Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht

Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht





Im falschen Film

Dass sie ernste Rollen mit einer großen Qualität und emotionalen Tiefe spielen kann, hat Reese Witherspoon vor allem in "Walk the Line" (2009) gezeigt. An der Seite von Joaquin Phoenix als Johnny Cash gab sie mit Bravour dessen große Liebe June Carter und wurde hierfür zu Recht mit dem Oscar bedacht. Auch zuletzt, auf filmischer Selbstsuche in "Der große Trip - Wild" (2014), dokumentierte sie eindrucksvoll ihr Können. Aber in der neuen, recht holprigen Haudrauf-Komödie "Miss Bodyguard - In High Heels auf der Flucht" von Anne Fletcher ("Selbst ist die Braut", 2009) geriert sie sich mit forcierter Komik als hoffnungslose Lachnummer in einer glücklosen Mischung aus "Miss Undercover" und "Taffe Mädels" (2013).

Polizistin Rose Cooper (Reese Witherspoon) schiebt ihren Dienst im Beweismaterial-Lager, nachdem sie einen Einsatz ordentlich vergeigt hat. Seither nimmt sie keiner mehr ernst, was ihr sehr zu schaffen macht. Zumal ihr Vater ein angesehener Officer war, dessen Fußabdrücke offenbar eine Nummer zu groß für sie sind.

Doch dann bekommt sie eine zweite Chance: Sie soll Daniela Riva (Sofia Vergara, bekannt aus der TV-Serie "Modern Family"), die extravagante Frau eines Drogenkartell-Buchhalters, die gegen den Boss aussagen will, unter ihre Fittiche nehmen. Der Einsatz gerät zum Desaster, in dessen Verlauf Cooper und ihr Kollege unter Beschuss zweier rivalisierender Banden geraten. In ihrer Not schnappt sich Cooper die höchst attraktive Daniel, um sie in Sicherheit zu bringen. Allerdings werden die beiden Frauen bald schon gesucht, denn auch bei der Polizei sind Intrigen im Spiel ...

So beginnt ein turbulentes Roadmovie zweier Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die überkorrekte, verklemmte Rose muss sich gegen die durchtriebene, südamerikanische Femme Fatale Daniela durchsetzen, die alles andere als kooperativ ist. Auf der Flucht vor den korrupten Cops erleben die beiden Frauen dank eines überfrachteten Drehbuchs ein Abenteuer nach dem anderen ...

Der Spaß an dieser brachialen Komödie ist überschaubar. Nicht nur weil die Figuren in einer grauenhaft stereotypen Weise gestaltet sind, sondern auch weil das Drehbuch auf Kosten der Logik ständig mit neuen Twists aufwartet, bis es am Ende keine andere Lösung mehr findet, als mit einem "Drei Monate später"-Titel alle Fragen und das ganze vorherige Chaos ad acta zu legen.

Nicht nur, dass Reese Witherspoon hinter ihren schauspielerischen Möglichkeiten zurückbleibt. Auch die Leistung der bildschönen, kolumbianischen Schauspielerin Sofia Vegara, deren Karriere als Model begann, beschränkt sich hier aus gute Aussehen. Sie ist ein Augenschmaus, der Witherspoon optisch über die Dauer des ganzen Films in den Schatten stellt. Aber immerhin lernt Letztere von dem Bombenweib was fürs Leben. Und sei es auch nur, einfach sie selbst zu sein. Eine Erkenntnis, die genauso originell ist wie der ganze Film.

Quelle: teleschau - der mediendienst