Rolf Seelmann-Eggebert

Rolf Seelmann-Eggebert





"Die Queen hat etwas Magisches"

Über neun Stunden Live-Sondersendungen hat die ARD unter dem Titel "Die Queen in Deutschland" im Programm, wenn Königin Elisabeth II Ende Juni nach Deutschland kommt. In den vier Tagen, von Dienstag, 23.06., bis Freitag, 26.06., steht dann auch wieder ein Mann im Mittelpunkt, der sich wie kaum ein anderer deutscher Journalist bei den Royals auskennt. Rolf Seelmann-Eggebert, der seit Ende der 70er-Jahre über die Windsors berichtet, wird die Sendungen moderieren und für die Zuschauer zu Hause die nötigen Hintergrundinfos rund um den Queen-Besuch liefern. Im Interview erzählt der 78-Jährige, was ihn persönlich am Adel fasziniert, warum der Royal-Hype heute so stark ist wie selten, und er erklärt das Phänomen "Queen" aus seiner Perspektive.

teleschau: Seit über 30 Jahren sind Sie im deutschen Fernsehen der Experte schlechthin, wenn es um das britische Königshaus und Königin Elisabeth II geht. Was fasziniert Sie so an den Royals?

Rolf Seelmann-Eggebert: Ich stieg in diese Art der Berichterstattung ein, als ich nach mehreren Korrespondenten-Jahren in London nach Deutschland zurückkam und feststellte, dass die Deutschen keine Ahnung von einer parlamentarischen Monarchie haben. Es ging also nicht so sehr um die Figur der Queen, sondern um das politische System. Und wenn man dann merkt, welche Rolle sie im Hintergrund spielt und wie sie die Größe und ehemalige Herrlichkeit von Großbritannien symbolisiert, dann wird sie selbst zu einer spannenden Person. Heutzutage kann man getrost sagen, dass sie die bekannteste Persönlichkeit der ganzen Welt ist. Jeder kennt sie, jeder schätzt sie.

teleschau: Woran liegt das?

Seelmann-Eggebert: Es bleibt immer etwas übrig, das man gerne wissen möchte, aber nie erfährt. Dieses fast schon Magische an ihr übt einfach eine große Attraktion aus.

teleschau: Gerade auch in der jüngeren Generation herrscht derzeit ein regelrechter Royal-Hype. Was glauben Sie, woran das liegt?

Seelmann-Eggebert: Zu meiner Zeit gab es noch Leute wie Errol Flynn, da schmückte die ganze alte Hollywood-Garde unsere Illustrierten mit tollen Bildern. Hollywood hat in der Beziehung mächtig an Energie verloren. Dieser Verlust wurde zum großen Teil durch die europäischen Royals und vor allem die britischen Royals aufgefangen. So ein Königshaus stellt ja nicht nur eine Königin, sondern vereint in sich alle Elemente, die einer amerikanischen Soap-Opera innewohnen. Der Clan macht die Schlagzeilen.

teleschau: Trotzdem handelt es sich ja noch um politische Repräsentanten. - Wie politisch wird der Queen-Besuch werden?

Seelmann-Eggebert: Ein Staatsbesuch ist allenfalls politisch, wenn tatsächliche Probleme zwischen den Ländern herrschen. Dieses wird ein Staatsbesuch, der sich mit zwei Jubiläen befasst. Zum einen liegt der erste Queen-Besuch in Deutschland nun 50 Jahre zurück, zum anderen jährt sich das Ende des zweiten Weltkriegs dieses Jahr zum 70. Mal. Letzteres spiegelt sich beim Besuch unter anderem dadurch, dass sie das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen besuchen wird.

teleschau: Was ein persönlicher Wunsch von ihr war, oder?

Seelmann-Eggebert: Ja das war es. Sie müssen sich in ihre Situation versetzen. Sie war schon 19 Jahre alt, als der Krieg zu Ende ging. Sie verfolgte sicher, wie viele ihrer Altersgefährten damals, die Berichterstattung in der Wochenschau, wie die Briten Bergen-Belsen befreiten. Ich denke, das ist eine Geschichte, die sie ihr Leben lang begleitet hat, und bisher war sie noch in keiner KZ-Gedenkstätte. Weil es die letzten vier Mal andere Prioritäten gab. Die ersten Besuche standen im Zeichen der Solidarität zu West-Berlin, und bei den darauffolgenden lernte sie den Teil Deutschlands kennen, den sie vorher nicht sehen konnte, die ehemalige DDR.

teleschau: Wie haben Sie den ersten Besuch 1965 selbst miterlebt?

Seelmann-Eggebert: Ich saß in einem Studio des Hannoverschen Funkhauses. Von dort aus übertrugen wir die Ankunft der Königin auf dem Flughafen in Langenhagen live mit einem kleinen Sender, der damals gerade auf dem Markt gekommen war. Das war für mich faszinierend weil es eine neue technische Errungenschaft war. Auch wenn es wegen irgendwelchen Betonwänden zwischen dem Sender und uns im Funkhaus silbern rauschte, war man gebannt, dass man gleichzeitig berichten konnte. Heute ist das selbstverständlich, damals war es das nicht.

teleschau: Seit damals hat sich einiges verändert. Die Queen auch?

Seelmann-Eggebert: Eine Monarchie, die nicht mit der Zeit geht, hat keine Chance. Das wissen die Monarchen selbst am allerbesten. Um den Wandel an einem Beispiel klar zu machen: Die Königin selbst ging keineswegs in eine öffentliche Schule, sondern in eine Palastschule, die für sie, ihre Schwester und einige Palastkinder eigens eingerichtet wurde, damit sie um Gottes willen nicht mit dem Normalvolk in Berührung kam. Ihre eigenen Kinder hat sie allesamt auf öffentliche höhere Schulen geschickt. Dazu kommen natürlich unendlich viele andere Dinge, an denen man beschreiben könnte, wie sie sich geändert hat. Sie hat sich aber nicht in Hinsicht auf die Rolle, die sie nach außen spielt geändert.

teleschau: Haben Sie die Queen jemals persönlich kennengelernt.

Seelmann-Eggebert: Ich habe ihr vielleicht 20-mal im Leben auf irgendwelchen Anlässen die Hand gegeben. Das bedeutet aber nicht, dass sie auch nur in geringster Weise wüsste, wer ich bin. Bei den vielen Händen, die sie im Laufe einer Woche schütteln muss, überrascht das nicht.

teleschau: Und wann kommen uns Kate und William besuchen?

Seelmann-Eggebert: Ich glaube nicht so bald. Sie haben jetzt erst mal mit den Kindern zu tun, und William ist auch nicht in einer Repräsentationspflicht, in der sein Papa in seinem Alter schon längst war. Williams Pflichten werden sich in nächster Zeit auf die großen Ereignisse in Großbritannien konzentrieren. Charles hingegen übernimmt jetzt schon zunehmend Aufgaben der Königin. Wie oft sie nach diesem Deutschland-Besuch noch Staatsbesuche tätigen wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: teleschau - der mediendienst