lacht).

teleschau: Aber die alten "Terminator"-Filme haben Sie gesehen?

Clarke: Oh ja, mit denen bin ich aufgewachsen. Mein älterer Bruder zeigte mir gerne Filme, für die ich viel zu jung war. Nur, um mich weinen zu sehen (lacht)! Ich fragte damals meinen Vater, ob das Ketchup ist, was sie in dem Film benutzen. Die Filme sah ich also schon recht früh. Später jedoch, in dieser launischen Teenager-Phase kam ich wieder auf die Kult-Klassiker zurück und schaute sie bewusster. Linda Hamiltons Charakter nutzte ich fortan als Vorbild für starke weibliche Charaktere, wie ich sie später spielen sollte - so wie eben in "Game of Thrones". Wenn du mit einer Ikone aufwächst, die du so sehr schätzt, dann nutzt du, naiverweise, natürlich die Gelegenheit, wenn du die Rolle bekommst.

teleschau: Haben Sie für den Part etwas von Linda Hamiltons Figur übernommen?

Clarke: Nein. Wir änderten den Charakter Sarahs aus den ersten beiden Teilen grundlegend. Ihre Hintergrundgeschichte ist einfach völlig anders. Es ging also nicht darum, dass ich die Figur von damals nur kopiere. Letztlich näherte ich mich dem Drehbuch so, wie ich es bei jedem anderen Skript mit einem neuen Charakter tun würde. Und glücklicherweise signalisierte Produzent James Cameron seine Zustimmung - und alle Ängste, die ich hatte, waren ausgeräumt.

teleschau: Zumal Sie ja, anders als in den ersten Teilen, vor allem gegen visuelle Effekte anspielen mussten. Wie schwer ist das?

Clarke: Daran bin ich durch "Game of Thrones" seit einigen Jahren gewöhnt. Dort wurden die Effekte immer mehr. Es begann mit einer kleinen grünen Socke (lacht), und geriet dann größer und größer. "Terminator" als mein erster großer Blockbuster-Dreh war in diesem Sinne eine Art natürliche Entwicklung für mich. Darin gibt es viel mehr Grün. Es ist schwer, aber macht als Schauspielerin auch jede Menge Spaß, weil man seine Vorstellungskraft benutzen muss. Und davon kann man noch viel mehr einsetzen, wenn man nur von Grün umgeben ist (lacht).

teleschau: Haben Sie keine Angst davor, dass die Spezialeffekte die Filme Stück für Stück dominieren, und die Schauspieler nur noch eine Art Bonus sind?

Clarke: Es kommt ja darauf an, in welchen Filmen man spielt. Independent-Filme werden schließlich immer noch gedreht. Solange man die Integrität aufrechterhalten kann, ein wirkliches menschliches Wesen darzustellen, gibt es kein Problem. Es ist eine Frage der Entscheidungen, die man trifft: Natürlich gibt es "Avatar" und Andy Serkins Performance in "Herr der Ringe" - da ist die technische Umsetzung der wahre Star. Doch Schauspieler wird man immer brauchen, um am Ende die emotionale Glaubwürdigkeit zu bewahren.

teleschau: Wussten Sie beim Dreh von "Terminator: Genisys" in jeder Szene schon vorher, wie sie im fertigen Film aussehen würde?

Clarke: Ja! Ich sah Zeichnungen, auf denen man wie eine wirklich witzige, mit viel größeren Brüsten bestückte Version seiner selbst aussieht (lacht). Das ist immer köstlich. Auf jeden Fall bekommt man einen Eindruck. Manchmal hat mich Alan (Taylor, der Regisseur, Anm. d. Red.) beiseite genommen und erklärt, was wir jetzt machen. Woraufhin ich sagte: "Aahh, ich hatte es völlig falsch verstanden! Ich geh nochmal zurück und versuche zu imitieren, von der Brücke zu fallen (lacht)."

teleschau: Hat es geholfen, mit Alan Taylor zu arbeiten, den Sie von "Game of Thrones" kennen?

Clarke: Ja, heimlich denke ich, dass er der Grund ist, warum ich den Job überhaupt bekommen habe (lacht)!

teleschau: Was ist denn der Unterschied zwischen einer Rolle in einer großen Serie wie "Game of Thrones" und einer in einem Blockbuster wie "Terminator"?

Clarke: "Thrones" wurde im Laufe der Staffeln immer größer und größer. Der wesentliche Unterschied besteht also vor allem darin, wie viel Zeit man am Set verbringt und wie stark man involviert ist. Beim Dreh der Serie gibt es immer noch 99 andere Leute, die ebenfalls daran arbeiten. In "Terminator: Genisys" stand ich also etwas mehr unter persönlichem Druck. Der Maßstab ist allerdings ungefähr der gleiche. Nur mit etwas mehr Waffen (lacht).

teleschau: Als Daenerys Targaryen in "Game of Thrones" sind Sie sehr damit beschäftigt, zu herrschen. In "Terminator" hingegen nehmen Sie eine weitaus körperlichere Rolle ein. Wie schwer war dieser Wechsel?

Clarke: Da kommen wir wieder zu meiner Naivität. Ich war etwas geschockt, wie viel man tatsächlich machen muss (lacht)! Man sieht diese ganzen Blockbuster, und alles sieht so mühelos aus. Als ich dann am Set war, brachte man mir erst mal bei, wie man rennt! Denn ich renne nicht wirklich gut (lacht). Also habe ich trainiert, es krass aussehen zu lassen. Dass ich auf der Theaterschule war, hat dabei allerdings geholfen.

teleschau: Sie haben aber schon einen Preis dafür gezahlt - oder warum die Krücken?

Clarke: Oh, diese kleinen Dinger da. Also das geschah so: Arnold und ich waren auf der Tanzfläche und haben alles wortwörtlich in Einzelteile zerlegt. Er erzählte mir von neuen Stunt-Ideen, und ich beschloss, das Ganze auf ein ganz neues Level zu heben. Da ist das dann mit der gebrochenen Hüfte passiert.

teleschau: Tat es ihm leid?

Clarke: Na klar, auf jeden Fall! Er drohte sogar an, mich überall hin zu tragen. Das ist bislang aber noch nicht passiert.

teleschau: Hoffentlich sind Sie bald wieder fit! Schließlich soll es noch zwei weitere "Terminator"-Filme geben ...

Clarke: So lauten zumindest die Gerüchte. Es ist wie bei "Game of Thrones": Wer weiß?! Wir konzentrieren uns erst mal auf die Veröffentlichung des fünften Teils und schauen dann, was kommt.

teleschau: Würden Sie die Rolle erneut übernehmen?

Clarke: Tja, wer würde das nicht?

teleschau: Was die Handlung von "Genisys" betrifft: Skynet verbreitet darin eine Art Killer-App, um die Menschheit vollständig zu kontrollieren. Glauben Sie, eine solche Gefahr kann von Maschinen auch in der Realität ausgehen?

Clarke: Eine Killer-App? Wer würde die denn herunterladen (lacht)? Im Ernst, ich glaube es ist ein hochaktuelles Thema. So wie die ersten beiden Filme die Gefahren ihrer Zeit reflektierten, haben wir nun etwas, das mit uns zusammenhängt. Ich denke, Technologie ist gleichermaßen gut wie schlecht. Persönlich fürchte ich mich vor der Technologie selbst weniger als vor den Menschen, die sie kontrollieren.

teleschau: Apropos Technologie: Wie wohl haben Sie sich mit einer Waffe in der Hand gefühlt?

Clarke: Erschreckenderweise sehr! Ich bin jetzt eine Killer-Maschine. Manchmal mache ich mir selbst Angst (lacht).

teleschau: Sie hatten vorher wenig damit zu tun ...

Clarke: Ich habe nie zuvor überhaupt mit Waffen trainiert, das liegt alles an Sarah Connor! Dies gehört zu den Fähigkeiten, die sie sich angeeignet hat, um zu überleben. Schließlich tut man alles, was man in Vorbereitung für eine Rolle macht, für das Gelingen des Films.

teleschau: Bislang konnten Sie sich hinter Ihrer "Game of Thrones"-Rolle ein wenig verstecken. Sind sie im Zuge des Blockbusters darauf vorbereitet, noch mehr Privatsphäre zu verlieren?

Clarke: "Wahrscheinlich nicht", wäre die kurze Antwort darauf (lacht). Durch den enormen Erfolg von "Game of Thrones" hatte ich nun sechs Jahre Zeit, mich an eine solche Karriere zu gewöhnen. Von allem, was sich nun in meinem Privatleben infolge von "Terminator" ändert, lasse ich mich Schritt für Schritt überraschen.

teleschau: Wie war es, mit einer Legende wie Arnold Schwarzenegger zu arbeiten?

Clarke: Cool. Ziemlich cool!

teleschau: Waren Sie ein wenig nervös, hatten Sie Angst?

Clarke: Ja, ich glaube, Angst spüren viele Leute, bevor sie Arnold treffen. Es liegt aber sicher nicht an ihm. Erst wird man total still, wenn er den Raum betritt. Dabei ist seine charmante, humorvolle Film-Präsenz auch in Realität genau so. Er beruhigt erst mal alle, macht einen Witz und weiter geht's. Es war sehr inspirierend, mit ihm zu arbeiten. Er hat so viel mit seinem Leben gemacht, und es ist beeindruckend jemanden zu sehen, der ein Set so beherrscht und beruhigt.

Quelle: teleschau - der mediendienst