Konstantin Wecker

Konstantin Wecker





Hemmungslosigkeit ist sein Stil

Es darf wieder geträumt werden mit Konstantin Wecker - geträumt von einer besseren Welt und der Revolution in uns. Seit nunmehr 40 Jahren versucht der Barde aus München mit der rauchigen, immer leicht melancholischen Stimme sein Publikum zu verzaubern und, wie er sagt, "die Menschen zu sich selbst zu bringen". Drei Generationen lauschen nun schon seinen Liedern, die jährlich nicht weniger als 140 Konzerte sind ausverkauft. "Nun bin ich selbst ein richtiger 68-er", sagt Wecker im Gespräch - eine Anspielung auf das eigene Alter, aber auch auf die revolutionäre Vergangenheit des poetischen Anarchisten. Mit seiner neuen CD wendet er sich vermehrt dem Romantisch-Mystischen zu. Mal nicht nach dem "Warum" fragen: Das meint der dem spätmittelalterlichen Mystiker Meister Eckhart nachempfundene Titel "Ohne Warum". Ganz bei sich selbst sein, in einer geordneten Welt.

"Die Menschen haben verlernt, Poesie als solche zu verstehen", und: "Der Mystiker muss ein Widerständler" sein - das sind Botschaften, die der weise gewordene Wecker voller Überzeugung im Gespräch einwirft. Poesie und Revolte sind für ihn eins. Die Worte eines Dichters können die Welt verzaubern. Oder, wieder Wecker: "Wenn man einmal erkannt hat, dass alles zusammengehört, eins ist, Menschen, Tiere, die Erde, und wenn man sieht, wie wir mit unserer Welt umgehen, dann ist es eine Notwendigkeit, Widerstand zu leisten. Dann wird eine Rückbesinnung auf das Wesentliche unerlässliche Pflicht."

14 Lieder führte er diesmal auf der neuen CD zusammen, von der Ballade "Ich habe einen Traum" bis zur Zugabe "Willy 2015" - vom Traum einer grenzenlosen Welt also, in der es keine Flüchtlinge mehr gibt, bis hin zur neuesten "Willy"-Version, in der es in Abwandlung des früheren Textes heißt: "Aber heit' halt mer zamm'" - auf dass der Willy nicht mehr von Neonazis erschlagen wird. Dazwischen findet sich zutiefst Mystisches: Konstantin Wecker auf der Suche nach dem Wunderbaren. Auf den Spuren des Dichters Angelus Silesius ("Die Ros' ist ohn' Warum, sie blühet, weil sie blühet") und eben des Meister Eckhart, der das "Ohne Warum" ("Sunder warumbe") zum Kern seines mystischen Denkens erkor.

Die neuen Lieder fielen Wecker allesamt im vergangenen August in der Toskana ein. Immer kommen die Texte zuerst. Die Idee dahinter? - "Ich habe nie eine Idee", sagt er, "es schreibt sich so wie alles in den letzten 30 Jahren." Als Werk eines Altersweisen will er die teils mystische, teils zur Bewusstseinsrevolution auffordernden Lieder nicht verstehen. "Genug ist nie genug", wie es in einer früheren Ballade hieß, ist immer noch sein Lebensmotto. "Die Hemmungslosigkeit ist mein Stil!" Für ihn selbst gilt wie für sein Publikum: "Die Menschen müssen sich verändern, um sich selbst treu zu sein." Allerdings: "Mein Ego ist mir heilig - das würde ich heute nicht mehr sagen. Ich nehme mich nicht mehr so ernst, ohne meine Ideen zu verraten."

Schon früh habe ihm die Mutter die "Zauberkraft des Wortes" beigebracht, indem er ihren Gedichten lauschte, die in ihm die Liebe zur Poesie erweckten. "Ich mag Reime", sagt er, "ich finde, dass auf der Suche nach dem Reim der beste Flow passiert". Aber da ist eben auch der "Wecker", der seinem Namen alle Ehre macht. In New York begegnete er dem jüdischen Zen-Buddhisten Bernie Glassman. "Aufwecken ist die Aufgabe des Buddhisten" sagte der zu ihm, "schön, wenn einer das schon im Namen führt". Er war immer ein "bekennender Anarchist", mochte aber Demagogen nie. "Wir müssen unsere eigene Melodie werden, keinen Führern gehorchen." Bei Attac- oder Anti-Pegida-Protesten ist er immer noch in vorderster Front zu finden, auch wenn er manchmal die Kampfzone vorzeitig verlässt. "Lasst's euch wegtragen", sagt er dann zu den Gesinnungsgefährten, "meine Bandscheiben machen da nimmer mit."

Wenn es aber um die Fortführung einer vor hundert Jahren von Georg Heym geschriebenen Anti-Kriegsballade geht, ist er ganz in seinem Element. Dann wird die Warnung vor der möglichen Apokalypse zur pathetisch vorgetragenen Sorge um die Welt. Aber auch Privates hat seinen Platz auf der neuen CD. "An meine Kinder" heißt ein Lied, in dem er die höchstmögliche Freiheit der Nachgeborenen besingt. Und zeitlos erfrischend klingt sein mit einem Kinderchor gesungenes "Die Gedanken sind frei". Lauter "frische, freche Stimmen, keine Regensburger Domspatzen", wie er sagt. "Kinder müssen singen, egal ob richtig oder falsch." Seit Jahren führt er einen Kampf gegen Pädagogen, die Kinder mit der Maßregel "ihr brummt's ja nur!" zurückweisen möchten. Wer hätte noch Zweifel daran, dass er eben auch mit beiden Beinen im richtigen Leben steht. Auch wenn er sagt: "Meine marxistischen Freunde denken seit 15 Jahren, dass ich ein Rad abhabe; ich mit meiner Spiritualität." "Lass' sie doch", möchte man da mit ihm einstimmen.

Konstantin Wecker auf Deutschland-Tournee:

20.06., Hamburg - Stadtpark Open Air

21.06., Berlin - tba

22.06., Wolfhagen - Kulturzelt

23.06., Dinslaken - Burgfestspiele

25.06., Ulm - Ulmer Zelt

26.06., München - Tollwood Festival

03.07., Staffelstein - Kloster Banz

04.07., Staffelstein - Kloster Banz

16.07., Dreiech - Dreieichenhainer Burg

17.07., Zwickau - Freilichtbühne

19.07., Laufen - Salzach-Festspiele

20.07., Deggendorf - Donau-Festival Kulturzelt

23.07., Rottweil - Ferienzauber Wasserturm

24.07., Weißenburg - Bergwald-Theater

27.07., Wundsiedel - Luisenburg Festspiele

28.07., Röttingen - Burg Brattenstein

31.07., Horgenzell - Einhaldenfestival

01.08., Pforzheim - Kulturhaus Osterfeld Open Air

02.08., Gießen - Gießener Kultursommer

03.08., Hanau - Amphitheater

20.09., Halle/Saale - Kanzleramt Pforte D

21.09., Würzburg - tba

24.09., München - Schlachthof

08.10., Traunreut - K 1

09.10., Schorndorf - Barbara-Künkelin-Halle

10.10., tba (erst öffentlich nach 26.6.2015)

11.10., Wasserburg - Sumserhalle

13.10., Radolfszell - Milchwerk

14.10., Eberbach - Stadthalle

15.10., Merzig - Stadthalle

16.10., Bad Kreuznach - Kursaal

18.10., Karlsruhe - Tollhaus

20.10., Chemnitz - Stadthalle

21.10., Magdeburg - Opernhaus

23.10., Soest - Stadthalle

24.10., Düsseldorf - Tonhalle

25.10., Gummersbach - Stadttheater

24.11., Ludwigshafen - Pfalzbautheater

25.11., Baden-Baden - Kurhaus

26.11., Elsenfeld - Bürgerzentrum

29.11., tba (erst öffentlich nach 26.6.2016)

30.11., Amberg - Stadthalle

01.12., Göttingen - Stadthalle

02.12., Alsdorf - Stadthalle

04.12., Idar-Oberstein - Stadthalle

05.12., Heilsbronn - Hohenzollernhalle

06.12., Memmingen - Stadthalle

19.02.16, Günzburg - Forum

20.02.16, Garmisch - Kongresshaus

25.02.16, Bremen - Glocke

27.02.16, Iserlohn - Stadthalle

28.02.16, Kaufungen - Saalbau

01.03.16, Frankfurt - Alte Oper

02.03.16, Limburg - Stadthalle

03.03.16, Mönchengladbach - Kunstwerk

04.03.16, Hamburg - Laieszhalle

05.04.16, Berlin - UdK

06.04.16, Berlin - UdK

07.04.16, Potsdam - Nikolaisaal

10.04.16, Heilbronn - Theater

12.04.16, Kempten - Big Box

14.04.16, Bielefeld - Stadthalle

15.04.16, Essen - Philharmonie

16.04.16, Siegen - Siegerlandhalle

17.04.16, Stuttgart - Liederhalle

20.04.16, München - Circus Krone

21.04.16, München - Circus Krone

23.04.16, Dresden - Alter Schlachthof

24.04.16, Halle/Saale - Steintor Varieté

26.04.16, Leipzig - Gewandhaus

28.04.16, Nürnberg - Meistersingerhalle

29.04.16, Hüttlingen - Stadthalle

30.04.16, Saarbrücken - Congresshalle

03.05.16, Würzburg - Congresszentrum

06.05.16, Ingolstadt - Theater

Quelle: teleschau - der mediendienst