Alexander Schubert

Alexander Schubert





"In jedem von uns schlummert ein Spießer"

Alexander Schubert, 45, als Außenreporter und Experte Albrecht Humboldt ein Star der ZDF-"heute-show", hat in seinen jungen Jahren als Schauspieler und Hausbesetzer in Potsdam die Wende als größtmögliche Überraschung in seinem Leben erfahren. Jetzt spielt er in der sechsteiligen Sitcom "... und dann noch Paula" (ab 5. Juni, freitags, 22.30 Uhr, ZDF) den Sternekoch Oliver, der nach 17 Jahren erfährt, dass er eine Tochter hat: Paula, gespielt von Amelie Plaas-Link, ist für ihn eine eher unangenehme Überraschung. Ein Gespräch mit Schubert über unerwartete Ereignisse, seine wilden Jahre in Potsdam, den Beginn der eigenen Bürgerlichkeit und den Spießer in sich.

teleschau: Herr Schubert, es gibt im Leben immer wieder Überraschungen. Was war die bisher größte in Ihrem?

Alexander Schubert: Die Wende hat natürlich einiges bei mir bewirkt. Die kam relativ unerwartet und war ein sehr einschneidendes Erlebnis für mich, speziell auch, was meinen beruflichen Werdegang betraf.

teleschau: Es heißt, zum Zeitpunkt der öffentlichen Erklärung der Ausreiseerlaubnis wären Sie in einem Theaterkeller gewesen.

Schubert: Genau, ich war im Keller der ehemaligen DEFA-Studios in Babelsberg. Im Zuge der sozialistischen Hilfe war ich dort als Heizer eingeteilt. Dort unten habe ich aber natürlich auch mitbekommen, was auf einmal los war ...

teleschau: Und dann sind Sie sofort raus?

Schubert: Ich habe meine Sachen gepackt und bin gegangen. War ja eh alles wichtiger in dem Moment, als die Studios zu heizen. Es war wild.

telschau: So wild wie angeblich Ihr ganzes damaliges Leben in Potsdam? Sie zählten zur dortigen Hausbesetzerszene.

Schubert: Das war schon eine geile Zeit! Und sicher die wildeste in meinem Leben, ja. Wir waren einfach sehr jung, noch mitten im Studium. Sieben Jahre lang haben wir das gemacht in dem Haus.

teleschau: Wie muss man sich das vorstellen? Und: Welche Rolle haben Sie in Ihrer WG eingenommen?

Schubert: Wir waren alles gute Freunde und haben dort versucht, ein gemeinnütziges Multikulti-Arbeitsprojekt auf die Beine zu stellen. Unser Haus war zunächst noch eine Ruine, wir mussten es erst ausbauen. Und ich habe eine Zeitlang die Selbsthilfebaugruppe angeleitet. Ich bin ja gelernter Stuckateur und hatte eine gewisse Ahnung von den jeweiligen Bauvorgängen. Außerdem war ich der Vereinsvorsitzende (lacht).

teleschau: Und was hat Sie, sagen wir, bürgerlicher werden lassen?

Schubert: Das Alter. Irgendwann kann man sich einfach nicht mehr verhalten wie ein 20-Jähriger, sondern eben seines Alters angemessen. Und als ich 2005 auch noch Vater geworden bin, musste ich sowieso sehr viele erwachsene Dinge tun und mich in der Elternwelt einleben.

teleschau: In dieser Welt muss sich auch der spießbürgerliche Sternekoch Oliver einleben, den Sie in "... und dann noch Paula" spielen. Der war nur einmal in seinem Leben wirklich wild: Als er auf einer Technoparty etwas mit einer Frau namens Tanja auf der Toilette hatte. Die Quittung bekommt er 17 Jahre später: In Form einer Tochter, die bei ihm vor der Tür steht und in seine Wohnung einziehen will. Konnten Sie sich schnell in Oliver hineinfühlen?

Schubert: Also diese Sache mit Tanja, dazu ist er, glaube ich, überredet worden (lacht). Ist wahrscheinlich auch sein erstes Mal gewesen. An sich ist Oliver ja ganz anders, und ich konnte mich tatsächlich schnell in ihn hineinversetzen. Es ist ja so: In jedem von uns schlummert ein Spießer, der sich in seiner Wohlfühlzone bewegt und dort gerne geregelte Abläufe hat. Ich musste diese Schrauben, die ja auch in mir sind, nur noch ein bisschen überdrehen, um ihn zu spielen.

teleschau: Was unterscheidet Sie hingegen voneinander?

Schubert: Oliver ist ein recht zwanghafter Charakter, gerade was Ordnung und Sauberkeit angeht. Das bin ich privat nicht.

teleschau: Wahrscheinlich waren Sie auch noch nicht wie er nah am Burnout.

Schubert: Na ja, jeder kennt das Gefühl, ausgepowert zu sein. Aber ein Burnout ist eine ernstzunehmende Erkrankung, und davon bin ich bisher Gott sei Dank verschont geblieben.

teleschau: Paula urteilt sehr schnell über Oliver und sagt: "Der Typ ist ja voll verstrahlt!". Wohl auch eher nichts, was Sie sich attestieren würden, oder?

Schubert: (lacht) Das ist dem jugendlichen Leichtsinn der pubertierenden jungen Dame zuzuschreiben. Ich sehe das anders. Der Oliver klammert sich doch nur an seine Prinzipien (lacht).

teleschau: Welche Macken haben Sie denn?

Schubert: Man selbst sieht sein Verhalten ja in der Regel als normal an und erkennt keine Macken. Aber ich habe schon gewisse Rituale, insbesondere bei Drehs, die ich gerne eingehalten sehe. Da bewege ich mich dann auch gerne in meiner Wohlfühlzone.

teleschau: Welche Rituale sind das?

Schubert: Zum Beispiel habe ich morgens an einem Drehtag immer einen ziemlich festen Zeitplan, bis ich aus dem Haus gehe. Ich möchte bei der Arbeit gerne einen freien Kopf haben und mag es nicht, wenn ich durch unvorhergesehene Dinge abgelenkt werde. Ich verliere aber jetzt nicht die Kontrolle, wenn morgens mal etwas nicht nach Plan läuft. Aber wer weiß, wo mich das Leben noch hintreibt. Man muss immer aufpassen, dass sich so ein Ritual nicht in eine Zwanghaftigkeit entwickelt.

teleschau: Gab's diese Gefahr bei Ihnen schon mal?

Schubert: Ich hatte in meiner Anfangszeit am Theater mal eine Premierenunterhose, die ich bei jeder ersten Vorstellung unbedingt anhaben musste. Eines Tages war sie aber mal nicht auffindbar, was mich tatsächlich schwer geschockt und aus der Bahn geworfen hat.

teleschau: Wie ging es dann weiter?

Schubert: Ich musste die Vorstellung in einer anderen Unterhose spielen. Und das war eine der besten Vorstellungen, die ich je am Theater gegeben habe. Dieses Ritual hatte sich also sehr schnell erledigt.

teleschau: Und wie kommen Sie heute mit Überraschungen klar?

Schubert: Überraschungen sind ja grundsätzlich erstmal als etwas Schönes zu sehen. Weil sie einen rausziehen aus dem Alltagstrott. Ich bin allerdings immer noch kein wirklicher Fan davon.

telschau: Wie wäre es also, wenn bei Ihnen plötzlich unangemeldet eine Tochter vor der Tür stehen würde?

Schubert: Das würde mein Leben ordentlich durcheinander bringen, und man müsste sich große Mühe geben, das mit Humor zu nehmen. Das ist schließlich auch eine ordentliche Portion Verantwortung, die dann da vor einem stünde und ihr Recht einfordern würde. Wenn ich aber mal zurückblicke, gibt es ganz wenige Chancen, dass bei mir dieser Fall eintritt (lacht).

Quelle: teleschau - der mediendienst