Terminator: Genisys

Terminator: Genisys





Alles auf Anfang

"Es kommt auf ein gutes Drehbuch an, so dass man nicht so tun muss, als wäre man 40." Dieser Satz von Arnold Schwarzenegger über seine Rolle als Terminator im fortgeschrittenen Alter stimmt eigentlich nur zur Hälfte. Im fünften Teil der Mensch-Maschinenkrieg-Saga "Terminator" darf die legendäre Roboter-Figur des inzwischen 67-Jährigen über die Jahre zwar altern, ein tolles Drehbuch geht damit aber mitnichten einher. Die Idee: Der Krieg Maschinen gegen Menschen beginnt erneut, wirre Zeitsprünge machen Sarah Connor zum kampferprobten Robo-Zögling, und die Vernetzung unserer digitalen Welt fordert ihren unlogischen Tribut. Währenddessen reißt Arnie als selig gealterter T-800 seine Zoten, grinst herrlich künstlich daher und rettet das rasante Action-Spektakel mit entspanntem Humor.

Was, wenn die Geschichte eines Franchise nach vier Filmen nicht mehr viel hergibt? "Terminator: Genisys" führt es vor: Man holt mit Arnold Schwarzenegger eine globale Kultfigur zurück ins Boot. Ergänzend stellt man der Legende mit "Game of Thrones"-Star Emilia Clarke eine aufstrebende Seriendarstellerin an die Seite. Dazu ein begehrtes zwielichtiges Gesicht (Jason Clarke als John Connor) sowie einen umjubelten Oscargewinner als abgehalftere Nebenfigur (J.K. Simmons, "Whiplash").

Wie aber die Erzählung mit neuen Darstellern fortsetzen, ohne ein Remake zu kreieren? Die einfache Antwort: Zeitreisen! Zum Glück sieht "Terminator" selbige seit dem ersten Teil vor und nutzt sie seitdem auch ausgiebig. In "Genisys" nun am radikalsten: Die Ur-Story von "Terminator" (1984) wird einfach noch einmal von vorn erzählt. Dafür reisen alle Figuren einfach ausgiebiger als zuvor zwischen den Zeiten.

Das Handlungsgerüst: Wir schreiben 2029, der Kampf der Menschen gegen die vom Supercomputer Skynet gesteuerte Robo-Armee tobt unerbittlich. Rebellenführer John Connor bekommt Wind davon, dass der Schurkenrechner eine Killermaschine in die Vergangenheit schicken will, um seine Mutter Sarah Connor zu töten. Also sendet er seinen Kumpel Kyle Reese (Jai Courtney) ins L.A. des Jahres 1984, damit er ihn und die Menschheit rette. Doch in der Vergangenheit ist alles anders als erwartet.

Weil verschiedene Dinge aus unerfindlichen Gründen anders verlaufen sind, ist die Handlung der ersten beiden Terminator-Filme passé. Wir befinden uns in einer alternativen Version der Ereignisse! Logisch ist das nicht, eine wirkliche Erklärung bleibt der Film schuldig. Wie wirre Erinnerungsfetzen zeigen, spielt Sarahs Kindheit eine Rolle. Selbst wenn hier Raum für die weiteren zwei geplanten Teile gelassen wurde - die Konstruktion des Handlungsbogens scheint gründlich missglückt.

Doch egal: Schließlich ist Frau Connor nun eine veritable Kampfmaschine, die mit dem T-800 (Schwarzenegger) aufgewachsen ist und ihn liebevoll "Pops" nennt. Jener kämpft schon länger gegen andere Killerroboter. Unter anderem prügelt sich Arnie mit seinem perfekt animierten jüngeren Ich aus dem Jahr 1984. Überhaupt übertünchen rasant geschnittene und wirklich spaßige Action-Sequenzen den Mangel des Drehbuchs. Zum Beispiel, dass die Handlung neben 1984, 1997 und 2029 krampfhaft ebenfalls in unserer Zeit angesiedelt ist. In der alternativen Zeitlinie hat sich selbst Skynet verändert, tritt albernerweise in Kindsgestalt auf und verbreitet seinen Schrecken - hochaktuell! - über soziale Netzwerke. Die Menschen laden sich seine Killer-App freiwillig herunter, über die einst alle Computer kontrolliert werden.

Die ermüdend oberflächliche Kritik ist ebensowenig zu übersehen wie die gewollt wirkenden Referenzen auf die Vorgänger: So gibt es beispielsweise ein Wiedersehen mit dem flüssig-metallenen T-1000 aus "Terminator 2". Emilia Clarke schlägt sich als Sarah Connor zwar passabel, wirkt aber zu harmlos, um Linda Hamilton das Wasser zu reichen. Indes geht Jai Courtney höchstens als eine Art Latte-Macchiato-Version von Kyle Reese durch, und John-Connor-Darsteller Jason Clarke agiert fürchterlich übertrieben. Ein Charakter lohnt den Kinobesuch dennoch: Arnold Schwarzenegger spielt seinen T-800 in gewohnter Gelassenheit und mit süffisanter Ironie. Vielleicht, weil er eine der wenigen Figuren ist, die sich nicht in verwirrenden Schleifen durch die Jahre bewegen. Er wählt den natürlichen Lauf der Zeit und altert. Arnie als fast 70-jähriger Terminator mit grauen Haaren - das ist fast ebenso herrlich wie sein gezwungenes Grinsen.

Quelle: teleschau - der mediendienst