Steffen Henssler

Steffen Henssler





"Kein Sülzer oder Schnacker"

Er ist sehr laut, ziemlich direkt und extrem ehrgeizig. Steffen Henssler ist die Rampensau unter den TV-Köchen. Seine Fans lieben den Wahl-Hamburger für seine authentische Art und seinen Drang, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Das macht der 42-Jährige zum Beispiel immer sonntags in der VOX-Sendung "Grill den Henssler", in der er kürzlich nach einem Sturz sogar mit blutigen Händen noch weiterkochte, um die Challenge zu gewinnen. Nun ist der gebürtige Neuenbürger wieder als RTL "Restauranttester" unterwegs, um (ab 15. Juni, 21.15 Uhr) strauchelnden Gastronomen unter die Arme zu greifen. Wieso nicht jeder eine Gaststätte eröffnen sollte, warum wir Deutschen den Genuss beim Essen häufig vergessen und wann der heißblütige Workaholic mal zur Ruhe kommt, erklärt er im Interview.

teleschau: Sie waren wieder als RTL-Restauranttester unterwegs: Was muss sich in deutschen Restaurants noch ändern?

Steffen Henssler: Es gibt welche, da muss sich gar nichts ändern und bei anderen sehr viel. Grundsätzlich kann jeder in Deutschland ein Restaurant aufmachen, egal, ob er Fachkenntnisse hat oder nicht. Ein Bauarbeiter macht mit seiner Friseusen-Freundin einen Italiener auf, wenn er möchte. Das finde ich ein Stückweit auch gut, weil so jeder die Chance hat, seine Träume zu verwirklichen. Aber es wird schwierig, wenn die Leute nicht wissen, wie man mit Lebensmitteln umgeht oder Dinge berechnet.

teleschau: Was raten Sie Menschen, die ein eigenes Restaurant eröffnen möchten?

Henssler: Ich kann jedem, der die Idee hat, sich mit einem Restaurant selbstständig zu machen, nur empfehlen, sich vorher mit der Handelskammer zusammenzusetzen und sich dort beraten zu lassen. Denn nur, weil jemand zu Hause gut kocht und alle Freunde sein Essen loben, kann er noch lange kein Restaurant führen.

teleschau: Im Herbst eröffnen Sie "Hensslers Küche" in Hamburg. Was geschieht da?

Henssler: Da werde ich unter anderem Kochkurse anbieten - aber nicht für Köche, sondern für ganz "normale" Leute.

teleschau: Ist es Ihnen prinzipiell wichtig, volksnah zu arbeiten?

Henssler: Ich weiß nicht, ob man das volksnah nennen soll. Ich bin authentisch und verstelle mich nicht. Vielleicht sagen die Menschen deshalb: "Der ist einer von uns!", weil sie mir abnehmen, was ich sage. Ich bin kein Sülzer oder Schnacker. Ich glaube, das ist es, was die Leute mögen: Ich bin nicht gekünstelt.

teleschau: Das Jury-Mitglied bei "Grill den Henssler", Reiner Calmund, bezeichnete Sie kürzlich in der Sendung als "krankhaft ehrgeizig". Stimmt das?

Henssler: (lacht) So schlimm ist es nicht. Natürlich will ich gewinnen, wenn ich antrete. Deswegen hat die Sendung auch Erfolg. Wenn ich einer wäre, dem es nicht wichtig wäre, ob er gewinnt, dann würde keiner mehr einschalten.

teleschau: Aber es ärgert Sie schon, wenn Sie einen Gang verlieren?

Henssler: Klar, aber es ist schon besser geworden. Früher habe ich mich mehr geärgert. Wenn Kritik berechtigt ist, dann sehe ich das auch ein. Aber wenn ich eine Herausforderung annehme, dann nicht, um Zweiter zu werden.

teleschau: Sie haben neben Ihren vielen Tätigkeiten als Koch unter anderem den Kilimandscharo bestiegen und den Weltrekord von Englands Star-Koch Jamie Oliver im Chili schneiden gebrochen. Sie suchen ständig neue Herausforderungen, oder?

Henssler: Absolut. Das macht das Leben doch spannend. Man muss offen für Neues bleiben. Das finde ich nicht nur beruflich sondern auch privat wichtig. Deshalb besteige ich zum Beispiel Berge. Aber jeder muss für sich selber herausfinden, was ihm im Leben wichtig ist. Ohne jetzt philosophisch klingen zu wollen: Man sollte sich auch mal Dingen stellen, vor denen man vielleicht Angst hat oder sich denkt: Oh, jetzt geht's zur Sache!

teleschau: Gibt es in Ihrem Leben auch mal ruhige Momente, in denen Sie einfach nur daliegen? Das ist irgendwie schwer vorstellbar.

Henssler: Doch, die gibt es. Ich habe ja auch Familie und bin viel mit meinen Kindern unterwegs. Dabei komme ich zur Ruhe. Ich bin prinzipiell schon jemand, der immer gerne unterwegs ist und Sachen macht, aber ich kann auch 14 Tage am Strand liegen, lesen und sonst gar nichts tun. Das braucht man auch, wenn man in einem kreativen Job arbeitet. Dann muss man sich bewusst Pausen setzen, um wieder kreativ zu sein. Wenn man mal nichts macht, dann kommen einem auch wieder Ideen. Wenn man sich hingegen hinsetzt und versucht, auf Kommando Ideen zu haben, das wird meistens nichts. Deshalb gibt es bei mir Ruhephasen, in denen ich einfach mal eine Serie gucke und entspanne.

teleschau: Welche Serien sehen Sie sich am liebsten an?

Henssler: "Entourage" ist meine Lieblingsserie. Dann kommen "True Detective" und "House of Cards". Das ist meine momentane Rangfolge.

teleschau: Was tun Sie in Ihrer aktiven Freizeit?

Henssler: Bergsteigen, Eisklettern und Kraftsport.

teleschau: Sie achten also auf Ihren Körper. In den letzten Jahren setzen sich immer mehr Menschen intensiv mit ihrem Essen und ihrer Gesundheit auseinander. Aber übertreiben es einige vielleicht, und so mancher "Gesundheitsapostel" sollte wieder lernen, sein Essen zu genießen?

Henssler: Es ist gut, dass sich die Menschen mehr mit dem Essen auseinandersetzen. Aber es wird immer eine neue Sau durchs Dorf getrieben: Mal ist es die Steinzeit-Diät, dann muss es vegetarisch, vegan oder low carb sein. Es heißt nur noch: "Das darfst du nicht und hiervon kriegst du Fußpilz und davon fallen dir die Haare aus!" Wenn man das alles befolgt, kann man im Grunde nur noch Regenwasser trinken und Gras essen! Ich finde das sehr nervig. Wir werden auch immer mehr zugemüllt mit irgendwelchen Bildern von extrem schlanken und gut aussehenden Menschen in sozialen Netzwerken. Es geht nur noch um den perfekten Körper und nicht mehr darum, sich einfach hinzusetzen und zu genießen. Und das sollte jeder so tun, wie er es für richtig hält.

teleschau: Könnten wir uns diesbezüglich von den Südländern eine Scheibe abschneiden und unser Essen mehr zelebrieren?

Henssler: Ja! Ich glaube wir Deutschen könnten uns auf jeden Fall von den Südländern etwas abgucken, was die Geselligkeit und den Spaß am Essen angeht. Wir kennen das ja aus dem Urlaub: Da lieben wir es, draußen zu sitzen, und wir kommen mit anderen Leuten ins Gespräch. Aber kaum sind wir wieder zu Hause, heißt es: Tür zu und Tüte auf!

teleschau: Sie haben weltweit in viele Kochtöpfe geschaut und auch einige Jahre in Asien gelebt. Was läuft in anderen Ländern ernährungstechnisch besser?

Henssler: Zum einen ist es die Einstellung zum Essen: Die Chinesen fragen zum Beispiel zuerst: "Hast du schon gegessen?", bevor sie fragen, wie es einem geht. Das Essen steht an erster Stelle, und sie haben Freude daran. Das ist bei uns nicht ganz so. Das kommt wohl noch aus der Nachkriegszeit. Ich kenne das von meiner Oma. Da hieß es damals: "Am Tisch wird nicht geredet und getrunken, sondern nur gegessen." Der Spaß am Essen wurde nicht richtig vermittelt. Und das ist immer noch ein bisschen so.

teleschau: Was haben Sie noch Positives beobachtet in anderen Ländern?

Henssler: Es gibt eine riesige Produktvielfalt. Schau dir mal in Italien oder Frankreich einen Supermarkt an: Das ist ein Erlebnis. Was es da alles gibt, und was die Leute auch bereit sind, für ihr Essen auszugeben! Das ist auch immer die Frage: Was ist man sich selber wert?

teleschau: Es geht um die Gesundheit. Die müsste einem doch sehr viel wert sein, oder?

Henssler: Ganz genau! Aber viele Leute blenden das einfach aus! Die denken gar nicht darüber nach, was sie in sich hineinstopfen, sondern wollen einfach schnell ihren Hunger stillen. Ab und zu eine Stulle Weißbrot mit Nutella zu essen ist ja okay, aber wenn das Standard ist, muss man sich nicht wundern, wenn es einem dann nicht so gut geht. Wenn du einen Sportwagen fahren willst und schüttest literweise Diesel rein, dann fährt der auch nicht.

teleschau: Warum schaffen viele Menschen es nicht, sich gesund zu ernähren?

Henssler: Die Problematik ist, dass jemand, der sich nicht so gut ernährt, und dann seine Ernährung umstellt, nicht nach zwei Tagen ein Erfolgserlebnis hat. Es gibt nicht sofort einen Aha-Effekt. Das dauert einfach länger, und dann schwächeln viele und verlieren die Motivation.

teleschau: Versuchen Sie, auf Ihrer Live-Tour den Zuschauern den Spaß am Essen und Kochen wieder näherzubringen?

Henssler: Ja! Und dass man Essen nicht stigmatisieren und immer denken soll: "Ach, das ist alles so aufwendig, das lass ich lieber sein!" Denn das ist es ja gar nicht. Man macht sich entspannt was zu essen, setzt sich mit seinen Freunden hin und fertig! Früher hat man auch rund ums Feuer gesessen, gegessen und geredet. Ich versuche in der Show, den Leuten den Genuss am Kochen und gemeinsamen Essen wieder näherzubringen

teleschau: Genießen Sie es, als TV-und Show-Koch Ihre innere Rampensau rauslassen?

Henssler: Ja, klar! Ich habe große Lust darauf! Wenn man mich nach meinen Vorbildern fragt, würde ich auch keinen Koch nennen, sondern eher einen Entertainer wie Thomas Gottschalk. Leute, die einfach die Menschen mit ihrer Art unterhalten, so wie sie sind. Ohne dass sie von einem Zettel mit auswendig gelernten Witzen ablesen oder einen Knopf im Ohr mit Ansagen haben. Sie begeistern, indem sie spontan auf Situationen reagieren. So was kann ich natürlich vor allem auf Tour ausleben.

teleschau: Was läuft da zwischen Ihnen und Ruth Moschner?

Henssler: (lacht) Es gibt auf meiner Tour auch die Möglichkeit, mir Fragen zu stellen und diese Frage kommt immer! Wir verstehen uns gut, und ich kokettiere damit, aber mehr läuft da nicht.

Quelle: teleschau - der mediendienst