Entourage

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Nicht ohne meine Kumpels

"Entourage" ist ein Manifest für die Männerfreundschaft. Nichts kann diese Kumpels auseinanderbringen: keine noch so peinliche Situation, kein von außen kritisiertes Fehlverhalten und schon gar keine Frauen. Mit der Serie als einer Art "Sex and the City" für Kerle traf HBO den Nerv der Zielgruppe junger Männer, die gerne auf dicke Hose machen und über Witze unter der Gürtellinie lachen. Der Film steht ganz in diesem Geist und erzählt eine Hollywoodgeschichte von Sex, Drogen und dem ganz großen Geschäft.

Vergesst alle Traumfabrik-Kritik von Regisseuren wie David Cronenberg, Robert Altman oder Terence Malick mit ihren deprimierenden Filmen. In "Entourage" wird mit gut gelaunten Leuten bei strahlendem Sonnenschein jedes Klischee wahr. Schon die erste Szene macht deutlich, worum es geht: Auf einem schnittigen Motorboot nähern sich die Freunde Turtle (Jerry Ferrara), Eric (Kevin Connolly) und Johnny (Kevin Dillon) einer Luxusjacht, auf der eine Party mit vielen Bikinimädchen in vollem Gange ist.

Männlein und Weiblein fixieren sich schon von weitem und lecken sich die Lippen. So weit, so simpel. Auf dem Boot angekommen, konfrontiert sie Gastgeber Vince (Adrian Grenier) jedoch erst einmal mit etwas "Ernstem". Der in Windeseile zum Megastar aufgestiegene Vincent will sich nicht mehr nur mit Ruhm und Reichtum zufriedengeben, sondern als Schauspieler ernst genommen werden - und auch noch Regie führen. Ein Schock für seinen Agenten Ari Gold (Jeremy Piven), der ihn entdeckt und groß gemacht hat.

Doch wir sind einem Film, in dem sich die Männer vertrauen, und so lässt Ari seinen Vince gewähren. Er selbst hat gerade die Chance bekommen, als neuer Studioboss in spe die Geschicke der Filmwelt in die Hand zunehmen. Wie er sich aufmacht, um neues Geld für Vince' budgetsprengenden Film aufzutreiben, gehört zusammen mit seinem aufbrausenden Temperament als Running Gag zu den besseren und witzigen Teilen des Films. Einen interessanten Gegenpol bietet Billy Bob Thornton als schweigsamer, schwerreicher Texaner, der aushelfen soll und seinen Sohn (Haley Joel Osment) als Landei in die große Stadt schickt.

Von der Entstehung des Films - dem eigentlichen Plot - bekommt der Zuschauer nicht viel mit. Dafür jede Menge von Erics Promiskuität, die im Gegensatz zu seiner Rolle als werdender Vater steht. Vincents Halbbruder Johnny kämpft mit seinen Minderwertigkeitskomplexen als Möchtegern-Schauspieler und stellt mit seiner Trotteligkeit die Solidarität der anderen auf die Probe. Am Ende geht natürlich alles gut, das Zusammenhalt-Prinzip der Jungs bringt sie auf Erfolgskurs.

Was die Männer aus Queens in der Serie bei ihrem Umzug nach L.A. und ihrem dortigen Kampf nach Anerkennung noch an Charme mitbrachten, ging auf dem Weg zur großen Leinwand verloren. Große Autos, bombastische Partys und eine Sprache, die verbal öfters in den Schritt greift, qualifizieren diesen Film gerade mal als Einlage beim "Spring Break". Für Brüller sorgt dann sicher die etwas andere Flirt-Szene, in der die sich selbst spielende Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Ronda Rousey einen der Jungs "flachlegt".

Jeder hat wohl so seinen eigenen Blick auf Hollywood. Produzent Mark Wahlberg soll hier seine Erfahrungen aus dem Leben in L.A. eingebracht haben und kommt in einem Cameo-Auftritt auch im Film vor. Zudem ließen sich auch ein paar "Freude" wie Jessica Alba oder Pharrell Williams dafür gewinnen - hoffentlich haben sie es nicht bereut.

Quelle: teleschau - der mediendienst