Ryan Gosling

Ryan Gosling





In der Welt des Ryan Gosling

Mit seiner Darstellung des Fahrers in "Drive" (2011) ließ Ryan Gosling eine Kultfigur entstehen. Seitdem stellen ihm vor allem weibliche Fans in der durch den Film berühmt gewordenen "Skorpion-Jacke" nach, und nicht zuletzt als Mann an der Seite von Eva Mendes rückte er in den Fokus der Klatsch-Reporter. Mit der Schauspielerin führt er eine in vielen Aspekten "fruchtbare" Beziehung: Die beiden haben eine gemeinsame kleine Tochter, und sie unterstützte ihn bei "Lost River". Ein echter Liebesdienst, denn ihr zunächst eleganter Auftritt als Performerin in einem Horror-Cabaret-Theater endet erschreckend blutig. Bei seinem ab 28. Mai im Kino zu sehenden Debüt als Regisseur und Drehbuchautor geht Ryan Gosling in die Vollen und inszenierte ein in den Ruinen von Detroit gedrehtes, bildgewaltiges, aber auch extrem abgedrehtes Fantasy-Spektakel. Nicht für jeden leicht zugänglich - diese Erfahrung machte er bei der Premiere des Films beim Cannes-Filmfestival 2014. Erklärungen sind nötig und deshalb öffnet sich der scheue Hollywoodstar und lässt im Interview an seiner Gedankenwelt teilhaben.

teleschau: Die Premiere Ihres Regiedebüts wurde von Applaus, aber auch vielen Buh-Rufen und schlechten Kritiken begleitet. Wie gehen Sie mit dieser Reaktion um?

Ryan Gosling: Das Wundervolle an Filmen ist doch, dass sie nicht jeder lieben muss. Diese Entscheidung kann jeder für sich selbst treffen. Filme sind für mich vergleichbar mit Erfahrungen. Man macht gute und man macht schlechte, aber beide haben ihre Berechtigung. Mir selbst ging das auch schon so, dass ich Filme gesehen habe, die ich zunächst überhaupt nicht mochte und bei einem späteren Wiederansehen plötzlich liebte. Das kann natürlich auch in anderer Reihenfolge passieren. Filme haben eine Eigendynamik. Das Wichtigste ist aber, dass sie leidenschaftlich aufgenommen werden, in irgendeiner Weise auf den Zuschauer wirken und nicht lauwarm verpuffen.

teleschau: Der Film zeigt auf jeden Fall, dass sie eine ganz eigene Filmvision auf die Leinwand bringen wollten ...

Gosling: Ich habe genau den Spielfilm inszeniert, den ich gerne sehen würde. Mein persönlicher Zugang zum Kino lief über die großen Fantasy-Filme der 80er-Jahre, als ich ein Kind war. In diesem Stil wollte ich auch erzählen, aber mit einer zeitgemäßen Kinosprache, wie ich sie bei meiner Arbeit als Schauspieler erlernt habe.

teleschau: Dabei scheinen Sie auch sehr inspiriert von der Handschrift anderer Regisseure, vor allem derjenigen, mit denen sie bereits gearbeitet haben.

Gosling: Es ist normal, dass man nach Referenzen sucht, um den Film einordnen zu können. Ich möchte aber über so etwas nicht reden, ich finde es nicht produktiv. Was in den Film geflossen ist, kam vor allem aus mir und den Schauspielern heraus. Jeder brachte sich mit ein.

teleschau: Aber Einflüsse von außen lassen sich doch nicht verleugnen?

Gosling: Natürlich, man lebt ja nicht in einem Vakuum. Man wird von allem beeinflusst - mal positiv, mal negativ. Wichtig ist auch der Drehort, in welcher Atmosphäre etwas entsteht. Wenn man eine Geschichte in einem Supermarkt erzählen würde, hätte das einen großen Einfluss und man müsste sich der Umgebung anpassen.

teleschau: Sie haben für "Lost River" Detroit gewählt, eine Stadt, die einst für die Erfolgsgeschichte des mittelständischen Amerikas stand und jetzt nach der Immobilienkrise zu deren Albtraum geworden ist. Wie war es dort zu drehen?

Gosling: Die Geschichte Detroits und ihre unbekannte Zukunft haben mich sehr inspiriert. Die Stadt befindet sich in einem ganz speziellen und interessanten Zustand. Es gibt großartige Architektur in einem Zustand des Verfalls. Da stehen Treppen, die ins Nichts führen und die Fantasie anregen. Man fragt sich, wo sie wohl einmal hingingen. Die Menschen sprechen dort über Viertel, die es nicht mehr gibt, als ob sie noch da wären, als ob sie sie greifen könnten. Die Frage war für mich, wie man etwas filmt, das nicht mehr da ist, wie man es erfassen kann. Detroit ist keine Geisterstadt, sondern selbst ein Spukort mit Gebäuden als Geister. Dieses besondere Gefühl wollte ich im Film festhalten. Das ist schwierig, aber für mich hat es sich gelohnt.

teleschau: Gab es Kontakte zu den Menschen, die noch in der Gegend leben, in der Sie gedreht haben?

Gosling: Ja, und was für welche. Eine Szene spielt an einer Tankstelle. Als wir drehten, kaufte eine alte Dame im Hintergrund seelenruhig ihre Kartoffelchips und fing plötzlich an, mitzuspielen. Sie beschimpfte Matt Smith, der Bully spielt, und sagte, sie wolle ihm den Kopf abschneiden. Matt fing spontan an, mit ihr zu tanzen und bezog sie mit ein. Das war unglaublich, und wir hatten alle das Gefühl, dass unserem Film echtes Leben eingehaucht wurde. Die Realität vermischte sich mit Fiktion. Das war eine unglaubliche Erfahrung.

teleschau: Gab es jemand, der Sie bei Ihrem Schritt vom Schauspieler zum Regisseur unterstützte?

Gosling: Regisseur Guillermo del Toro war eine große Hilfe für mich. Ihm habe ich als Erstem von der Idee erzählt, und er hat als Erster das Drehbuch gelesen. Er ist der Godfather dieses Genres.

teleschau: Sehen Sie nun die Arbeit der Regisseure in einem anderen Licht?

Gosling: Filmemachen ist etwas Magisches, zugleich aber auch harte Arbeit. Man muss immer dranbleiben, sodass der Film wirklich real werden kann - und darf nie damit aufhören. Und ich habe gelernt, dass niemand anderer meine Probleme löst. In meinem Fall wurde das Filmprojekt über drei Jahre Teil meines Lebens. Bei einer Rolle dauert das Engagement vielleicht drei Monate. Trotz dieser langen Zeit hatte ich das Gefühl, dass sich alles zu schnell entwickelte und ich immer zwei Schritte hinten dran war.

teleschau: Würden Sie noch einmal Regie führen?

Gosling: Auf jeden Fall, ich kann es gar nicht abwarten ...

Quelle: teleschau - der mediendienst