Andreas Gabalier

Andreas Gabalier





"Kuschen kann ich nicht"

AC/DC meets Volksmusik? Dass man so eine Assoziation heutzutage völlig würgereflexfrei herstellen kann, ist in erster Linie ein Verdienst von Andreas Gabalier (30). Der selbsternannte "Volksrock'n'Roller" mit der Elvis-Tolle, der 2009 scheinbar aus dem Nichts auftauchte, die deutsche Musikszene einmal auf links drehte und zum Mädchenschwarm und Superstar aufstieg, bringt auch auf seinem neuen Album "Mountain Man" Lederhosen und Rock spielend unter einen Hut. Wie er es hinkriegt, bei allem Stress und Druck und trotz des Mega-Erfolges und diverser öffentlicher Anfeindungen scheinbar ganz er selbst zu bleiben? Den entscheidenden Satz findet man beim Stöbern auf der Facebookseite des steirischen Vielarbeiters: "Es geht sich leichter durchs Leben wenn man nicht alles so ernst nimmt, sondern manche Dinge einfach mit einem Augenzwinkern sieht." Genau jene fröhliche Gelassenheit strahlt Gabalier auch im x-ten Interview glaubhaft aus. Ganz cool spricht er über die Liebe, das Leben, die Öffentlichkeit und das Fernsehen und auch über die Schattenseiten des Ruhms, während im Subtext ein einziges "I bin, wia I bin, und I sog, was I denk" rüberkommt. Keine Frage: So wird man groß, so kann man's bleiben.

teleschau: Privat und völlig unerkannt auf ein Rockkonzert zu gehen, wäre auch mal wieder schön, oder?

Andreas Gabalier: Natürlich, aber das ist ein- für allemal vorbei. Heute ist vieles anders als früher, wenn ich bei so einer Veranstaltung auftauche. Aber ich gebe dann ganz gerne Autogramme, stelle mich für ein paar Fotos zur Verfügung und plaudere mit den Leuten, wenn man mich erkennt. Alles gut.

teleschau: Gehören Sie zu jenen Hardcore-Musikfans, die sich für ein Open-Air-Konzert schon mal ein paar Stunden lang in den strömenden Regen stellen?

Gabalier: Absolut. Gerade habe ich mir zweimal AC/DC gegeben - daheim am Red Bull Ring und im Münchner Olympiastadion. Die "Rock Or Bust"-Tour ist Pflichtprogramm, schließlich bin ich mit der Band irgendwie auch groß geworden. Ich habe Angus und Co. sogar schon getroffen, wir haben geplaudert und Fotos gemacht - die sind zwar total abgeschottet, aber sehr easy drauf. Dass mir jetzt gewisse Türen geöffnet sind, ist wenigstens ein positiver Nebeneffekt der Prominenz (lacht).

teleschau: Verstehen Sie es, dass die meisten Fans von einer Band wie AC/DC immer nur die alten Klassiker hören wollen?

Gabalier: Klar, geht mir ja auch so: Ein AC/DC-Konzert ohne "Back In Black" oder "Thunderstruck" geht gar nicht. Bryan Adams wird immer "Summer Of 69" spielen müssen und ich ganz bestimmt "I sing a Liad für di". Die Leute haben eine Erwartungshaltung, und als Künstler muss ich darauf eingehen, wenn ich meinen Beruf ernst nehme.

teleschau: Nächstes Jahr bringen Sie Ihre VolksRock'n'Roll-Show ins Olympiastadion. Haben Sie beim AC/DC-Konzert schon einen Gedanken an den 30. Juli 2016 verschwendet?

Gabalier: Oh ja. Ich hatte weiche Knie. Denn mir ist klar, dass die Idee ein bisschen größenwahnsinnig ist: Das wird gigantisch, größer als alles, was wir bisher gemacht haben. Die große Sorge ist, dass der Laden richtig voll wird, dass das Ganze ein Bild abgibt, für das man sich nicht schämen muss. Wenn du am Königsplatz in München vor 25.000 Fans spielst, ist das ein Wahnsinn - im Olympiastadion machst du dich lächerlich. Also schauen wir mal, der Kartenverkauf läuft, die neue CD lässt sich gut an.

teleschau: Wenn wir über "Mountain Man" reden, müssen wir auch über das Cover reden: Andreas Gabalier als ...

Gabalier: (lacht) Retter der holden Maid mit üppiger Oberweite im Dirndlkleid! Sexistisch oder?

teleschau: Erklären Sie's!

Gabalier: Es ist eine Gaudi. Die schrille Inszenierung ist meine augenzwinkernde Antwort auf sämtliche Debatten und mediale Aufreger, die es in den letzten Monaten um meine Person gab.

teleschau: Fassen Sie doch noch mal zusammen!

Gabalier: Mir wird vorgeworfen, wahlweise frauenfeindlich oder homophob zu sein, und weil ich die österreichische Nationalhymne in ihrer Urversion singe, wollten mich manche, was mich wirklich ankotzt, sogar braun anschmieren ... Dass jetzt ein an sich sehr fröhliches Albumcover, das zugehörige Video und zuvor auch schon der Auftritt als "Mountain Man" bei der Echo-Gala schon wieder so polarisieren, spricht Bände: Ständig wird Wind um eigentlich nichts gemacht. Aber jedem kann man es eh nicht recht machen - hast du 7.000 Leute, hast du 7.000 Meinungen.

teleschau: Aber nur die Meinung eines Prominenten wird in den Medien und der Online-Öffentlichkeit breitgetreten?

Gabalier: Richtig. Deshalb hat auch jeder, der in der Öffentlichkeit steht, auch die meisten Politiker und die sogenannten Stars, Angst: vor Schlagzeilen, Shitstorms, vor der Verteufelung und dem nächsten hochgejazzten Missverständnis. Das führt zu nichts Gutem. Es scheint heute eine Art vorgegebenen Mainstream zu geben, es hat sich eine sonderbar weichgezeichnete Form von Political Correctness entwickelt. Ich will nicht zu politisch werden und für neue Aufreger sorgen, aber ich denke manchmal, dass sich das, was da an Haltung und Denken vorgegeben wird, immer weiter entfernt von dem, was die Leute auf der Straße empfinden. Ich schließe das aus den vielen Reaktionen, die ich im Alltag bekomme: Oft kommen Leute auf mich zu und sagen: "Deine Musik ist nicht unbedingt meins, aber wenigstens hast du Eier und sagst das, was auch wir uns denken."

teleschau: Sie wollen sich auch künftig nicht zurückhalten mit Ihrer Meinung?

Gabalier: Ach, ich mache doch nur meinen Mund auf, wenn ich es für angebracht halte. So wie es jeder machen sollte. Kuschen kann ich gar nicht - auch wenn ich immer wieder anecke und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, setze ich mich zum Beispiel immer noch gerne in gute Talkshows.

teleschau: Sie gaben unlängst bei Markus Lanz eine interessante Anekdote zum Besten: Eine verflossene Liebe sei schuld an Ihrer Karriere: Sie hatten für das Mädel ein Gedicht geschrieben, aus dem später Ihr Hit "mit Dir" hervorging ... Hat sich die Dame inzwischen wieder mal bei Ihnen gemeldet?

Gabalier: (lacht) Nein, die weiß das ja schon lange. Da ist alles geklärt.

teleschau: Können Sie die Zahl Ihrer Verflossenen noch an beiden Händen abzählen?

Gabalier: An einer. Im Prinzip waren das nicht viele ... Also, da war eine Freundin in meiner Zeit beim Bundesheer. Dann kam die Lisa, die Frau, für die ich das Gedicht schrieb, dann ... Ich komm' auf fünf. Und jetzt ist die Silvia da (Andreas Gabalier und die Moderatorin Silvia Schneider sind seit 2013 ein Paar, d. Red.).

teleschau: Sie räumen gerade mit einem Mythos auf?

Gabalier: (lacht) Na ja, ich war zwischendurch auch mal Single ... Aber grundsätzlich habe ich, wie wohl jeder, gerne etwas Handfestes. Die Beziehung ist nur ehrlich gesagt unheimlich schwierig zu meistern, wenn man so in der Öffentlichkeit steht, wie wir beide.

teleschau: Gibt es einen Königsweg, den Sie in dieser Hinsicht verfolgen?

Gabalier: Ja: Klare Grenzen setzen und immer wieder deutlich Nein sagen.

teleschau: Haben Sie sich auch deshalb erbeten, dass in Interviews ab sofort keine Fragen mehr zum Thema "Freundin / Hochzeit / Kinder" gestellt werden mögen?

Gabalier: Ja. Zuletzt war es mir einfach zu blöd: 20 Interviews und 20-mal die selben Fragen dazu: Wann wird geheiratet? Wann kommen die Kinder? Wie lange wollt ihr noch mit dem Zusammenziehen warten? Den ganzen Tag dieser Quatsch. Also bitte: Nein, ich will noch nicht heiraten, nein, wir wollen keine Kinder, wir warten noch mit dem Zusammenziehen ... Das wirklich Private hat für mich und genauso für Silvia nichts in der Öffentlichkeit verloren, da wird strikt getrennt. Keine Homestorys, keine Fotostrecken aus dem Urlaub. Nichts. Ansonsten habe ich beschlossen, es auf Facebook bekannt zu geben, wenn es in dieser Hinsicht etwas zu vermelden gibt.

teleschau: Wie viele bekannte Beispiele zeigen, gibt es wohl auch kaum ein Zurück mehr, wenn man sich einmal dazu entschieden hat, sein Leben in der Öffentlichkeit zu leben.

Gabalier: Ja, es ist eine Falle, in die ich nicht tappen will. Die Medien jubeln dich erst hoch, und dann, wenn es mal nicht läuft, zerreißen sie dich in der Luft. Ich will als Musiker gesehen werden. Sonst nichts.

teleschau: Markus Lanz behauptet, er höre Ihre Songs beim Joggen. Sollen wir ihm das glauben?

Gabalier: Aber sicher. Wir kennen uns sehr gut. Er ist ein herzenslieber Kerl und ein ehrlicher Fan, der mir manchmal Handyfotos von seinen besonderen Gabalier-Momenten schickt (lacht). Ich bin froh, dass er wieder happy mit seiner Talk-Sendung ist, denn was ihm alles als Moderator von "Wetten, dass ..?" widerfahren ist, hat er definitiv nicht verdient. Das war zum Teil völlig haltlos, brutal für ihn.

teleschau: Haben Sie auch deshalb sofort abgewunken, als man Sie gefragt hat, ob Sie die Nachfolge des geschassten Andy Borg beim "Musikantenstadl" übernehmen wollen?

Gabalier: Ich habe bei solchen Fragen schon imer abgewunken: Nein danke, ich träume nicht vom Fernsehmoderator-Dasein. Als man mir dann im vergangenen Jahr eine Show auf den Leib geschneidert hat, konnte ich aber nicht Nein sagen. Im nächsten Jahr im Mai soll es wieder eine Ausgabe im Ersten geben. So alle ein, zwei Jahre so eine Sendung, das passt, eine höhere Frequenz würde mir als Künstler ein bisschen die Magic nehmen, denke ich.

teleschau: Sie sind am 4. Juli im Ersten als Gast bei Beatrice Eglis Showpremiere "Die große Show der Träume". Sind solche Personality-Formate die Zukunft des Showfernsehens?

Gabalier: Fragen Sie mich bitte nicht nach der Zukunft des Fernsehens! Denn ich verstehe es nicht mehr, das Fernsehen. Das Dschungelcamp bei RTL hat acht Millionen Zuschauer und wird über den grünen Klee gelobt und medial gehypt, nur weil sich einer Maden oder Elefantenscheiße über den Kopf kippt. Ein Markus Lanz hingegen wird öffentlich hingerichtet. Ich frage mich, wohin geht das Volksniveau? Aber ich möchte auch kein Fernsehmacher sein.

teleschau: Hatten Sie mit Andy Borg Kontakt, nachdem das Aus für ihn bekannt wurde?

Gabalier: Das nicht, aber ich bin Gast bei seiner letzten Sendung am 27. Juni in Pula in Kroatien. Immerhin hatte ich im "Musikantenstadl" 2009 meinen ersten Auftritt, da brauche ich mir jetzt nicht zu schade dafür zu sein. So eine Eitelkeit hat bei einem professionell denkenden Musiker nichts verloren. Ab und zu werde ich auch künftig im Stadl auftreten - warum nicht! Ich bin eine treue Seele.

teleschau: Gilt das auch für Ihren Bezug zur Heimat? Wäre ein urbanes Leben in einer großen Metropole ein Thema?

Gabalier: Absolut ausgeschlossen. Auch Steuerflucht kommt bei mir nicht in Frage. Ich will immer heimkommen können in die Steiermark - dorthin, wo meine Brüder, meine Freunde, meine Nachbarn sind. Wo ich in der Unterhose die Wäsche aufhängen kann, ohne dass jemand glotzt. Ich bin total gerne und viel unterwegs, ich habe mich zum Beispiel in Hamburg verliebt, eine geile Stadt. Ich war in New York und In Singapur. Aber die vertraute Umgebung ist für immer die Base, ganz und gar unvorstellbar, einmal wegzugehen.

Quelle: teleschau - der mediendienst