Men & Chicken

Men & Chicken





Männer, nicht schlauer als Hühner

Sie haben tatsächlich nicht die besten Karten von Mutter Natur mitbekommen, wie es im Vorspann zu "Men & Chicken" so richtig und verheißungsvoll heißt. Gabriel (David Dencik) und Elias (Mads Mikkelsen) strahlen vom ersten Anblick an etwas Verstörendes aus. Und weil sie von Autor und Regisseur Anders Thomas Jensen ins Leben gerufen wurden, weiß der kinokundige Zuschauer von vornherein, dass dies so beabsichtigt ist. Mit seinen Filmen "Dänische Delikatessen" (2003) und "Adams Äpfel" (2005) manifestierte der 43-Jährige Dänemarks Platz im internationalen Kino des Schwarzen Humors. Nach einigen geschliffeneren Hollywood-Produktionen, bei denen er als Autor fungierte, erinnert er sich nun wieder dessen. Da könnte man glatt ein wohliges Gefühl bekommen.

Doch "Men & Chicken" erlaubt keine wohligen Gefühle. Es lädt ein, sich an manchen Stellen durchaus scheckig zu lachen, manchmal gar zu fürchten. Am häufigsten schüttelt man allerdings den Kopf. Das hat zum einen mit der Absurdität des Gezeigten zu tun, zum anderen verstört die Konsequenz. Keiner, wirklich keiner tickt in der Komödie normal. Gabriel immerhin hat noch die meisten Sinne beieinander. Er ist Evolutionspsychologe, unterrichtet an der Universität - völlig ohne Verstand kann er also nicht sein. Und auch privat hat er eine zwar gescheiterte, aber doch eine Ehe vorzuweisen.

Elias dagegen scheitert schon immer am weiblichen Geschlecht. Das wird sicherlich mit seiner kaum begründeten Rechthaberei zu tun haben, seiner Forschheit und bestimmt auch mit einer eher unpraktischen Angewohnheit: Elias onaniert zwanghaft. Bei längeren Autofahrten muss dann schon mal angehalten werden, sodass sich der Ältere der beiden des Druckes entledigen kann. Solche Eskapaden zapfen natürlich erfolgreich das infantile Witzeverständnis irgendwo im Kleinhirn an. Doch so einfach bleibt der Witz des Filmes glücklicherweise nicht.

Per Videobotschaft erfahren die beiden von ihrem jüngst verstorbenen Vater, dass dieser gar nicht ihr Vater war. Der eigentliche Erzeuger, finden sie heraus, lebt auf einer Insel vor Dänemark. Sie beschließen, dem Mysterium auf den Grund zu gehen und machen sich auf in eine unwirkliche Welt. Jensen zeigte seine Landsmänner schon immer gerne schräg bis verblödet. Doch die wenigen Menschen auf dieser Insel sind besonders eigen. Gerade die drei Männer, die Gabriel und Elias in dem Haus empfangen, in dem ihr leiblicher alter Herr vorfindbar sein soll ...

Es stellt sich heraus, dass die fünf allesamt Halbbrüder sind. Eine Hasenscharte vereint sie in ihrer allgemeinen Hässlichkeit. Und auch die soziale Inkompetenz ist frappierend. Elias und Gabriel werden zunächst mit Holzbohlen und ausgestopften Tieren verprügelt und vom Hof gejagt. Doch allmählich nähert man sich an, gerade Elias fühlt sich wohl unter seinesgleichen. Er hat auch kein Problem damit, dass seine Sippe das beachtliche Anwesen genauso vermodern lässt wie sich selbst. Und ihn kümmert ebenso wenig, dass sie ihre angelesene Lexikon-Schläue nicht umsetzen können und sie wie er zum Weiterdenken einfach nicht fähig sind.

So bleibt eine Vielzahl an absurden Aktionen natürlich nicht aus. Gabriels Weg zur Wahrheit stört die bisherigen Bewohner indes zusehends. Sie halten ihren Vater versteckt vor den Gästen und versperren dem Universitätsprofessor die rätselhafte Tür in den Keller. Auch im Zuschauer gärt die Gewissheit, dass hier einiges im Argen liegt. Leider offenbart sich die Krux an der Sache schon etwas zu früh, die Überraschung am Ende hält sich in Grenzen. Das Kafkaeske und Schaurige an der Geschichte wird ohnehin von den nicht ernstzunehmenden Charakteren untergraben. Erfrischend abseitig sind die Figuren und die Umgebung aber zu jeder Zeit. So erfrischend, dass man dann doch ein wenig ein wohliges Gefühl bekommen könnte.

Quelle: teleschau - der mediendienst