Paul Dano

Paul Dano





"Ich musste verdammt viel essen"

Als Brian Wilson (anfangs: Paul Dano) für die Beach Boys Meilensteine wie "God Only Knows" (1966) komponierte, fühlte sich der geniale Musiker seelisch labil. 15 Jahre später ist er ein tablettenabhängiges Wrack, das unter der Fuchtel seines Therapeuten Dr. Eugene Landy (Paul Giamatti) steht. Dieser will die Romanze zwischen Brian (später: John Cusack) und der hübschen Melinda (Elizabeth Banks) sabotieren. Selten war eine Künstlerbiografie so intensiv wie "Love & Mercy" von Bill Pohlad (Start: 11. Juni). Und selten ergänzten sich zwei Schauspieler - in dem zwischen Wilsons Lebensphasen hin- und herspringenden Film - so perfekt. Paul Dano (30), zuletzt im oscargekrönten Kostümdrama "12 Years A Slave" (2013) zu sehen, ist auch Gitarrist der Rockband Mook. Im Interview spricht der Wahl-New-Yorker über musikalische Lehrstunden, Diäten und seine Kindheit mit den Beach Boys.

teleschau: Trafen Sie Brian Wilson vor den Dreharbeiten?

Paul Dano: Ja, natürlich. Ich wollte mir seinen Geist erschnuppern, eine Vorstellung von seiner Persönlichkeit bekommen. Ich wollte ihn nicht über jedes Detail seiner Biografie ausfragen, sondern mir meinen ergänzenden Eindruck machen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ja auch schon viel recherchiert für die Rolle und das Drehbuch von Oren Moverman verschlungen. Ohnehin ist es seine wunderbare Musik, die Brian ausmacht. Wenn man ihn dann trifft, spürt man seine gewaltige Präsenz.

teleschau: Was empfanden Sie, als sie die Rolle bekamen?

Dano: Die nackte Panik! Aber als ich dann realisierte, was für eine Chance das auch in Bezug auf die Musik war, und dass die Studioszenen, in denen Musik kreiert und entwickelt wird, eine so zentrale Rolle spielen, war ich hin und weg. Ich fand die Musik der Beach Boys schon immer genial. Und nun durfte ich lernen, Klavier zu spielen, der Film drehte sich um die 60-er, ich bekam Gesangsunterricht. Was für eine geniale Kombi!

teleschau: Was sind Ihre persönlichen Erinnerungen an Beach-Boys-Songs?

Dano: Ich fahre mit meinen Eltern im Sommer im Auto und singe lauthals "Surfin' U.S.A." mit. Das hat wohl jedes amerikanische Kind getan. Dann später, als ich mich an der Highschool noch mehr für Musik interessierte, selber ein bisschen Musik machte, da war "Pet Sounds" natürlich ein Album, das man besaß! Ich wurde aber erst ein obsessiver Beach-Boys-Fan, als ich mit diesem Film zu tun hatte.

teleschau: Inwieweit half Ihnen Ihre eigenen musikalischen Erfahrungen für diese Rolle?

Dano: Schon ein wenig. Doch wenn man Brians Musik hört, dann klingt das ja zunächst sehr geschmeidig und locker. Und doch merkt man, wie komplex sie eigentlich ist. Das stellt man aber erst fest, wenn man die Instrumente und Stimmen einzeln vorgespielt bekommt. Ich lernte durch diesen Film wahnsinnig viel über Musik und bekam eine Vorstellung davon, wie es damals bei solchen Aufnahmen im Studio zugegangen sein muss.

teleschau: Tauschten Sie sich mit John Cusack darüber aus, wie sie die Rolle in den verschiedenen Lebensphasen jeweils anlegen?

Dano: Unsere Drehzeit überschnitt sich nur um ein, zwei Tage. Da unterhielten wir uns natürlich miteinander - aber mehr über Brians Musik, wem welche Songs am besten gefallen und so weiter. Regisseur Bill Pohlad vertraute darauf, dass durch die Drehbuchstruktur der Film auch so funktionieren würde.

teleschau: Was empfanden Sie, als sie die von John Cusack gespielte Zeitperiode im Film das erste Mal sahen?

Dano: John machte einen grandiosen Job. Aber es war schockierend, diesen lebendigen, begeisternden Jüngling zu spielen, der seine Musiker zu Höchstleistungen animierte - und dann diesen erschöpften Mann im Bett auf der Leinwand zu erleben, der während der Jahre beim Psychologen Eugene Landy vermutlich unter Einfluss von irgendwelchen Stoffen stand.

teleschau: Sie nahmen für diese Rolle ziemlich zu. War das hart?

Dano: Allerdings, weil ich von Natur aus ein schlaksiger Typ bin. Ich musste verdammt viel essen, um mir ein Bäuchlein anzufuttern. Ich aß sechs Mahlzeiten am Tag und trank kalorienreiche Shakes. Aber dann fühlte es sich mit Bauch echt gut an, irgendwie majestätisch (lacht).

teleschau: Und die Diät danach?

Dano: Ich traue es mich kaum zu sagen: Die Kilos schmolzen von alleine wieder dahin. Mein Stoffwechsel ist anscheinend schneller als der von vielen anderen. Ein echtes Luxusproblem (lacht). Ich bin mal gespannt, wann das aufhört - und ich ohne Kalorienkur Speck ansetze.

Quelle: teleschau - der mediendienst