"Die Minions sind liebenswerte Idioten"

"Die Minions sind liebenswerte Idioten"





Pierre Coffin führte Regie bei "Minions 3D" (Kinostart: 02.07.)

Gelbe Wesen umgeben ihn seit Jahren: Pierre Coffin und die weltweit beliebten Minions sind unzertrennlich, seit ihnen der Franzose 2010 im Animationsfilm "Ich - Einfach unverbesserlich" seine Stimme lieh. Doch nicht nur das: Der Animator führte gemeinsam mit Chris Renaud Regie beim Publikumserfolg und auch bei dessen Nachfolger von 2013. Schnell wurde klar: Heimliche Stars und Erfolgsgaranten der Animationsabenteuer sind die ebenso undefinierbaren wie frechen Dreikäsehochs. Unter Leitung des 47-Jährigen bekommen sie nun endlich ihren eigenen Film - und diesmal vertonte er jeden Einzelnen. Im Interview spricht der Regisseur über das 3D-Animationsspektakel "Minions" (Kinostart: 02.07.) und seine Beziehung zu den liebenswerten, doch etwas dümmlichen Geschöpfen.

teleschau: Wann haben Sie zum letzten Mal einen Tag verbracht, ohne auch nur einen einzigen Minion zu sehen oder zu hören?

Pierre Coffin: Oh Gott. Das muss ungefähr acht Jahre her sein.

teleschau: Acht Jahre?

Coffin: Ja, bevor alles begann. Von da an ging es so schnell von einer Sache zur nächsten. Selbst als ich eigentlich nicht daran arbeitete, fand ich immer wieder zu den Minions. Zum Beispiel als sie die Achterbahn im Universal-Park in Orlando planten, die sich ausschließlich um die Minions dreht. Außerdem machte ich verschiedene Werbeaufnahmen in verschiedenen Ländern und all das.

teleschau: Das heißt, die Minions sind immer da?

Coffin: Ja, es ist eigenartig. Sie sind so präsent in meinem Leben, bis zu dem Punkt, dass ich mich weigere, irgendetwas in meiner Wohnung zu haben, das mit den Minions zu tun hat. All die Spielzeuge gebe ich einfach der Crew.

teleschau: Gehen Ihnen die Minions manchmal auf die Nerven?

Coffin: Eigentlich nicht wirklich. Zumindest momentan noch nicht. Die Sache ist die: Wenn ich nach neuen Ideen zu den Minions suche, finde ich auf irgendeine Weise jedes Mal etwas. Es muss also etwas Besonderes an diesen Kerlchen geben, das mich inspiriert.

teleschau: Was könnte das sein?

Coffin: Ich weiß es wirklich nicht. Oft frage ich mich, warum genau diese Wesen so erfolgreich sind. Es gibt eine Theorie, dass man seine menschlichen Emotionen gut auf sie projizieren kann - was sie automatisch zum Leben erweckt. Ich habe das Gefühl, dass es in diese Richtung geht: Die Tatsache, dass ihre Form so einfach und ansprechend ist, dass selbst ein Kind sie überaus leicht zeichnen kann. Immer wieder bekomme ich Minions von Kindern - und auch Erwachsenen - geschickt, die sie geschnitzt oder geknetet oder einfach gezeichnet haben. Es scheint, als wäre es sehr leicht, sich die Minions anzueignen, indem man sie für sich selbst kreiert.

teleschau: Glauben Sie, es hängt auch mit der Minion-Sprache zusammen, die Sie erschaffen haben?

Coffin: Ich wünschte, man könnte es Sprache nennen (lacht)! Denn es ist wirklich keine! Es ist wirklich wenig berauschend. Dass sie so sprechen, liegt einzig an meinem Mangel an Vorstellungskraft. Das beruht alles auf dem Konzept, dass man etwas nur mit der richtigen Betonung sagen muss - und schon werden die Kerle von allen verstanden. Ich benutze nur einige wenige Schlüsselwörter, die für das Voranschreiten der Story benötigt werden. Alle anderen Ausdrücke kommen von Erinnerungen an meinen Deutschunterricht, an meine Reisen nach Japan oder an meine Mutter in Indonesien. Aus all diesen Sprachen ist die der Minions zusammengesetzt - und als wir an dem Film arbeiteten, ergab das im Rückblick auch wirklich Sinn.

teleschau: Welchen denn?

Coffin: Weil die Minions schon seit Jahrtausenden auf der Erde leben und allen möglichen Meistern in verschiedenen Ländern gedient haben, ist es eben nur logisch, dass sie so sprechen. Das haben wir uns allerdings nicht vorher als Konzept ausgedacht. Im Nachhinein hielten wir uns wegen dieses Gedankens aber für unglaublich intelligent (lacht).

teleschau: War die Entwicklung der Minions in der Weltgeschichte schon ein früheres Konzept, oder entstand sie extra für den Film?

Coffin: Unser Designer Eric Guillon entwickelte die Minions - und hatte im ersten Teil nur eine vage Vorstellung davon, wo sie herkommen könnten. Sie leben unter der Erde, aber wie kommen sie dahin? Also entstand im Laufe diverser Kurzfilme die Idee, dass sie schon vor der Entstehung des Lebens auf der Erde gelebt haben und eine Art Evolution durchschritten. Das war alles Erics Idee.

teleschau: Könnte man also sagen, dass die Minions die wahren Erdenbewohner sind?

Coffin: So könnte man es auch sehen! Und das, obwohl es keine weiblichen Minions gibt.

teleschau: Warum eigentlich nicht?

Coffin: Zum einen wollten wir es nicht so machen wie bei den Schlümpfen. Zum anderen sind die Minions ja im Grunde recht dumme Idioten, wenn auch sehr liebenswerte Idioten. Deswegen kann ich mir noch immer keine Minion-Frau unter ihnen vorstellen.

teleschau: So dumm sind sie gar nicht. Immerhin schaffen sie es durch alle Epochen und Kontinente. Warum ist der Hauptteil von "Minions" in den 60er-Jahren angesiedelt?

Coffin: Im Grunde soll die Geschichte erzählen, wie die Minions ihren späteren Meister Gru kennenlernen. Also mussten wir von unserer Gegenwart in der Geschichte zurückgehen. Und die 60-er gaben uns dabei großartige Möglichkeiten. Wir konnten zum Beispiel tolle Musik integrieren, wie die der "Doors". Früher dachten die Zuschauer vielleicht an Vietnam-Filme, wenn sie ihre Lieder hörten. Vielleicht denken sie ab jetzt an etwas heiterere Dinge (lacht).

teleschau: Glauben Sie, dass sie mit dem außergewöhnlichen Setting ein Risiko eingegangen sind?

Coffin: Uns hat wirklich Sorgen bereitet, dass die Leute erwarten würden, die Minions seien wie in den ersten beiden Filmen. Dabei ist das unmöglich. Darin sind sie schließlich nur Sidekicks, sie sind nur für das befreiende Lachen zuständig. Sobald man sie ins Zentrum stellt, wäre es unerträglich, alle 15 Sekunden zu lachen. Ihre Charaktere wären nicht mehr wichtig.

teleschau: Gibt es weitere Pläne? Können wir einen weiteren Minions-Film erwarten?

Coffin: Ich habe keine Ahnung. Dafür ist es noch zu früh. Es wird einen dritten Teil von "Ich - Einfach unverbesserlich" geben. Und es wird mein letzter sein. Dann sind es schließlich zehn Jahre mit den Minions, das ist genug.

Quelle: teleschau - der mediendienst