Seth MacFarlane

Seth MacFarlane





"Ich hatte gar keinen Teddy"

Über drei Millionen Kinozuschauer lockte das bitterböse Abenteuer von "Ted" 2012 allein in Deutschland in die Kinos. Nun hat Seth MacFarlane (41) eine Fortsetzung seiner erfolgreichen Komödie gedreht. Darin schaut der zum Leben erwachte Teddybär zwar wieder niedlich drein, hat aber trotzdem nur Sex und Drogen im Strohkopf. In "Ted 2" (Start: 25. Juni) will das versaute Kuscheltier sogar eine sexy Blondine heiraten und Kinder kriegen, muss dafür vor Gericht jedoch erst als Lebewesen anerkannt werden. Nachdem MacFarlane mit seiner Westernparodie "A Million Ways to Die in the West" an der Kinokasse unterging, könnte das Bären-Sequel wieder ein kommerzieller Erfolg werden. So oder so: Kultstatus besitzt der Schöpfer von Trickfilmserien wie "Family Guy" und "American Dad" in jedem Fall schon lange.

teleschau: In "Ted" spielte noch Mila Kunis die weibliche Hauptrolle, diesmal haben Sie Ted und Mark Wahlberg als dessen bestem Kumpel Amanda Seyfried an die Seite gestellt. Wie ist dazu gekommen?

Seth MacFarlane: Was wir gar nicht wollten, war den gleichen Film noch mal zu drehen. "Ted 2" erzählt eine völlig neue Geschichte, in der Mark Wahlberg von seiner alten Freundin verlassen wurde und sich mit Amanda eben eine neue herausgepickt hat.

teleschau: Wie schwer ist es generell, sich für die Fortsetzung eine neue Story auszudenken?

MacFarlane: Ursprünglich hatten wir eine ganz andere Geschichte ausgeheckt. Bis 2013 die Komödie "Wir sind die Millers" mit Jason Sudeikis ins Kino kam und eine Story präsentierte, die unserem ersten Drehbuchkonzept, das noch mit Mila Kunis angedacht war, sehr ähnelte. Wir hatten zudem eine gesellschaftlich relevantere Idee, die ich Ihnen aber nicht preisgeben werde. Denn die wäre für eine Fortsetzung etwas komplett Ungewöhnliches gewesen und hätte auch eine neue weibliche Hauptrolle benötigt. Wie dem auch sei, mit Amanda hatte ich bei "A Million Ways to Die in the West" so gut zusammengearbeitet, dass ich Lust hatte, ihr Talent ein weiteres Mal vor die Kamera zu holen.

teleschau: Und Mila Kunis ist jetzt sauer und redet nicht mehr mit Ihnen ...

MacFarlane: Doch, doch, mit ihr ist alles gut. Und mit ihrer Stimme für die Figur Meg Griffin ist sie auch weiterhin bei "Family Guy" dabei.

teleschau: Auch in "Ted 2" machen Sie sich ein weiteres Mal über die Augen von Amanda Seyfried lustig, wenn sie neben Gollum stehen muss. Wie kommt man auf solche absurden Späße?

MacFarlane: Amanda sieht es sportlich, was ja beweist, dass sie sich selbst nicht zu ernst nimmt. Sie hat nun mal sehr große Augen, die auch sehr schön sind. Das wird in ihren meisten Filmen aber viel zu wenig gewürdigt. Ich hingegen habe sie direkt damit konfrontiert und fragte: 'Ist es okay für dich, wenn wir daraus einen Witz machen?', sie meinte nur: 'Na klar, das ist kein Ding!'

teleschau: Sie machen sich ja generell über viele Dinge lustig. Würden sie trotzdem irgendwo Grenzen setzen?

MacFarlane: Eine Komödie beinhaltet immer etwas von einer Tragödie. Gewiss ist es eine Frage der Zeit, wann man sich über ein tragisches Ereignis lustig machen darf. 1912 hätte man über den Untergang der Titanic keine Witze machen können, und als wir in "Family Guy" begannen, über den 11. September 2001 zu spotten, geschah das erst viel später. Wir sind damit auch sehr behutsam umgegangen.

teleschau: Wenn Sie sich mit vier Worten selbst beschreiben müssten, wäre dann zynisch eines davon?

MacFarlane: Wahrscheinlich aber gleich gefolgt von "sentimental". Das ist eine Kombination, die auch meine Filme ausmacht.

teleschau: Wir würden Sie also Ihren Humor beschreiben?

MacFarlane: Mein Humor basiert auf allem, was ich lustig finde. Eigentlich ganz einfach. Denn ich glaube, dass es für alle Arten von Komödien Raum gibt. Ich habe etwa immer darauf geschaut, was sich die Truppe von Monty Python so ausdachte. Für mich war das der Inbegriff, wie man Höhen und Tiefen in der Komik ausbalanciert. Es gibt das intelligente Lachen und das kindische Lachen - beides hat meiner Meinung nach seine Berechtigung. Ein Monty-Python-Film wie "Der Sinn des Lebens" hat Witze über den Katholizismus und das Militär, und funktioniert als Gesellschaftssatire. Ebenso erlebt man im gleichen Film, wie sich ein fetter Kerl übergibt und wie ein Song über den Penis dargeboten wird - was eher kindisch ist. Daran ist aber nichts Falsches, solange es durch etwas anderes ausgeglichen wird. Genauso sehe ich meine Mission, Komödien zu machen.

teleschau: Nur dass Sie mit "Ted 2" erneut Kinder enttäuschen, die glauben, es sei bestimmt ein Film für sie, wenn Sie auf dem Plakat den Teddy erblicken ...

MacFarlane: Das ist Aufgabe der Eltern, ihren Kindern klar zu machen, dass der Film noch nichts für sie ist. Allerdings sollte man sich davor informiert haben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es Eltern gibt, die mit ihren Kindern ahnungslos ins Kino gehen.

teleschau: Die Kulleraugen von Ted signalisieren natürlich sofort 'Hab' mich lieb'. Wäre es nicht von vornherein besser gewesen, dem Teddy ein etwas fieseres Aussehen zu geben, das seinem echten Charakter mehr entspricht?

MacFarlane: Die Idee war von Anfang an, Ted so simpel wie möglich aussehen zu lassen - so wie man Teddybären nun mal kennt. Jeder Zuschauer soll sich selbst einen Eindruck von ihm machen. Ich habe auch mal gehört, dass der Teddybär zuerst mit neutralem Gesichtsausdruck kreiert wurde, damit sich Kinder selbst einen Reim darauf machen sollen, was ihr Teddy vielleicht gerade denkt.

teleschau: Wie sah Ihr Teddybär aus, als sie ein kleiner Junge waren?

MacFarlane: Ganz ehrlich, ich hatte gar keinen Teddy. Dennoch wollte ich für "Ted" einen Teddybären, weil er für die meisten Kinder ein universelles Spielzeug ist. Den meisten dient er als eine Art schützende Kuscheldecke.

teleschau: Heißt das, Sie hatten gar kein Kuscheltier?

MacFarlane: Ich gehörte zu jenen Kindern, die immer das Spielzeug haben wollten, was durch die Werbung gerade als das Tollste und Größte angepriesen wurde. Ob nun He-Man oder Transformers - ich wollte es und stand überhaupt nicht auf Stofftiere, die einem Kind suggerieren, es zu beschützen.

teleschau: Wie überrascht waren Sie, als "Ted" vor drei Jahren seinen Siegeszug antrat und vor allem in Deutschland eine große Fangemeinschaft bekam?

MacFarlane: Dass der Film so gut angenommen wurde, war für uns alle wirklich überwältigend. Andererseits wussten wir natürlich, dass wir einen guten Film hinbekommen hatten. Dass er dann so große Zahlen schreiben würde, überstieg aber selbst meine kühnsten Träume.

teleschau: Ted ist ein Partygänger. Kommt Ihnen das bekannt vor?

MacFarlane: Ja, auch ich bleibe schon mal mit Freunden hängen und habe dann am nächsten Tag einen Kater.

teleschau: Da kommen wir wieder auf den 11. September 2001 zu sprechen. Stimmt es, dass Ihnen eine durchzechte Nacht das Leben rettete, weil Sie dadurch genau an jenem Tag Ihren Flug von New York nach Los Angeles verpassten?

MacFarlane: Ja, wenn man so will, hatte ich einen Schutzengel. Aber an so etwas glaube ich nicht, denn ich hatte auch schon zuvor Flüge verpasst. Ich denke, es war nur ein Zufall und kein großer Plan, bei dem ich überleben sollte.

teleschau: Aber wie kam es dazu? Waren Sie die Nacht zuvor wirklich zu lange auf einer Party gewesen?

MacFarlane: Ich hatte eine Vorlesung an meinem ehemaligen College gehalten und bin danach tatsächlich noch etwas trinken gegangen. Hinzu kam, dass mir mein Reisebüro eine falsche Abflugzeit mitgeteilt hatte. Statt 8.15 Uhr startete der Flug schon eine halbe Stunde früher. Dadurch war ich zu spät, ging in die Lounge und schlief nochmals ein. Als ich wieder aufwachte, bekam ich im Fernsehen mit, dass mein verpasstes Flugzeug ins World Trade Center stürzte.

teleschau: Wie war Ihre erste Reaktion?

MacFarlane: Ich war natürlich geschockt und konnte es zunächst gar nicht glauben. Danach spürte nur noch Erleichterung.

Quelle: teleschau - der mediendienst