Jan Köppen

Jan Köppen





"Leggins, Stirnbänder und David Hasselhoff"

Bei der Präsentation von TV-Formaten stehen Moderatoren von berufswegen im Mittelpunkt. Dass Jan Köppen gerade diesen Umstand nicht erstrebenswert findet, sondern ihn vielmehr der Zufall in die Medienbranche zog (er studierte Jura und BWL und landete dann bei einem Casting des Musiksenders VIVA), macht den 32-jährigen Gießener umso sympathischer. Zeitgenossen mit einem übertriebenen Geltungsdrang gingen ihm nämlich auf die Nerven, erklärt er. Ebenso wie Selfies. Dass es diese sowie soziale Netzwerke und Smartphones in seiner Kindheit noch nicht gab, darüber ist der 1983 Geborene sehr froh. Um all die skurillen und unterhaltsamen Geschichten aus der kunterbunten Dekade geht es in der RTL-Show "I like the 80's", durch die Köppen ab dem 3. Juni (mittwochs, 21.15 Uhr) führen wird. Warum er dabei nicht so bitterböse wie ein Jan Böhmermann agieren wird, wieso gutes Fernsehen seiner Meinung nach viel zu oft nur ein kleines Publikum erreicht und welche Erinnerungen er an die 80-er hat, verrät er im Interview.

teleschau: Was kommt Ihnen als Erstes in den Kopf, wenn Sie an die 80er-Jahre denken?

Jan Köppen: Spontan? Ich denke an eine Leggings und eine blonde Vokuhila-Frisur tragende Mischung aus Dieter Bohlen und Nena mit Neon-Schweißband im Haar und einem DeLorean in der Garage. Da ich erst 1983 geboren bin, ist meine Erinnerung an damals natürlich nicht riesig, aber durch Erzählungen habe ich doch ein relativ konkretes Bild vor Augen.

teleschau: Welche musikalischen Helden haben Sie noch aus den 80-ern?

Köppen: Michael Jackson war auf jeden Fall eine Bank, und "We didn't start the fire" von Billy Joel war einer meiner Lieblingssongs Ende der 80-er. Aber einer war für mich cooler als alle anderen: David Hasselhoff - leider! Er war einer meiner ersten musikalischen Kontakte und begleitete mich vom Kindergarten bis in meine Jugend. Ich habe zufällig gestern mal wieder eine Folge "Knight Rider" geguckt - alleine die Haare von Hasselhoff, ein echtes Highlight! Die 80-er waren eine Welt für sich, und David Hasselhoff war so was wie der Präsident darin. Und ich bin jetzt der nette Typ, der die Zuschauer in fünf Folgen durch diese bunte Welt führt.

teleschau: Sie sehen sich als netten Typen?

Köppen: Ja, ich denke schon.

teleschau: Also kein zweiter Jan Böhmermann?

Köppen: Nein das bin ich ganz sicher nicht, aber ich habe eine Menge Respekt für seine Arbeit und bewundere, was er zusammen mit der Produktionsfirma btf in der deutschen Fernsehlandschaft geschaffen hat. Ich teile auf jeden Fall seinen Humor und die Ironie. Aber in so einer Show wie "I like the 80's" hätte das in dem Ausmaß nichts zu suchen.

teleschau: Gibt es echte Freundschaften im Showbusiness, oder halten Sie das eher getrennt und verbringen Zeit mit Ihren alten Kumpels aus Schulzeiten?

Köppen: Ich komme aus Gießen und habe dort noch viele enge Freunde aus Schulzeiten, die ich übers Jahr öfter sehe. Auch wenn wir mittlerweile fast alle woanders wohnen, versuchen wir, als Gruppe mindestens einmal im Jahr unterwegs zu sein. Männertrip mit Bier, Karten spielen und Wandern. Das ist uns sehr wichtig. Ansonsten sind natürlich auch viele Kollegen Freunde geworden. Wenn man auf einer freundschaftlichen und vertrauten Basis zusammenarbeitet, kommt oft auch das Beste dabei heraus. Gerade in dieser kreativen Branche.

teleschau: Sind Sie froh, dass Ihre Kindheit in den 80-ern noch ohne technische Innovationen wie Handy und Computer vonstattenging?

Köppen: Ja, sehr! Es ist ein nicht zu unterschätzendes Gut, dass wir diese schnelle technische Entwicklung aktiv miterlebt haben, aber eben auch wissen, wie es ohne war. Ich frage mich, wie die Kids von heute eine Persönlichkeit formen sollen, wenn sie ständig dazu aufgefordert sind, eine Präsenz im Internet zu haben. Kaum sind sie auf der Welt, bekommen sie das Ding in die Hand gedrückt, und dann geht's los mit Likes und Hashtags. Ich bin gespannt, wo das alles hinführt. Oje, jetzt klinge ich schon so: Damals war aber alles besser! (lacht) Natürlich ist nicht alles schlecht.

teleschau: Für Ihren Job sind soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter nützlich, um mit den Fans zu interagieren und um sich selbst zu promoten.

Köppen: Ja, unter diesem Gesichtspunkt ist es super, und auch sonst nutze ich soziale Medien und könnte nicht mehr ohne. Man muss sie nur gezielt und konzentriert nutzen. Das ist nicht immer einfach bei der Masse an Informationen, die da jeden Tag rausgehauen werden. Ich beziehe und verbreite viele Informationen über Twitter und rühre dort und auf anderen Plattformen natürlich meine eigene Werbetrommel. Ich bin aber immer noch kein Freund von Selfies und kann das auch einfach nicht ernst nehmen. Aber ich merke, dass die Leute sich freuen, wenn ich mal ein Bild von mir poste. Mein Drang zur Selbstdarstellung hält sich trotzdem in Grenzen.

teleschau: Sie haben auch mal gesagt: "Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt!" Wie passt das mit Ihrer Berufswahl zusammen?

Köppen: Ja - eigentlich wollte ich das alles gar nicht (lacht). Ich bin da aber wirklich so reingerutscht. In das alles hier - in diesen Job. Ich muss von Natur aus nicht im Mittelpunkt stehen, aber wenn ich es soll, dann kann ich es. Das ist meine Herangehensweise, und ich denke, dass das der Sache auch eher gut tut. Denn die Leute, die den Beruf aus zu viel Geltungsdrang machen und schreien: "Hier bin ich, guckt alle auf mich!" können schnell anstrengend für den Zuschauer sowie die Leute am Set sein.

teleschau: Sie nehmen die ganze Branche auch nicht allzu ernst, oder?

Köppen: Ich nehme meine Arbeit ernst und möchte immer einen guten Job abliefern. Aber was ich mache, ist Unterhaltungsfernsehen. Ein Augenzwinkern sollte dabei also nicht fehlen.

teleschau: Das Format "Was wäre wenn" wurde nicht fortgesetzt. Wie sehr trifft einen das als Mitwirkenden persönlich?

Köppen: Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: "Macht nichts!" Aber die anderen Beteiligten und ich waren und sind überzeugt, dass es eine gute Sendung war. Die Quote ist ja nicht immer gleichzusetzen mit Qualität. Viel gutes Fernsehen läuft vor kleinem Publikum. In Spartenkanälen werden manchmal echte TV-Perlen gezeigt.

teleschau: Was sind denn Ihre persönlichen TV-Perlen?

Köppen: Ich mag Formate, bei denen jemand unterwegs ist, eine Reise unternimmt, Dinge entdeckt, Menschen trifft. Michael Kessler macht so was auf verschiedene Art und Weise öfter. Und auch Manuel Möglich hat das für ZDFneo bei "Wild Germany" gemacht. Das ist gut erzähltes Fernsehen mit echtem Interesse an Themen. Solche Sendungen meinen es ernst, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Und natürlich mag ich auch meine kleine schöne Sendung "Yps - die Sendung" bei RTL Nitro.

teleschau: Ein bisschen Eigenlob schadet nicht, was? Bei Facebook und Twitter himmeln Sie ja vor allem die weiblichen Fans an, wenn Sie ein Foto von sich posten. Wie gehen Sie damit um?

Köppen: Natürlich freue ich mich über Lob, aber ich kann nicht gut damit umgehen. Wenn sich Fans wünschen: "Poste doch mal wieder ein Foto von dir!" dann mache ich das gerne, aber wenn es nach mir ginge, würde ich den ganzen Tag Bilder von Wolken und Stillleben posten.

Quelle: teleschau - der mediendienst