Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt

Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt





Die Streiche der Eltern

Seit Vincent (Laurent Lafitte) und Florence Leroy (Marina Foïs) sich trennen wollen, ist das Leben ihrer Sprösslinge total auf den Kopf gestellt. Der Blick von Tochter Emma (Anne Lemarchand) verrät, dass sie es weiß: Ihre Mutter wird sie diesmal nicht einfach zu der Party chauffieren - sie feiert mit, tanzt mit und thematisiert ziemlich peinlich Emmas Komplexe wegen ihrer Brüste. Sich bei Papa darüber auszuheulen, hilft auch nicht - der lädt sie zum Gespräch in die Stripbar ein. Man lacht über die frechen Streiche des Paares in der total aufgekratzten Komödie "Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt". Das schlechte Gewissen dabei lässt nach, wenn man sieht, dass alles aus Liebe geschieht - sehr wahrscheinlich jedenfalls.

Dabei müsste man Vincent und Florence eigentlich von Anfang an vieles zutrauen. Wie sie sich in einer Silvesternacht eine atemberaubende Verfolgungsjagd erst um einen Laptop, dann um einen Kuss liefern, eröffnet den Film. Aber das liegt ja 15 Jahre zurück, nun sind Vincent und Florence Geburtshelfer respektive Ingenieurin für Windkrafträder, erfolgreich und gut situiert, aufopferungs- und verantwortungsvoll im Beruf sowie voller Zuneigung nicht nur für ihre Kinder Emma, Mathias (Alexandre Desrousseaux) und Julien (Achille Potier). Umso mehr fröstelt man, als sie mit ruhiger Heiterkeit ihren Freunden auseinandersetzen, dass sie demnächst getrennte Wege gehen werden.

Aber so ruhig bleibt es nicht. Erst hören die Kinder gar nicht, was die Eltern ihnen zu sagen haben, dann sind sie partout dagegen. Da hilft wohl nur eine weitere Eskalation: Vincent und Florence brechen einen Sorgerechtsstreit vom Zaun. Das Ziel: Das Sorgerecht - nicht zu bekommen! Und dafür lassen sie sich einiges einfallen. Mama schüttet Spülmittel ins Essen, Papa mietet sich zur großen Bedrückung der Kinder ein heruntergekommenes Haus zwischen den Bahngleisen und gibt vor, die dort wohnende demenzkranke Mutter seines Kollegen sei ihre Oma.

Die Kinder baden's aus - so lautet die wohl traurigste Wahrheit über Scheidungsfälle. Ist es erlaubt, darüber hinreißend diabolische Witze und Gags zu machen? Zunächst einmal ist "Mama gegen Papa - Wer hier verliert, gewinnt" eine Würdigung aller Eltern, die alles für ihre Kinder tun. Stellvertretend für sie beobachtet man Vincent und Florence eine ganze Weile, wie sie sich dabei aufreiben, ihre Kinder zur Schule zu fahren und wieder nach Hause, sie zu trösten und ihre Frechheiten wegzustecken, ihre Streitigkeiten zu schlichten und dennoch den Kollegen am anderen Ende des Telefons zu verstehen, zum Job zu hasten und zurück. Bang fragt man sich: Und wann dürfen die beiden mal machen, was sie wollen?

Diese Freiheit nehmen sie sich dann: Vor der sensationell agilen Kamera Laurent Daillands, und wie aufgepeitscht vom schwungvollen Soundtrack Jérôme Rebotiers, sodass man von dem ganzen Hören und Sehen gar nicht genug bekommt. Dem hervorragenden Drehbuch von Alexandre De La Patellière und Matthieu Delaporte ("Der Vorname") verdankt der Film zwar viel, aber eben nicht alles. Nicht zu vergessen sind Regisseur Martin Bourboulon, der sein Spielfilmdebüt glänzend im Griff hat, und die grandiosen Darsteller, die jede verrückte Stimmung leichthändig hervorzaubern.

Gewiss, der Rosenkrieg zwischen Vincent und Florence ist ganz schön dornig. Doch er dient einer guten Sache - der Befreiung aus einer Amour fou, die zu lange vor sich hingeschlummert hat. Also, alles in Ordnung? Lachen Sie selbst!

Quelle: teleschau - der mediendienst