Fritz Wepper

Fritz Wepper





"Es war entwürdigend für mich!"

Die neue Folge der meist heiter-ironischen Krimireihe "Mord in bester Gesellschaft" (seit 2007 im Ersten) setzt weniger auf kriminalistischen Spaß als auf Spannung und psychologischen Tiefgang. Auch in der Episode "Das Scheusal" (Donnerstag, 11. Juni, 20.15 Uhr, ARD) ermitteln Fritz Wepper und seine Tochter Sophie (33) gemeinsam - er als pensionierter Polizeipsychologe Wendelin Winter, sie als dessen Tochter Alexandra, eine ehrgeizige Journalistin. Vor Jahren wurde ein Serienmörder, der sich selbst bezichtigte, zu Unrecht verurteilt, wie Winter glaubt. Doch mit seinen unkonventionellen Recherchen am Rande der Legalität bringt sich Winter selbst in Gefahr - er landet in einem wahren Albtraum: in der geschlossenen Psychiatrie. Eine Herausforderung für den jetzt 73-jährigen Charakterdarsteller Fritz Wepper, dessen Karriere 1958 mit Bernhard Wickis "Die Brücke" begann.

Trotz Interview-Marathon wirkt Fritz Wepper im Gespräch recht entspannt, und der mitgeführte Jagdhund Aron tut es seinem Herrchen gleich. Wenn der Schauspieler, der mit der Nonnen-Serie "Um Himmels Willen" nach wie vor Triumphe feiert, auf den neuen Film aus der Reihe "Mord in bester Gesellschaft" zu sprechen kommt, wird er geradezu leidenschaftlich und versetzt sich noch einmal in die bedrohliche Filmszenerie hinein. Es geht immerhin um einen wohl zu Unrecht verurteilten Serienmörder, der sich in Verhören selbst bezichtigte und ohne tiefere Nachforschungen weggeschlossen wurde. "Wenn es hier kein Wiederaufnahmeverfahren geben würde", sagt Wepper, als wäre es die Wirklichkeit, "dann wäre dieser Mann für immer weggesperrt und weggespritzt". Und er fügt hinzu: "Ich habe ja selbst bei den Dreharbeiten die Erfahrung gemacht, wie schlimm es ist, an der Hüfte und an den Händen gefesselt zu sein. Es war entwürdigend für mich als einen freiheitsliebenden Menschen."

Wepper lobt die beklemmende Atmosphäre des Films, die der Regisseur Lars Montag mit bedrohlichen Verschließkommandos und -geräuschen, aber auch mit Zellengitter-Durchblicken herstellen ließ. "Wir hatten überall Eisen. Die Signale und Codes für die Türen waren bedrohlich. Wir haben das alles in einem Siemens-Keller gedreht." So wird denn auch glaubhaft, dass Winters Tochter Alexandra sich der beängstigenden Situation nicht aussetzen will.

Dabei steht die Tochter in der Reihe längst ihre "eigene Frau", wie Wepper sagt. Das Geplänkel zwischen Vater und Tochter ist in den Hintergrund gerückt. Jeder hat einfach seinen eigenen Zugang zu den Mordfällen. "Wir gehen als Schauspieler kollegial miteinander um, Sophie hat ja längst mehr als Augenhöhe erreicht", wird die Tochter vom Vater gelobt. "Sie hat eine tolle Vorstellungskraft."

Auch privat ist der Umgang miteinander durchaus liebevoll. "Ich habe zwei Töchter und zwei Stieftöchter", sagt Wepper kurz und knapp. Die Stieftöchter hat seine Frau aus erster Ehe mitgebracht, die Töchter, das sind die erwachsene Sophie und das Nesthäkchen, die 2011 geborene Filippa. "Durch Liebe ist alles möglich", sagt Wepper, "meine Frau hat Filippa sehr lieb gewonnen." Und er bedankt sich für das "seelische Kopfnicken der ganzen Familie".

Er selbst verlor wie Bruder Elmar den Vater im Zweiten Weltkrieg in Polen. Eine Journalistin hat vor einiger Zeit herausgefunden, wo er ums Leben kam. In diesem Jahr will man die Gedenkstätte erstmals besuchen. - An die Nachkriegsjahre, als München in Schutt und Asche lag, erinnert sich Wepper noch gut, an die Theatervorstellungen im Residenz-Brunnenhof. Elf war er damals und einer von sieben Jungen in "Peter Pan". Die Zuschauer saßen wegen der fehlenden Heizung in Decken da, und er selbst verbrannte sich beim Aufwärmen an einer Bühnenlampe die Hand: "Seitdem weiß ich: Das Lampenfieber ist den Bühnenlampen und meinen heißen Wangen geschuldet."

Wepper hat die ersten Stunden des neuen Mediums Fernsehen aus der Nähe miterlebt, die Live-Fernsehspiele im Studio - "mit einer Schweißpfütze an den Händen". Damals wurde die schwere Kamera noch zwischen den Freimanner Studios hin- und hergefahren, und zwischen den Sendungen schlief auf dem Bildschirm der BR-Pausenlöwe. Doch jenen alten Zeiten, in denen er etwa mit der TV-Serie "Der Kommissar" bei einer 80 Prozent-Zuschauerquote lag, trauert Wepper nicht nach. "Damals hatten wir fast nur noch die Fußball-Nationalmannschaft als Konkurrenten."

Die neuen Verhältnisse findet Fritz Wepper "ganz okay". Er selbst sieht Nachrichten, aber gerne auch Fußball und Filme, mit Untertiteln im Original. Und manchmal gewinnt er gar Sendungen wie "The Voice of Germany" oder "Deutschland sucht den Superstar" erstaunlich gute Seiten ab. In diesen Fällen sei das Fernsehen nämlich gegenüber Film und Theater kein sprichwörtlich "kaltes" Medium mehr. Gerade in Live-Momenten zeige es durchaus "gelebte Emotionen".

Quelle: teleschau - der mediendienst