Barbara Schöne

Barbara Schöne





"Ich möchte gebraucht werden, nicht benutzt"

Es dauert nur wenige Minuten, dann ist sie tot. Ihr letzter Satz: "Eins ist nicht von dir." Die Rede ist von Heide, die ihrem Macho-Ehemann und Dauer-Fremdgänger Uli ein letztes Rätsel bezüglich der gemeinsamen Kinder aufgibt, bevor sie für immer verstummt. "Eins ist nicht von dir" ist auch der Titel dieses Films von Regisseur Udo Witte (Freitag, 5. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste), mit Barbara Schöne (Heide) und Michael Gwisdek (Uli) in den Hauptrollen. Es geht um die großen Themen in einer Liebesbeziehung: Glaube, Hoffnung, Sehnsucht. Die Schauspielerin und Sängerin Schöne (68) spricht im Interview über ihre eigenen Regeln für Partnerschaften und darüber, warum sie selbst schon viele Jahre allein lebt und auch ohne Mann glücklich ist.

teleschau: Frau Schöne, die wichtigste Frage gleich vorweg: Was ist in Ihren Augen die Regel Nummer eins für eine gut funktionierende Beziehung?

Barbara Schöne: Erst mal müssen wir unterscheiden zwischen einer schlichten Liebesbeziehung und einer Ehe, also zwischen einer freien Liebe und einer Art "Muss".

teleschau: Fangen wir mit der Ehe an.

Schöne: In einer Ehe - also dem Leben zweier erwachsener Menschen unter einem Dach - heißt es immer und noch mehr als in anderen Beziehungen, wachsam zu sein, was das Miteinander angeht. Was leider nicht immer passiert.

teleschau: Kurze Zwischenfrage: Woran liegt das?

Schöne: Es ist ja so: In jeder Beziehung lernen sich zwei Menschen kennen - und zwar ständig. Das Kennenlernen hört nie auf. Nur: In einer langen Beziehung bis hin zur Ehe setzen viele Paare irgendwann voraus, sich schon vollends zu kennen. Die Folge ist, dass sie bestimmte Rollen verteilen. Und wenn das auch noch funktioniert, wird womöglich bald auch die Liebe als selbstverständlich wahrgenommen.

teleschau: Wie lässt sich das vermeiden?

Schöne: Man muss viel miteinander reden und einander besonders gut zuhören, das ist das A und O. Alles andere ist zum Scheitern verurteilt. Zudem sind Kompromisse wichtig. In jeder Beziehung müssen beide Partner dauernd an sich arbeiten.

teleschau: Sie unterscheiden zwischen einer Ehe und einer Liebesbeziehung. Was bewirkt Ihrer Meinung nach der Trauschein?

Schöne: Das Ehegesetz ist eines der schlechtesten Gesetze überhaupt - vor allem, wenn eine Ehe kaputtgeht, und es gilt, sich zu trennen. Dann geht es irgendwann nur noch ums Finanzielle. Eine Beziehung ohne Trauschein ist mit weniger Druck versehen.

teleschau: Sie haben der Ehe also abgeschworen?

Schöne: Ich habe das ja schon dreimal durchgemacht. Und eigentlich war ich immer eine Kämpferin, oft über ein erträgliches Maß für eine Beziehung hinaus.

teleschau: Inwiefern?

Schöne: Zum Beispiel habe ich in meinen Ehen immer alle denkbaren Rollen eingenommen: Arbeit, Haushalt, Kindererziehung - das habe alles ich gemacht. An sich hätte ich gar keinen Partner mehr gebraucht (lacht).

teleschau: Was ist da schiefgelaufen?

Schöne: Ich bin der Meinung: Jeder kann sehen, was gerade gemacht werden muss. Also kann es auch jeder übernehmen. Wenn man erst um Hilfe bitten muss, hat man es meist schon schneller alleine gemacht.

teleschau: Im Film "Eins ist nicht von dir" ist ein Problem in der Liebe das Vergessen, was man aneinander hat. Sie selbst haben schon vor einigen Jahren gesungen: "Hab nie vergessen, dass du bei mir bist, doch fast wie du küsst." Wie kann man vermeiden, dass es zum Vergessen kommt?

Schöne: Der Respekt ist wichtig, genauso wie Umsichtigkeit. Man sollte durchs Leben gehen und dabei nicht nur sich selbst, sondern immer auch andere sehen. Man sollte dankbar registrieren, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass eine Liebe und damit eine Beziehung besteht.

teleschau: Ihre Filmrolle Heide, die immer wieder von ihrem erfolgreichen Mann betrogen wird, hält ihre Hoffnung aufrecht, dass sich dieser ändern wird, sobald er in Pension geht.

Schöne: Darauf spekuliert sie. Die 30 Ehejahre zuvor haben nur deshalb funktioniert, weil Heide eine sehr starke, warm- und großherzige und vor allem humorvolle Frau ist. Sie hat nicht kritisiert oder gemeckert, auch nicht, als sie bemerkt hat, dass ihr Mann fremd geht.

teleschau: Warum eigentlich nicht?

Schöne: Weil sie im Fremdgehen keine Gefahr für ihre Ehe gesehen hat. Ihr Fokus richtete sich voll und ganz auf die Zeit nach seiner Pilotentätigkeit. Darauf, dass sich dieser bisher eitle Macho ändern würde, sobald er merkt, was er da eigentlich zu Hause hat.

teleschau: Können Sie das also nachvollziehen, dass sie so lange gehofft und gewartet hat?

Schöne: Sie war ja auch irgendwie stolz auf so einen Draufgänger! Schließlich hat er sie ja geheiratet und nicht eine seiner vielen anderen Geliebten. Und sie hatte drei wunderbare Kinder und ein schönes Haus zu versorgen. Ich kann schon verstehen, dass sie dabei bleiben wollte.

teleschau: Aber Sie persönlich würden anders reagieren?

Schöne: Ich persönlich möchte gerne gebraucht werden - aber nicht benutzt. Für jemanden da zu sein und alles für ihn zu tun, macht nur dann Sinn und Freude, wenn auch etwas von ihm zurückkommt. Ich spreche da von Respekt und Dankbarkeit genauso wie von Aufmerksamkeit.

teleschau: Heide ist zwar hart im Nehmen, aber auch sehr harmoniesüchtig. Sie auch?

Schöne: Ja, ich bin so was von harmoniebedürftig! Nur: Ich lebe nun schon seit 1996 alleine, so dass ich für solch eine Beziehung, wie Heide sie führt, nicht mehr fähig bin. Meine Liebe verteile ich deshalb mehr in Freundschaften.

teleschau: Sind Sie damit glücklich?

Schöne: Ich sage es mal so: Genauso, wie ich jetzt beruflich glücklich bin, - schließlich habe ich lange ausgeharrt, bis ich endlich meinem Alter entsprechende Charakterrollen bekommen habe, in denen ich mein Publikum mit Vielseitigkeit überraschen kann-, bin ich ebenso glücklich, für andere da sein zu können.

teleschau: Haben Sie ein Beispiel?

Schöne: Wenn zum Beispiel eine junge Frau oder ein junger Mann mich um Rat fragt und diesen dann auch noch erfolgreich umsetzen kann, ist das doch auch für mich ein Erfolgserlebnis. Das zwingt mich, immer neugierig und aufgeschlossen für alles Neue zu bleiben und immer wieder hinzuzulernen. Das hält jung. Deshalb brauche ich auch kein Botox, um Falten wegzuschummeln.

teleschau: Und die Aufmerksamkeit, die Sie in einer Partnerschaft nicht bekommen? Fehlt Ihnen die nicht?

Schöne: Ich bin zu eigenbrötlerisch geworden, um eine Partnerschaft einzugehen. Ich brauche Platz und Luft! Und ich will vor niemandem mehr Rechenschaft ablegen müssen. Das ist mir alles zu kompliziert. Ich bin ohne Lebenspartner ja nie allein. Ich hoffe nur, lange gesund zu bleiben, zum Glück werde ich von meiner Patchwork-Familie und meinen Freunden gebraucht. Die schenken mir mehr Aufmerksamkeit, als ich je in einer Partnerschaft erfahren habe.

teleschau: Was treibt Sie anstatt einer Partnerschaft an?

Schöne: Ich würde nicht sagen "anstatt einer Partnerschaft", aber neben meinem Beruf und Privatleben engagiere ich mich schon seit 1999 für die Berliner Aids-Hilfe. Dieses Thema betrifft uns längst alle. Es geht dabei um Isolation, Intoleranz und Ausgrenzung. Es ist so erschreckend, wie wenig Menschen trotz Aufklärung nicht über HIV und Aids bescheid wissen.

teleschau: Haben sie eine Lebensdevise?

Schöne: Jeder Mensch, der in diese Welt geboren wird, ist einzigartig! Deshalb gibt es für Menschen keine Schubladen. Jeder sollte sich anderen Menschen vorurteilsfrei nähern und sich unvoreingenommen sein eigenes Bild machen.

Quelle: teleschau - der mediendienst