Chris Pratt

Chris Pratt





Vom Schuhverkäufer zum Dino-Jäger

"Guardians Of The Galaxy" war in den USA der erfolgreichste Kinofilm 2014, "The Lego Movie" der dritterfolgreichste. In beiden Filmen involviert: Chris Pratt. Einem der Bauklötze lieh der US-Amerikaner lediglich seine Stimme, bei Marvels abgedrehter Superhelden-Komödie übernahm er die Hauptrolle - es war seine erste und für den damaligen Pratt eine eher ungewöhnliche: Wenn ihn zuvor überhaupt jemand kannte, dann nur aus Nebenrollen in Serien wie "Everwood" (2002 bis 2006) oder der Sitcom "Parks And Recreation" (2009 bis 2015). Doch die Zeit der kleinen Jobs ist vorbei. 2015, darauf kann man jetzt schon wetten, wird Chris Pratt wieder in einem der erfolgreichsten Kinofilme zu sehen sein. Er ist der Hauptdarsteller in "Jurassic World". Beim Interview in Berlin erinnert er sich unter anderem an seinen schwierigen Karrierestart und daran, wie er "Jurassic Park" das erste Mal sah.

teleschau: Ist es wahr, dass Sie die Hauptrolle in "Jurassic World" bekamen, bevor "Guardians Of The Galaxy" erschien?

Chris Pratt: Das stimmt, ja.

teleschau: Zu dem Zeitpunkt konnte man also noch gar nicht wissen, ob Sie zum Actionstar taugen. Zuvor sah man sie vor allem in komödiantischen Rollen.

Pratt: Den Leuten bei Universal war sicher bewusst, dass sie mit mir ein Risiko eingehen. Und es stand für alle Beteiligten eine Menge auf dem Spiel - auch für mich und meine Karriere. Aber Colin (Regisseur Colin Trevorrow, Anm. d. Red.) hatte von Beginn an eine klare Vorstellung, was den Film angeht. Er sah bestimmte Seiten an mir, die er auch in der Figur haben wollte.

telschau: Welche Seiten?

Pratt: Er mochte im Grunde das haben, was übrigbleibt, wenn ich meine üblichen Blödeleien weglasse. In "Jurassic World" sollte ich schließlich keine Comedy-Rolle wie etwa in "Parks And Recreation" spielen, sondern einen erwachsenen, gestandenen Mann.

teleschau: Seit ihrem Durchbruch mit "Guardians Of The Galaxy" sind Sie in Hollywood ein echter Star. Wie war Ihre Anfangszeit als Schauspieler?

Pratt: Ich war für über zehn Jahre immer von der Gnade und den Entscheidungen anderer Menschen abhängig. Wenn mich jemand für eine Rolle wollte, nahm ich sie an. Es gab tatsächlich eine sehr lange Zeit, während der ich zu nichts "Nein" gesagt hätte.

teleschau: Fast wie eine Prostituierte.

Pratt: Klar, ich verkaufte Spaß und letztlich mich selbst. Wobei ich mich weniger mit einer Prostituierten als mit einem Schuhverkäufer vergleichen würde, der von Tür zu Tür geht. Diese Tage, diese Perspektive, werde ich nie vergessen. Teilweise konnte ich mir kein Essen leisten, ich war hungrig. Hungrig nach Arbeit.

teleschau: Inzwischen müssen Sie nicht mehr jeden Job annehmen ...

Pratt: Es geht voran mit meiner Karriere, und ich habe größeren Erfolg, ja. Es wird auch bestimmt bald eine Zeit kommen, in der ich noch mehr Wert darauf lege, was mich aus kreativer Hinsicht anspricht. Ich kann mir auch gut vorstellen, mich mit meiner Arbeit in Debatten um Gleichberechtigung oder ähnliche Themen einzubringen. Für den Moment bin ich aber vor allem glücklich, dass ich die Miete bezahlen kann.

teleschau: Wenn Sie sich für eine Rolle entscheiden, was ist wichtiger: Ihre Figur oder die Geschichte?

Pratt: Mir ist generell beides wichtig, ebenso wie die Filmemacher. Gute Geschichten, die in guten Händen sind - das ist es, worauf ich mich zuletzt fokussiert habe. Momentan klappt das auch sehr ordentlich.

teleschau: Können Sie sich auch vorstellen, wieder in kleineren Filmen zu spielen?

Pratt: Ich werde nicht verhindern können, dass einige meiner zukünftigen Filme kleiner sind als "Jurassic World" (lacht). Ich habe mich zwar bereits für einige Sequels verpflichtet und für andere Projekte unterschrieben - die Neuverfilmung von "Die glorreichen Sieben" zum Beispiel. Aber ich bin sicher, dass es auch Raum für kleinere Filme geben wird, wenn der Stoff mich überzeugt. Allerdings habe ich auch nicht unbegrenzt Zeit: Ich habe eine Frau, die arbeitet, und ein kleines Kind zu Hause. Das darf ich nicht außer Acht lassen.

teleschau: Ihr Sohn müsste inzwischen etwa drei Jahre alt sein. Haben Sie ihm etwas von "Jurassic World" gezeigt?

Pratt: Oh nein!

teleschau: Ty Simpkins, der auch in "Jurassic World" mitspielt, sagte, er hätte "Jurassic Park" das erste Mal im Alter von drei Jahren gesehen.

Pratt: Ich glaube, dafür ist mein Sohn noch ein wenig zu klein, "Guardians Of The Galaxy" habe ich ihm auch noch nicht gezeigt. Vielleicht darf er mal ein paar Ausschnitte sehen, aber "Jurassic World" ist doch ein sehr intensiver Film.

teleschau: Ist man als Vater nicht ganz versessen darauf, solche Geschichten mit seinem Sohn zu teilen?

Pratt: Natürlich kann ich es kaum abwarten, ihm all diese Filme zu zeigen. Andererseits: Mein Sohn wird nie eine Welt kennen, in der sein Vater kein Filmstar ist. Er wird nie voller Begeisterung sagen, "Wahnsinn, Papa, du bist im Fernsehen!". Für ihn wird es etwas ganz Normales sein, mich im Film zu sehen.

teleschau: Gerade in seinem Alter begeistern sich viele Jungs für Dinosaurier. Ist er auch Fan?

Pratt: Und ob! Er liebt Dinosaurier und hat tonnenweise kleine Spielzeug-Dinos, mit denen er spielt. Er kennt sogar all ihre Namen - keine Ahnung, woher er das hat. (lacht)

teleschau: Wie gut kennen Sie sich denn mit Dinosauriern aus?

Pratt: Ich denke sehr gut. Wobei ich vieles, was ich über Dinosaurier weiß, in "Jurassic Park" lernte.

teleschau: Wie war es, als Sie den Film zum ersten Mal sahen?

Pratt: Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich war damals 13 Jahre alt. "Jurassic Park" war der erste Film, den ich regelrecht herbeisehnte. Ich kannte "E.T., "Indiana Jones" und "Die Goonies" und wusste bereits, wer Steven Spielberg war. Als ich dann den Trailer zu "Jurassic Park" sah, dachte ich: "Das muss ich unbedingt sehen!" Ich war überwältigt, wie realistisch und furchteinflößend die Dinosaurier aussehen. Ich schaute mir den Film gleich am ersten Wochenende an, für mich war das ein großes Event.

teleschau: Und die beiden Fortsetzungen?

Pratt: Die sah ich auch im Kino, glaube ich.

teleschau: Aber so genau erinnern Sie sich daran nicht mehr ...

Pratt: Diese zwei Filme vergisst man auch leichter als das Original.

teleschau: Was bedeutet es Ihnen, nun selbst Teil eines Sequels zu sein?

Pratt: Die Franchise bedeutet mir wirklich eine Menge. Sie zu schützen, war mir bei diesem Film von Anfang an sehr wichtig. Ich wollte nicht Teil eines Teams sein, das einfach nur eine Fortsetzung dreht, weil es eine große Nachfrage gibt - für viele Studios ist das Grund genug, einen Film zu produzieren. Was wir schaffen wollten, war nicht nur ein Film, der an den Kinokassen funktioniert, sondern einer, bei dem auch Fans und Kritiker sagen: Das habt ihr gut gemacht.

Quelle: teleschau - der mediendienst