Constantin von Jascheroff

Constantin von Jascheroff





Nicht jammern, machen!

Constantin von Jascheroff ist ein Macher. Wenn er etwas erreichen möchte, geht er es voller Leidenschaft an, anstatt nach Gründen zu suchen, die ihn von seinem Vorhaben abbringen könnten. Dabei gab es einen sehr guten Grund, nicht beim Casting zur Serie "Mit Dolch und Degen", die ARTE ab Montag, 6. Juli, 17.30 Uhr, zeigt, vorzusprechen: Der Dreh fand auf Spanisch statt - eine Sprache, die von Jascheroff bis dato nicht sprach. "Aber ich stürze mich gerne in neue Abenteuer und hatte ja nichts zu verlieren, als ich zum Casting ging", erzählt der 29-Jährige. Für die Rolle des spanischen Königs reichte es am Ende nicht, aber eine andere Hauptrolle sprang für ihn heraus, was bestätigt: Mut wird belohnt, wenn der Mut mit Talent gepaart ist. Und das Talent wurde von Jascheroff 2006 mit dem Förderpreis Deutscher Film bescheinigt und bereits in die Wiege gelegt: Zum schauspielernden Teil der Familie gehören seine Eltern Mario und Juana-Maria von Jascheroff, seine Großeltern Hasso Zorn und Jessy Rameik sowie sein Bruder Felix (bekannt aus der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"). Kein Wunder also, dass der charismatische Berliner bereits mit sieben Jahren vor der Kamera stand. Obwohl er auch als erfolgreicher Synchronsprecher (er lieh seine Stimme der Figur Anakin Skywalker in "Star Wars: Episode I") und als Sänger arbeitet, bleibe die Schauspielerei seine "große Leidenschaft".

teleschau: Wie kamen Sie als Deutscher zu der Rolle in der spanische Historienserie "Mit Dolch und Degen"?

Constantin von Jascheroff: Die Serie wurde von Beta-Film (bei München ansässige Firma, d. Red.) koproduziert. Ursprünglich wurde ich für die Rolle des spanischen Königs angefragt, aber da dieser perfekt Spanisch sprechen sollte, wurde ich für die Rolle leider nicht besetzt. Das Team von Beta-Film fand mich aber mutig und sympathisch, sodass sie mich für die Rolle des englischen Prinzen Charles vorschlugen. Zu diesem Zeitpunkt sollte diese nämlich noch recht klein ausfallen und ausschließlich auf Englisch gedreht werden.

teleschau: Aber dabei blieb es nicht?

von Jascheroff: Nein, meine Rolle wurde immer größer, und schließlich kam ich nicht mehr drum herum, Spanisch zu sprechen. Aber für eine so wichtige Rolle war ich auch bereit, Tag und Nacht Spanisch zu lernen, damit beim Dreh dann alles funktioniert.

teleschau: Ging der Dreh auf Spanisch dann problemlos über die Bühne?

von Jascheroff: Weitgehend. Es gab eine Szene da lief ich zum Altar, um um die Hand der Prinzessin anzuhalten. Der gesamte Hof war versammelt. Eine großartige Kulisse mit circa 35 Schauspielern und gefühlt 100 Komparsen. Vor allen Leuten sollte ich ihr dann den Heiratsantrag machen. Ich hatte sehr viel Text, und mittendrin fingen auf einmal alle um mich herum an zu lachen. Ich muss im Spanischen wohl einen Wortdreher gehabt haben, und daraus wurde etwas Anzügliches - mitten im Antrag! (lacht)

teleschau: Ihr Mut wurde belohnt. Braucht man den als Schauspieler, um kontinuierlich zu arbeiten?

von Jascheroff: Unbedingt. Schauspieler, die den Kopf in den Sand stecken oder jammern, haben in dem Moment schon verloren. Ich hatte es in den letzten fünf Jahren auch nicht immer leicht, aber den Mut und meine Leidenschaft für das Schauspiel habe ich nie verloren.

teleschau: Haben Sie in dieser Zeit auch mal überlegt hinzuschmeißen?

von Jascheroff: Ich stand oft vor der Frage: Ist es das alles wert? Dann bin ich immer zu dem Schluss gekommen: Ja, das ist es! Du musst weiterkämpfen. Ein schönes Beispiel für die Wichtigkeit des Durchhaltevermögens ist Christoph Waltz. Man muss sich zusammenreißen. Es ist wichtig, sich kontinuierlich weiterzubilden, sein schauspielerisches Können durch Coachings zu optimieren und immer über den Tellerrand hinauszuschauen. Denn man lernt auch nach jahrelanger Arbeit in dieser Branche nie aus. Und ich mache noch etwas: Ich schreie in den Kosmos hinaus: "Ich bin da, ich möchte arbeiten!" Das klingt vielleicht seltsam: Aber genau das unterscheidet die Schauspieler mit Engagements von denen, die keine Projekte haben. Die einen bleiben kontinuierlich dran, die anderen stecken den Kopf in den Sand!

teleschau: Und einige lernen in ein paar Wochen Spanisch ...

von Jascheroff: Genau! Vor drei Jahren habe ich für einen Kriegsfilm zum Beispiel auch Russisch lernen müssen. Das sind Herausforderungen, die manch einen überfordern können, aber eben auch fordern. Man muss dranbleiben, auch wenn man mal einen Tiefschlag erleidet! Ich musste auch wie Phönix aus der Asche immer wieder auferstehen. Es ist nicht schön, wenn man hart für eine Rolle arbeitet, zum Casting geht, und am Ende bekommt die Rolle dann doch jemand anderes. Das kann einem im Laufe der Zeit an die Substanz gehen, aber gehört zu diesem Beruf auch dazu.

teleschau: Sie drehen momentan in Ihrer Heimatstadt Berlin. Kürzlich haben Sie in einem Interview gesagt, dass Sie dort immer noch die Diskrepanz zwischen Ost und West spüren, selbst in der jungen Generation.

von Jascheroff: Ja, die gibt es - schlimm, oder? Ich bin im Osten geboren und im Westen groß geworden. Wir sind damals kurz vor der Wende geflüchtet. Meine Eltern sind im Herzen Ossis, auch wenn sie dann verwestelt wurden. Ich habe also beide Seiten mitbekommen. Ich wohne im Westen, liebe es aber, im Osten abends auszugehen oder bin dort bei meiner Freundin, die da lebt. Ich kriege also viel mit und bin manchmal sehr verwundert.

teleschau: Worüber?

von Jascheroff: Dass die Stereotype Ost / West bei vielen Manschen noch stark verankert sind und man einfach abgestempelt wird. Das ist mir vor Kurzem wieder passiert, und die Tatsache hat mich wirklich wütend und traurig gemacht. Es ist damals doch ein großartiger Moment gewesen, als die Mauer fiel und die Menschen sich in den Armen lagen. Wie kann es also sein, dass die Mauer in den Köpfen vieler Menschen heutzutage immer noch existiert? Das ist doch schlimm!

teleschau: Wer ist Ihrer Erfahrung nach offener, die Ossis oder die Wessis?

Von Jascheroff: Ganz ehrlich: Die Wessis gehen häufiger in den Osten als die Ossis in den Westen! Aus meiner Erfahrung meiden viele junge Leute aus dem Osten den Westen der Stadt. Das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen! Berlin ist eine Weltstadt, eine Einheit. Und genau das sollten die jungen dynamischen Menschen aus meiner Generation auch vermitteln.

teleschau: Zu einem schöneren Thema, das alle Menschen vereint: die Liebe! Als Prinz Charles in "Mit Dolch und Degen" sehen Sie das Gemälde der spanischen Infantin und verlieben sich Hals über Kopf in sie. Ist Ihnen etwas Vergleichbares persönlich auch schon mal passiert?

von Jascheroff: Ja!

teleschau: Nahm das auch ein tragisches Ende?

von Jascheroff: Nein, das ist sehr gut ausgegangen. Sogar so gut, dass es immer noch hält, mittlerweile seit sieben Jahren. (von Jascheroff ist mit der Designerin Haleh Esbak liiert; d. Red.).

teleschau: Aus einer früheren Beziehung haben Sie einen siebenjährigen Sohn. Sind Sie ein strenger Vater?

von Jascheroff: Mein Sohn ist noch so verspielt und lebt in seiner Fantasiewelt - den muss man einfach Kind sein lassen und seine Seele fördern. Im Grunde spiele ich ja auch den ganzen Tag. Nur eben vor der Kamera. Wahrscheinlich bin ich nie wirklich erwachsen geworden (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst