Ted 2

Ted 2





Hollywood mag keine Anarchie

"Was mal wieder beweist, dass in Amerika jeder Scheiß erlaubt ist", heißt es zu Beginn von "Ted 2". In den USA sei es nämlich sogar möglich, einen Teddybären zu heiraten - was in der Fortsetzung der aberwitzigen RomCom "Ted" (2012) natürlich gleich ausgenutzt werden musste: Der animierte Ted heiratet seine Tami-Lynn (Jessica Barth), bekommt im Anschluss aber Probleme mit seinem juristischen Status als "Sache". Seth McFarlane, Erfinder des kiffenden und schimpfenden Plüsch-Helden, ist bekannt dafür, stets mit großer Gerätschaft über die Stränge schlagen zu wollen. Sein Urprodukt "Family Guy" verzichtet für jede Provokation sogar auf jeden Inhalt. Hätte er sich bei "Ted 2" nur an dieses Erfolgsrezept gehalten ...

Märchenhaft begann der erste Teil von "Ted": Eine großväterliche Stimme erzählte dort, dass sich der kleine John einst ganz doll wünschte, dass sein Teddybär lebendig werden würde. Und, oh Wunder - er wurde es. Über die Jahre hinweg entwickelte sich der knuffige Ted wie auch sein Besitzer zu einem kiffenden Kindskopf, was mit den zu erwartenden Vulgaritäten den Charme des ersten Teils ausmachte. "Ted" hatte seine flotten Momente, schnell vorgetragene Wortspiel-Kaskaden, absurde Gastauftritte und eine nette Grundidee. Dass die mit Romantik versetzte Story um eine Entführung des mit Baumwolle vollgestopften besten Kumpels höchstens als nettes Beiwerk zu gebrauchen war: geschenkt.

Zu behaupten, Seth McFarlane mache nun bei seiner Fortsetzung alles falsch, wäre Quatsch. Gerade deshalb, weil er eigentlich alles genauso belässt wie im Erfolgsfilm von 2012. Sein nun co-geschriebener Plot um den juristischen Kampf Teds, als Mensch anerkannt zu werden, bietet sogar jede Menge Potenzial. So hat "Ted 2" im Gerichtssaal auch einige seiner stärksten Momente. Wenn etwa John (Mark Wahlberg) nach einer Schimpftirade den Staatsanwalt schlussendlich als "Rosettenkasper" bezeichnet, hat das durchaus den Witz, den der McFarlane-Fan erwartet.

Ein Malheur in der Samenbank oder das Hereinrufen von unpassenden Begriffen im Impro-Theater - es gibt sie durchaus, die lustigen Augenblicke in "Ted 2". Doch ist der Zuschauer stets gezwungen, sich dazwischen über lange Handlungs-Brücken zu schleppen. Wie auch bei "Family Guy" wartet man stets auf die losgelösten Einblendungen - Erinnerungen der Figuren und dergleichen. Nur ziehen diese bei "Ted 2" zu selten. Das Einzige, was sich zieht, ist die Story.

Bauchschmerzen verbreitet dann auch noch das Wiedersehen mit Donny (Giovanni Ribisi), dem Wirrkopf, der im Vorgänger Ted entführte. Nichts anderes hat er nun abermals vor. Sowieso gestaltet sich das vor allem zu Beginn stattfindende, äußerst steife Wiedersehen mit scheinbar lang vermissten Figuren sehr zäh. John und Ted - mehr hätte es wahrlich nicht gebraucht. Zwei Freunde, die umherziehen, Fremde beleidigen, saufen und ohne tausendfach hervorgeholte Klischees Marihuana konsumieren. Einer anarchischen Grundidee hätte mehr Anarchie gut zu Gesicht gestanden - und vor allem weniger Hollywood. Doch dort ist offensichtlich nicht "jeder Scheiß erlaubt".

Quelle: teleschau - der mediendienst