Hirschen - Da machst was mit!

Hirschen - Da machst was mit!





Helge, wo bist du?

Absurd, durchgeknallt, einfach nur schlecht: "Hirschen - Da machst was mit!" wird solchen Urteilen reihenweise entgegentreten müssen. Und die ersten beiden treffen fraglos zu. Nach wenigen Minuten schon lässt sich dies unterschreiben. Aber ist die deutsch-österreichische Komödie auch tatsächlich schlecht? Sicherlich, die darstellerische Leistung gerade der vielen Laienschauspieler wirkt verstörend, die Dialoge sind durch und durch albern. Und auch nach einer wohlgemeinten Betrachtung der langen 131 Minuten kann diese Frage nur schwer beantwortet werden. Eines steht außer Frage: George Incis Filmprojekt knabbert gehörig an den Nerven.

"Hirschen" folgt Incis Vision vom "intuitiven Filmen". Dabei wird dem Filmprojekt nur ein Grundgerüst mitgegeben, der Rest passiert auf einer Art gemeinsamen Reise. Das Ende ist offen, wird beeinflusst von allen Mitwirkenden, von deren Begegnungen und Erfahrungen während des Filmens. "Die größtmögliche Freiheit im kreativen Prozess" sei dadurch gegeben, so steht es auf der Webseite der Produktionsfirma des ausgebildeten Schauspielers Inci geschrieben. Die Idee zum Drehbuch, also dem Grundgerüst für den dritten Film des Deutschtürken, entstand bereits im Jahr 2000. In der Folge schrieb Inci mehrmals daran herum, wurde aufgrund seiner eigenwilligen Ideen sogar von der Mitteldeutschen Filmförderung unterstützt. Ob diese nun mit dem Ergebnis zufrieden ist? Man weiß es nicht.

In gnadenlos übersättigten Bildern zeigt der Film ein österreichisches Bergdorf beim fröhlichen Dorfsein. Es wird gepfiffen, gebusserlt, gehüpft und getanzt - und das an einem Werktagsmorgen. Gemeinsam machen sich die Männer auf in die Fabrik, um dort festzustellen, dass diese dicht gemacht hat. Ohne Ankündigung, einfach so. Zumindest lassen dies die ungläubigen Blicke vermuten. Nähere Informationen, und das bleibt bei "Hirschen" über die ganze Filmstrecke hinweg so, würden den aberwitzigen Affentanz nur stören.

Hirschen, so der titelgebende Name des Örtchens, steht eine schwere Zeit bevor. Ohne den größten Arbeitgeber sehen die meisten Bürger für sich keine Zukunft im Bergidyll. Sie wandern schnurstracks aus. Nur ein gutes Dutzend will sich dem Untergang stellen. Und das mit einem gewieften Plan: Als ein Fremder aufgrund eines Wildunfalls im Dörfchen strandet, bemerkt die Gruppe um Heinrich (Sepp Lusser), Richard (Josef Holzknecht), Rudi (Bernhard Wolf) und Albrecht (Thomas Widemair), wie sich aus solchen Vorfällen etwas herausschlagen lässt. Schließlich muss der von den Dorfbewohnern auf den Namen Ghandi getaufte Mann (George Inci) umsorgt und ernährt werden. Er braucht ein Bett, sein Auto wird repariert - kurz gesagt: Jeder (unfreiwillige) Dorfgast kurbelt die Wirtschaft an. Also initiieren die Filous weitere Verkehrsunfälle ...

Ästhetisch und vor allem im darstellerischen Ausdruck wird über die meiste Zeit der Stummfilm umarmt. Wenn die Quetschkommode Amok läuft und ein Dauergedudel die unwirkliche Farbwelt und die noch unwirklicheren Gesten und Mimiken untermalt, verdient "Hirschen" durchaus ein paar Lacher aus dem Publikum. Die immer wieder eingeworfenen, hanebüchenen und dilettantisch geführten Dialoge, die im schlimmsten Falle noch im Chor wiederholt werden, erschweren die Suche nach dem tief versteckt vermuteten Charme allerdings. Und wer auf einen Helge Schneider hofft, der ähnlich konsequent albernen Filmen als großer Zampano eine humoristische Weitsicht verleiht, wartet auch vergebens. So endet die "Hirschen"-Liebe schon kurz nach der liebenswürdigen Grundidee - und der Untertitel "Da machst was mit!" wird zur nervenzehrenden Realität.

Quelle: teleschau - der mediendienst