Jurassic World

Jurassic World





Der Star ist das Original

Es war eigentlich nur ein Film, in dem Dinosaurier aus einem Park ausbrechen und auf Menschenjagd gehen. Und doch so viel mehr. "Jurassic Park" (1993) war ein filmtechnischer Meilenstein. Eine Mahnung, der Mensch solle nicht mit der Natur herumspielen, als wäre er Gott. Ein grandios unterhaltendes Stück Lehrmaterial, das zum ersten Mal überhaupt eine "realistische" Vorstellung davon bot, wie Dinosaurier ausgesehen, wie sie sich bewegt und geklungen haben könnten. Allein hierzulande kamen damals über neun Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser, um Steven Spielbergs atemberaubendes Fantasy-Abenteuer zu bestaunen. 14 Jahre nach dem bisher letzten Teil der Reihe werden die prähistorischen Riesen in "Jurassic World" erneut von der Leine gelassen.

Es war ein langer Weg. Schon nach dem dritten Teil, "Jurassic Park III" (2001), sprach Spielberg von einem vierten Film. Mehrere Drehbücher wurden verfasst - und wieder verworfen. Regisseure wurden bestätigt - und schieden dann wieder aus. Alte Park-Veteranen wie die Schauspieler Sam Neill ("Alan Grant") oder Jeff Goldblum ("Ian Malcolm") sagten für eine Fortsetzung zu - und dann wieder ab.

Als 2008 "Jurassic Park"-Autor Michael Crichton verstarb, wurde die ohnehin nur noch geringe Hoffnung auf eine Fortsetzung der Reihe endgültig zerschlagen. Und dann nahm Universal das Projekt doch wieder auf, mit Spielberg als ausführendem Produzenten und Hollywood-Newcomer Colin Trevorrow ("Journey Of Love") auf dem Regiestuhl.

Zu guter Letzt wurde "Jurassic World" also doch noch Realität, und so viel steht fest: Viel gelernt haben die Menschen in all der Zeit nicht. 22 Jahre nach den Ereignissen aus "Jurassic Park" hat der Milliardär Simon Masrani (Irrfan Khan) einen neuen Park eröffnet, der täglich Zehntausende Besucher glücklich macht - und auch im Kinosaal für große Augen sorgen wird. Wenn die Besucher durch das selbe große Tor fahren, das man noch aus dem Original kennt, hat der Film die Fans schon am Haken. Dazu die Musik und kleine Referenzen wie der animierte Genstrang Mr. DNA - es ist wie eine Rückkehr an einen magischen Ort.

Wem verborgen bleibt, wie viel Herz und Hingabe in jedem kleinsten Detail dieses Abenteuers stecken, der wird zumindest an den großen Dingen Spaß haben. Der T-Rex, der Triceratops oder auch der mächtige Mosasaurus haben nicht mehr die umwerfende Wirkung, die den Sauriern in "Jurassic Park" noch innewohnte, aber sie legen die Messlatte für kommende CGI-Monster definitiv wieder ein Stückchen höher. Wie begeistert man ein Publikum, das schon alles gesehen hat? Von dieser Problematik handelt auch die eigentlich recht clevere Geschichte von "Jurassic World", die neben den Autoren Rick Jaffa und Amanda Silver ("Planet der Affen: Revolution") auch Trevorrow mitgestaltete.

Mit ganz normalen Dinosauriern begnügt man sich in dem neuen Park nicht mehr. Es braucht etwas Neues. Etwas Größeres, Gemeineres, etwas mit noch mehr Zähnen. Und so entsteht in den Laboren ein Hybrid-Saurier, der die Besucher aufs Neue das Fürchten lehren soll. Die Situation in "Jurassic World" scheint unter Kontrolle, die Gehege sicher. Doch wie hieß es noch im Original, damals, 1993? "Die Natur findet einen Weg."

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, wer bald um sein Leben rennen muss: Da sind etwa die jungen Brüder Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins), die ihrer Tante Claire (Bryce Dallas Howard) aufs Auge gedrückt werden. Nur hat die als Leiterin des Parks gar keine Zeit für ihre Neffen. Und dann ist da noch Ranger Owen (Chris Pratt), der am Rand der Insel Raptoren abrichtet - er ist der Held des Films, eine muskulöse Mischung aus Indiana Jones und Dr. Grant. Ihm gegenüber steht schließlich der Agent Vic Hoskins (Vincent D'Onofrio), der mit den Hauptattraktionen des Parks große militärische Pläne hegt.

Dass der Plot ein wenig überladen ist, lässt sich nicht bestreiten. Doch erfüllen sämtliche Handlungsstränge eine Funktion, allein schon weil sie den Boden für größtmögliches Dino-Chaos bereiten. Und das Wichtigste ist: Der Filmspaß wird durch die diversen Randgeschichten nicht im Geringsten getrübt. Trevorrow, von Spielberg persönlich auserwählt, inszeniert "Jurassic World" als atemberaubendes 3D-Kinospektakel. Er kreiert einen ähnlich nervenzerreißenden Saurier-Horror, wie man ihn aus "Jurassic Park" kennt, und trifft darüber hinaus auch die Stimmung und den Humor der Vorlage von 1993.

Begeistert sein muss man von "Jurassic World" am Ende nicht. Wirklich schlecht finden kann man dieses Sequel aber nur, wenn man schon mit dem Original nichts anfangen konnte. Trotzdem fragt man sich, wie die geplanten weiteren Fortsetzungen aussehen sollen. Noch einmal würde eine Huldigung wie diese nicht funktionieren.

Quelle: teleschau - der mediendienst