Big Game

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Von Kerlen, für Kerle

Die Ahnenhalle, die Oskari (Onni Tommila) an der Seite seines Vaters staunend betritt, nötigt dem kleinen Finnen mächtig Respekt ab. Nicht etwa beeindruckt ihn die karge Holzhütte, in der die Männer des Dorfes nach ihrem ersten erfolgreichen Beutezug im Wald mitsamt ihren Trophäen auf ikonischen Fotos verewigt wurden, sondern die Last dieser Tradition. Kaum 13 Jahre alt, verbringen die Heranwachsenden im internationalen Thriller "Big Game" eine Nacht im Wald der verschneiten Berge: um zu überleben, um zu jagen, um echte Männer zu werden. So einen ganzen Kerl gibt Oskaris Vater nur allzu vortrefflich ab - hat er doch sogar mit einem Bären gekämpft und diesen bezwungen. Mit derlei Genen und einem solchen Trainer ausgestattet, sollte für Oskari nichts schief gehen - auch wenn ihm das Ganze immer noch ein wenig fremd vorkommt.

Gar nicht so weit weg von all dem nähern sich gleich mehrere Luftfahrzeuge den finnischen Bergen. In der sagenumwobenen Air Force One sitzt niemand Geringeres als der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (Samuel L. Jackson). Umgeben von Vertrauten, seinem Sicherheitschef Morris (Ray Stevenson), bestens ausgebildeten Agenten und geschützt von einer ganzen Armada an Kampfjets, bereitet er sich mäßig interessiert auf einen der zahlreichen Polit-Gipfel vor. Im Gegensatz dazu überaus unscheinbar wirkt der Ausflugs-Helikopter mit der kleinen Gruppe von Jägern, die jene Berge als perfektes Revier für die Großwild-Jagd auserkoren haben. Schon bald lassen sie vom Piloten eine offensichtlich genau ausgewählte Bergkuppe ansteuern.

Während Oskari sich allein aufmacht, um sein Abenteuer zu bestreiten, entpuppen sich die vermeintlichen Jäger als fiese Terroristen. Angeführt vom lässigen Mastermind Hazar (Mehmet Kurtulus), haben sie ein besonderes Ziel vor Augen: den Präsidenten und die Air Force One! Als an Bord die Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden, ahnt keiner, dass ausgerechnet Morris, der sich einst für seinen Boss eine Kugel direkt neben dem Herzen einfing, die Seiten gewechselt hat. Nachdem Hazar und die Seinen erst den arglosen Heli-Piloten ermorden und anschließend chirurgisch präzise das Flugzeug mit einer Luftabwehrrakete vom Himmel ballern, ist der in einer Sicherheitskapsel evakuierte Präsident auf sich allein gestellt. Morris hat all die anderen ahnungslosen Agenten außer Gefecht gesetzt. Mithilfe von Hazar & Co. will er "seinen" Präsidenten zur Strecke bringen.

Der fürchterliche Plan der Attentäter scheint haarklein aufzugehen. Während die Sicherheitszirkel im Pentagon noch ob der Präzision rätseln und über passende Maßnahmen beraten, funkt einer den Gangstern dazwischen: Oskari! Weder der Überläufer Morris noch Hazar und seine Truppe oder US-Geheimdienstler erreichen zuerst die Rettungskapsel. Der kleine Jäger, der doch erst noch zum Mann werden soll, ist der Erste, der zwischen all den brennenden Flugzeugtrümmerteilen eintrifft. Nach einem ersten schüchternen Kennenlernen, beschließt er, den mächtigsten Mann der Welt mit Pfeil und Bogen gegen die Gefahren seines Waldes zu verteidigen.

Schon 2010 sorgte der finnische Regisseur und Drehbuchautor Jalmari Helander mit seinem bösen Weihnachts-Fantasy-Streifen "Rare Exports" für eine faustdicke Genre-Überraschung. Auch damals schon erkor seinen kleinen Neffen Onni Tommila zum Hauptdarsteller. Helander beweist mit beiden Filmen sein Gespür für Skurriles und Unterhaltung. Der latente Größenwahn des Projekts, in dem nichts Geringeres als die Air Force One samt US-Präsident in Finnland gekapert wird und der wichtigste Mann der Erde eine rasante Tour in einer Tiefkühltruhe überstehen muss, steht "Big Game" hervorragend.

Helander paart rasante, aber handgemachte Action mit situationskomischen Elementen. Diese entstehen vor allem dank des absurden Settings: Ein Kind beweist sich als Retter gegen übermächtige und schwer bewaffnete Terroristen - anstatt nur einen Elch zu erlegen, was ihm nicht mal der eigene (Über-)Vater zutraut.

Dieses Widerspiel der Elemente funktioniert nicht immer, manchmal kommt "Big Game" ein wenig altbacken daher und erinnert in Sachen Look und Humor an seine offensichtlichen Vorbilder aus den 1980er-Jahren, etwa die "Stirb Langsam"-Reihe. Das angesichts der heutigen Materialschlachten Sympathien wecken, wirkt an anderer Stelle aber auch antiquiert. Unter dem Strich bleibt solide Action-Unterhaltung von echten Kerlen für echte Kerle - denn Frauen spielen in "Big Game" überhaupt keine Rolle.

Quelle: teleschau - der mediendienst