Anne Moll

Anne Moll





"Es ist ein bisschen wie ein Märchen"

Schauspielerin, Synchronsprecherin, Mutter und jetzt auch noch Serienstar: Anne Moll hat gerade alle Hände voll zu tun. Dass sie den Part der Nora Franke in der ARD-Serie "Rote Rosen" ergattert hat, sieht sie als großes Glück - auch, wenn die Arbeit in Lüneburg anstrengend ist. Ab Folge 2.001, am Montag, 20. Juli, ist die 48-Jährige Mutter zweier Töchter in "Rote Rosen" im Ersten zu sehen (immer wochentags, um 14.10 Uhr). Im Interview sinniert Moll über gefühlt unendliche Textmengen, Spaß am Set und das Gesicht von Jane Fonda.

teleschau: "Rote Rosen" ist Ihr erstes langfristiges Serien-Engagement. Wie hat sich das ergeben?

Anne Moll: Manchmal fällt einem so was einfach in den Schoß, wie die Dinge im Leben so passieren. Man bewirbt sich ja als Schauspielerin nicht darum, man ist auf dem freien Markt und bekommt Casting-Angebote, die man gewinnt oder verliert. Dieses Mal war ich die Glückliche, die es getroffen hat (lacht).

teleschau: Wie war es für Sie, in eine "Kultserie" einzusteigen, die schon so lange ein so treues Publikum hat?

Moll: Da bin ich natürlich gespannt, wie die Zuschauer uns aufnehmen werden, aber eigentlich bin ich mehr in "froher Hoffnung". Ich glaube, die Autoren haben sich eine tolle Geschichte ausgedacht, und wir Schauspieler mühen uns redlich, das schön zu machen und haben auch viel Spaß dabei.

teleschau: Was ist für Sie die große Stärke von "Rote Rosen"?

Moll: Ich finde, dass es ein bisschen wie ein Märchen ist. Im Leben kann man ja leider nicht davon ausgehen, dass immer alles gut wird. Bei den "Roten Rosen" passiert zwar viel Schlimmes, aber man weiß ja vorher, dass es immer gut ausgeht. Ich glaube, das ist es, dass man mitatmen und mitleiden kann und trotzdem weiß: Uff, es wird gut enden!

teleschau: Wissen Sie schon, wie die Geschichte Ihrer Rolle Nora Franke ausgehen wird?

Moll: Nein, Gott sei Dank noch nicht! Es kann gut sein, dass die Staffel in den Köpfen der Autoren schon fertig ist. Vielleicht sollte ich mal ... Aber nein, ich glaube, ich will das gar nicht wissen. Es ist ja wie im Leben! Möchte man denn wissen, wann genau man eines Tages tot umfällt? Ich glaube, ich kann so spontaner auf die Story reagieren.

teleschau: Sehen Sie sich denn auch als Frau, die "die 40 hinter sich, aber das Beste noch vor sich hat", wie es in der Rollenbeschreibung heißt?

Moll: Ach, ich finde, ich habe viel Bestes erlebt, und ich erlebe bestimmt noch viel Bestes (lacht).

teleschau: Hat es lange gedauert, sich auf diese Rolle vorzubereiten? Wie sind Sie vorgegangen?

Moll: Naja, ich hatte ja gar nicht so viel Zeit. Ich glaube, ich habe das erste Buch wie alle anderen auch drei Wochen vor Drehbeginn bekommen. Die Kollegen haben mir den Tipp gegeben, Rollschuhlaufen zu lernen und auch mal mit dem Kicker zu üben, aber viel anderes war nicht zu tun. Ansonsten konnte ich nur in meinen professionellen Kasten greifen, mein Handwerkszeug schultern und mich da reinwerfen in das gemachte Bett. Hier sind alle so freundlich und helfen einem, wo es nur geht. Die schieben einen dahin, wo man hin muss, und ich muss wirklich nur meine Arbeit erfüllen.

teleschau: Haben Sie eine bestimmte Vorgehensweise, wenn Sie sich in eine Figur einarbeiten?

Moll: Ich bin ein starker Bauchspieler. Natürlich denke ich zu Hause über die Figur nach und gehe "mit ihr schwanger", wie man sagt. Aber die konkreten Szenen spiele ich am liebsten mit den Kollegen direkt, um zu sehen, was dabei herauskommt. Denn da entsteht oft viel mehr als das, was man sich zu Hause schick überlegt hat in seinem Kämmerchen. Das mache ich auch auf der Bühne gerne so. Bei den Proben ist es irgendwie immer am lebendigsten.

teleschau: Wie gut haben Sie sich jetzt schon in Nora reingefunden? Ist sie angenehm für Sie?

Moll: Ja, das ist sie. Ich glaube, man wird so gecastet, dass die Rolle nicht sehr weit von einem weg ist. Ich muss mich jetzt nicht sonderlich verstellen. Ich muss aber wirklich darauf achten, "frisch" zu bleiben. Nora ist sehr energiereich und fröhlich. Manchmal beißt sie auch ein bisschen um sich, und das braucht ja immer Kraft.

teleschau: Was waren die wichtigsten Tipps, die Ihnen Ihre Vorgängerin Jenny Jürgens gegeben hat?

Moll: Dass das Schlafen ganz wichtig ist, denn man muss einfach ein so anstrengendes Pensum bewältigen. Sie hat mich vorgewarnt, aber ehrlich gesagt umreißt man das ganze Ausmaß erst mal nicht. Man begreift nicht, was da auf einen zurollt, wie man von Montagfrüh bis Freitagabend gefangen ist in - in meinem Fall - Nora Franke. Am Wochenende lerne ich natürlich auch noch Text und vernachlässige darüber leider im Moment ein bisschen meine Familie.

teleschau: Bereuen Sie denn Ihre Entscheidung, bei den "Roten Rosen" anzufangen?

Moll: Nein, überhaupt nicht. Ich dachte eben, das wird so wie immer. Neulich meinte ich so zu mir: Och, ich bin es gewohnt, "achtspurige Autobahnen" in meinem Leben zu fahren. Da sind die zwei Kinder, man geht morgens aus dem Haus, rast dann ins Studio, dann kauft man noch dies und erledigt noch das. Nachmittags Hausaufgaben machen, dann noch mal ins Studio, und es heißt: "Oh Gott, wer passt auf die Kinder auf?" Man läuft da schon immer so viel auf Hochtouren. Und da dachte ich: Ach, hier muss ich mich jetzt nur auf eine Sache konzentrieren, das ist meine Nora Franke. Mehr muss ich nicht machen, der Papa ist zu Hause und passt auf ... Ja, denkste! Auch Nora Franke ist eine achtspurige Autobahn!

teleschau: Fallen Ihnen als Bühnenschauspielerin bei der Arbeit große Unterschiede zum TV-Dreh auf? Was finden Sie besser?

Moll: Für mich sind das zwei so verschiedene Genres, dass ich gar nicht das eine als besser oder schlechter bezeichnen kann. Natürlich hat man auf der Bühne den leibhaftigen Kontakt zum Publikum. Da muss ich mir nicht überlegen: Wie reagieren die jetzt am 20. Juli? Man spürt es auf der Bühne in dem Moment, in dem es passiert. Diesen direkten Draht gibt es hier beim Dreh nicht. Hier haben wir jetzt für eine Szene zwischen 20 und 40 Minuten Zeit. Das muss dann mit gelerntem Text probiert, technisch gemeistert und durchgespielt werden mit anschließendem Schnitt auf die Großköpfe. Das ist schon sehr wenig Zeit. Eigentlich muss es immer gleich die erste Runde sein, die man "erspielt". Da kann man am Theater wesentlich mehr rumprobieren.

teleschau: Sie sind ja für die Dreharbeiten nach Lüneburg gezogen. Wie gefällt es Ihnen dort?

Moll: Ich würde gerne mehr von der Stadt sehen. Heute Abend habe ich mich das erste Mal zum Wein überreden lassen. Ich würde Lüneburg tierisch gerne kennenlernen, weil es so süß aussieht, wenn man da durchgefahren wird oder mal durch schlendert, wenn ich zum Beispiel direkt vom Drehort nach Hause gehe. Ich glaube, man könnte hier gut ein paar Tage Urlaub machen.

teleschau: In einem Interview haben Sie schon gemutmaßt, dass Ihre zwei Töchter - und wahrscheinlich auch Ihr Mann, der Schauspieler Ulrich Gebauer - sich sehr umstellen müssen, weil Sie jetzt unter der Woche abends nicht mehr daheim sind. Haben sich schon alle dran gewöhnt?

Moll: Nein, leider noch nicht. Die Mädels und auch ich, wir haben schon die Klöße im Hals, wenn wir abends telefonieren. Jetzt hat auch der Papa wieder angefangen zu drehen. Wenn dann beide Elternteile nicht da sind, merke ich das schon, dann häufen sich die Anrufe von zu Hause. Das ist nicht so einfach.

teleschau: Mussten Sie jetzt eigentlich das Rollschuhlaufen und Kickern für die Rolle lernen?

Moll: Ja, denn eigentlich soll Nora immer Rollschuhlaufen, wenn sie Stress hat. Aber das ist leider bisher nur zweimal aufgetaucht. Ich hoffe, die Autoren vergessen das nicht ganz. Es macht ja irgendwie Spaß, so durch Lüneburg zu rollern ...

teleschau: Dürfen Sie denn schon etwas verraten über die anstehenden Folgen?

Moll: Es gibt natürlich Herzschmerz, viel auf und ab. All die Dinge, die eben im Leben so passieren, vielleicht noch ein bisschen mehr davon. Wir haben ja dieses Mal auch ein Krimi-Element dabei, das ist neu. Denn Nora hat schon mal ein anderes Leben gehabt. Da tauchen dann auch plötzlich Figuren aus der Vergangenheit auf, die vielleicht gefährlich für sie sein könnten.

teleschau: Ist Ihnen seit dem Start bei "Rote Rosen" schon mal was Peinliches am Set passiert?

Moll: Also, dass mir tausendmal der Text nicht einfällt, ist schon gar nicht mehr peinlich (lacht). Ich habe auch lustige Versprecher, bei denen dann alle schmunzeln.

teleschau: Sie haben kürzlich Jane Fonda in der Netflix-Serie "Grace & Frankie" synchronisiert. Wie war das denn so?

Moll: Naja, man denkt ja schon: Moment, die ist jetzt doch ein bisschen älter als ich. Man wundert sich dann auch ein bisschen über ihr Aussehen, die sieht ja so alt aus wie ich - oder ich sehe so alt aus wie sie - leider ... Ansonsten hat es natürlich Spaß gemacht, ich finde, es ist eine lustige Serie. Gerade die Männergeschichte gefällt mir fast noch besser als die der beiden Frauen, und es ist schön, mal ein solches Alter beleuchtet zu sehen. Es hat total Spaß gemacht.

teleschau: Was machen Sie als erstes, wenn "Rote Rosen" im März für Sie endet und der ganze Stress mit zwölf Bildern am Tag vorbei ist?

Moll: Ich weiß nicht ... Den ganzen Tag in der Badewanne liegen? (lacht) Mit meinen Kindern tollen und spielen! Im Moment habe ich immer Angst, dass ich mir beim Herumtollen eine Beule hole oder so etwas. Man soll ja vor der Kamera immer irgendwie gleich und vor allem schön aussehen. Das ist natürlich schwierig, wenn man dann manchmal mit einem Beulchen an der Lippe ankommt. Ich werde also einfach unbeschwert losleben und faul sein.

Quelle: teleschau - der mediendienst