Escobar: Paradise Lost

Escobar: Paradise Lost





Höllentrip im Paradies

Pablo Escobar, der berühmt-berüchtigte Drogenbaron, bietet zweifellos Stoff für viele abenteuerliche Geschichten. Bis heute ist er höchst umstritten - war er doch einerseits skrupelloser Krimineller, auf der anderen Seite aber auch gefeierter Volksheld. Das organisierte Verbrechen, die Brutalität und die Leidenschaft, die im Leben des kolumbianischen Kartellchefs die wesentlichen Pole bilden - diese Aspekte wollte der italienische Schauspieler Andrea di Stefano in seinem Biopic ausloten. Sein Film ist aber kein Gangster-Epos im Stile von "Scarface", sondern romantische Liebesgeschichte und packender Thriller in einem.

Im März 1991 beschließt der Drogenboss Pablo Escobar (Benicio del Toro), freiwillig ins Gefängnis zu gehen. Es soll endlich Ruhe einkehren im blutigen Krieg ums Kokain, der das Land erschüttert. Außerdem will er so der Auslieferung in die USA entgehen. Unter seinen Getreuen ist auch der kanadische Surfer Nick (Josh Hutcherson aus "Die Tribute von Panem").

Dessen Traum war es ursprünglich, mit seinem Bruder Dylan (Brady Corbet) in Kolumbien eine Surfschule aufzubauen. Aber dann verliebt sich Nick in Maria (Claudia Traisac) - Escobars Nichte. Nach der Hochzeit wird er in den Kreis des Paten aufgenommen. Er ahnt nicht im Entferntesten, mit wem er es zu tun hat. Bis er für Escobar einen Auftrag erfüllen muss: Er soll eine Ladung Diamanten verstecken, seinen ortskundigen Helfer anschließend aber umbringen. Für den naiven Nick eine ausweglose Situation, er hat noch nie jemanden getötet.

Andrea di Stefano, der bisher nur vor der Kamera agiert hat, konzentriert sich bei seinem Erstling auf Escobar als dezidiertem Familienmenschen und großzügigem Gönner. Die filmische Gestaltung seiner Titelfigur orientiert sich dabei durchaus an den Fakten, die der Regisseur sorgfältig recherchiert hat. Die Geschichte mit Nick und seinem Bruder ist aber seiner dramaturgischen Freiheit geschuldet, also erfunden.

Das schadet dem authentisch wirkenden Film aber nicht. Denn "Escobar - Paradise Lost" ist ein atmosphärisch überzeugender und spannender Thriller, der über weite Teile eine große Beklemmung auslöst. Für Nick, dessen sich verändernde Sicht der Dinge einen großen Teil des Films ausmacht, gilt es sich zu entscheiden: zwischen moralischer Integrität, dem Diktat der (angeheirateten) Familie und dem eigenen Bauchgefühl.

Oscar-Preisträger Benicio del Toro als bulliger Drogenboss Escobar stellt nach seinen "Che"-Filmen erneut sein Talent als Charakterdarsteller unter Beweis: Er versieht den ambivalenten Kartellchef mit einer verstörenden Präsenz, indem er ein perfides Charisma zwischen Schwerverbrecher und Wohltäter entwickelt. Der Zuschauer erlebt mit ihm ein Wechselbad der Gefühle.

Quelle: teleschau - der mediendienst