Insidious: Chapter 3 - Jede Geschichte hat einen Anfang

Insidious: Chapter 3 - Jede Geschichte hat einen Anfang





Vorgeschichte ohne Geplänkel

Prequels sind schwer in Mode, gleich welchen Genres. Früher funktionierten gerade Horrorfilme oft über ein zeitloses Momentum des Grauens, der Rückblick auf dessen Ursprung geschah höchstens in Form mystischen Raunens und Erinnerns. Heute will die eigentliche Entstehung des Unfassbaren, Paranormalen und Bedrohlichen eigens auf der Leinwand ausformuliert werden. "Jede Geschichte hat einen Anfang" lautet konsequenterweise der deutsche Untertitel des dritten "Insidious"-Films, der natürlich die Vorgeschichte der beliebten beiden Vorgänger erzählt. Überraschend fällt die Dämonen-Story um Hausgeister und Parallelwelten zwar nicht aus. Subtil schockieren kann aber auch "Insidious: Chapter 3" wieder.

Eigentlich agierte James Wan, der Regisseur der ersten beiden Teile, diesmal nur als Produzent. Dennoch: "Insidious: Chapter 3" behält auch unter Leitung seines Drehbuchschreibers und Regiedebütanten Leigh Whannell (der ebenso wie Wan an den "Saw"-Teilen beteiligt war) die von subtilem Grusel geprägte Handschrift des Horrormeisters bei. Wahrlich eine Leistung: Schließlich muss der Film ohne die wohlbekannte Familie Lambert auskommen, die dem Grauen in den "Insidious"-Filmen eins und zwei bereits ausführlich begegnete. Denn die Lamberts wohnen in der Handlung des Prequels noch lange nicht in jenem Horror-Haus, um das sich erneut alles dreht.

Dafür lebt dort der alleinerziehende Sean Brenner (Dermot Mulroney) gemeinsam mit Tochter Quinn (Stefanie Scott) und Sohn Alex (Tate Berney). Die drei sind allesamt dabei, den tragischen Verlust von Frau und Mutter ein Jahr zuvor zu verarbeiten. Insbesondere Quinn wählt einen etwas außergewöhnlichen Weg der Trauerarbeit, der die Pforten für einen ausführlichen Horrorplot öffnet: Das Teenager-Mädchen tritt in Kontakt mit dem recht erschöpft wirkenden Medium Elise (Lin Shaye), um mit dem Geist der verstorbenen Mutter zu kommunizieren. Doch Elise hat aufgrund einiger unangenehmer Dämonenkontakte das Geisterbeschwören schon länger aufgegeben.

Ob Medium oder nicht: Der Muttergeist wuselt natürlich trotzdem herum, Quinn versucht's mit Self-Made-Séancen, und im gesamten Haus poltert und rumort es gewaltig. Denn: Wer mit einem Toten spricht, wird von allen Toten gehört - auch den eher nicht so netten. Also engagiert man die aus den ersten Teilen wohlbekannten Geisterjäger Specs und Tucker - im Prequel nichts als amateurhafte Pseudo-Ghostbusters ohne jede Ahnung von der Materie. Trotz seiner Regieverantwortung ließ es sich Whannell nicht nehmen, den überaus unterhaltsamen Part von Specs wieder persönlich zu übernehmen - inklusive Retro-"Casper"-Trainingsjacke, während Tucker (Angus Sampson) stilecht mit He-Man-Shirt auftritt. Die beiden Nerd-Trottel scheitern natürlich an den wütenden Dämonen. Und Profi Elise erbarmt sich dann doch, in die Parallelwelt der Toten einzutauchen, um das Missverständnis ein für alle mal zu klären.

Dass dies nicht ganz gelingt: geschenkt, weiß man schon vorher. Schließlich gäbe es die nachfolgende Handlung der Vorgänger sonst nicht. Und obwohl man ob dieser Tatsache routiniert wegzuschauenden Haunted-House-Horror erwartet, erwischt "Insidious: Chapter 3" den Zuschauer immer wieder mit wohlig-brutalem Überraschungsgrusel. Selbst in der Geister-Unterwelt, in der es naturgemäß nicht gerade von Sonnenwiesen-Hippies wimmelt, schockt manch nicht mehr taufrisches Wesen völlig hinterrücks. Dass dies auch dem dritten "Insidous"-Teil trotz Prequel-Zwang und allgemein grassierender Horror-Ödnis gelingt, darf schon etwas gelten.

Quelle: teleschau - der mediendienst