Severino Seeger

Severino Seeger





"Ich bin gar nicht so selbsteingenommen"

Der diesjährige Sieger von "Deutschland sucht den Superstar" heißt Severino Seeger. Der 28-Jährige gewann das Finale mit knapp 59 Prozent der Zuschauerstimmen vor der erst 17-jährigen Kandidatin Viviana. Ein Gespräch mit dem Casting-Star über sein ziemlich gesundes Selbstbewusstsein, die Befehle von Mentor Dieter Bohlen, Probleme mit der Geduld und die Reihenfolge Familie, Geld und Karriere.

teleschau: Herr Seeger, was haben Sie in den vergangenen Wochen und Monaten bei "DSDS" gelernt?

Severino Seeger: Oh, ich habe so viel gelernt! Geduld zum Beispiel, was mir zuvor immer etwas schwer fiel.

teleschau: Inwiefern?

Seeger: Die Fähigkeit, ab und zu mal runterzukommen, in sich zu kehren und die innere Mitte zu finden, ist sehr wichtig, um immer sauber und auf den Punkt abliefern zu können. Das haben mir erst unsere Vocal-Coaches und einige andere im "DSDS"-Team so richtig beigebracht. Und das nehme ich zu 100 Prozent mit für mein weiteres Leben.

teleschau: Dabei hatten Sie bei "DSDS" doch eigentlich kaum Zeit für Ruhephasen - schließlich mussten Sie jeden Tag üben oder auftreten.

Seeger: Wir hatten wirklich nie lange Zeit, um uns auf die nächsten Aufgaben und Situationen vorzubereiten. Aber auch das haben wir gelernt, und ich nehme das mit für die Zukunft. Mir reichen jetzt wenige Stunden, um einen Song einzustudieren.

teleschau: Und was hat Ihnen speziell Ihr großer Fan Dieter Bohlen beigebracht?

Seeger: Dass ich immer easy bleiben soll (lacht).

teleschau: Wir hätten vor allem auf Disziplin getippt.

Seeger: Ja, das natürlich auch. Er hat mir immer gesagt: "Bleib am Ball, liefer' ab!" Und was er schon ganz am Anfang von "DSDS" zu mir gesagt hat, war: "Bitte enttäusch' mich nicht!"

teleschau: Hat Sie das unter Druck gesetzt?

Seeger: Er hat ja schon im ersten Casting zu mir gesagt: "Von mir aus kannst du das Ding gewinnen." Erst später, als die Entscheidung gefallen war, dass ich mit nach Thailand darf, nahm er mich in den Arm und meinte: "Bitte, Junge, tu' mir einen Gefallen: Enttäusch' mich nicht!"

teleschau: Was war Ihre Antwort?

Seeger: Ich habe ihm in die Augen gesehen und gesagt: "Das werde ich nicht!" Habe ich ja auch nicht. Was dazu geführt hat, dass zwar im Finale die Jury geteilter Meinung bezüglich meiner Auftritte war, das für mich wichtigste Jurymitglied aber auf meiner Seite war: Dieter Bohlen.

teleschau: Haben Sie wie Bohlen von Beginn an an den Sieg geglaubt?

Seeger: Ich war erst einmal sehr froh, dass ich Dieter im ersten Casting so umgehauen habe, dass er Gänsehaut hatte. Aber daran geglaubt, dass ich mich am Ende gegen so viele Menschen durchsetzen würde, habe ich nicht. Selbst im Finale dachte ich, ich würde als Erster von uns dreien rausfliegen.

teleschau: Dabei sollte man meinen, an Selbstbewusstsein habe es Ihnen nie gemangelt.

Seeger: Ich habe einfach einen starken Charakter und strahle das auf der Bühne aus. Aber ich habe nie gedacht: "Ich mache das ganz locker und gewinne!" Da war ich eher zurückhaltend und habe alles realistisch gesehen. So selbsteingenommen bin ich gar nicht.

teleschau: Fanden Sie Ihre Leistungen nicht genauso toll wie Jury und Zuschauer?

Seeger: Ich war auf jeden Fall nicht unzufrieden. Außer bei "When I Was Your Man" von Bruno Mars. Das ist mir nicht ganz so gut gelungen, auch wenn ich mich irgendwann wieder gefangen habe.

teleschau: Sonst irgendwelche Schwächen, die Sie in der "DSDS"-Zeit an sich entdeckt haben? Welche Fehler haben Sie gemacht?

Seeger: Hätte ich Fehler gemacht, hätte ich ja nicht gewonnen (lacht).

teleschau: Wenn Sie mal versuchen, in die Zukunft zu schauen: Fast kein "DSDS"-Gewinner hat es zu einer langlebigen Karriere gebracht - warum denken Sie, dass Sie es schaffen könnten?

Seeger: Sie haben es ja schon gesagt: "Fast keiner!" Diejenigen, die es geschafft haben, haben viel richtig gemacht. Und das möchte ich auch - und traue es mir zu. Ich bin überzeugt, dass ich sogar noch eine Schippe drauflegen könnte.

teleschau: Ein nach wie vor erfolgreicher "DSDS"-Gewinner ist Alexander Klaws, der als Musical-Darsteller von "Tarzan" groß rauskam. Würden Sie so was auch machen?

Seeger: Na ja, die Figur von Tarzan habe ich jetzt nicht gerade (lacht).

teleschau: Könnten Sie sich ja noch erarbeiten.

Seeger: Ich glaube, in diesem Leben nicht mehr. Ich baue lieber auf meine Stimme und meinem Tanz und darauf, was ich auf der Bühne zelebriere.

teleschau: Haben Sie konkrete Wünsche, was Sie damit noch erreichen wollen? Noch größere Bühnen? Noch mehr Geld?

Seeger: Ganz klar auf Nummer eins meiner Liste steht meine Familie. Dass wir zusammenhalten und gesund bleiben, ist für mich das Allerwichtigste. Nach meiner Familie kommt erst mal lange nichts. Geld, Karriere und so - das kommt alles später.

teleschau: Dabei haben Sie jetzt mit der Siegprämie von 500.000 Euro ja schon ziemlich viel eingenommen. Was werden Sie damit tun?

Severino Seeger: Ich muss erst mal realisieren, dass ich das Geld habe. Keine Ahnung, was ich damit machen werde. Ich werde auf jeden Fall keine großen Sprünge machen. Vor "DSDS" habe ich ja normal gelebt, und mir hat es an nichts gefehlt. Ich will einfach beruhigt meine Rechnungen bezahlen können und meiner Frau und meinem Kind ihre Wünsche erfüllen, das reicht mir voll und ganz.

teleschau: Haben Sie auch ein bisschen Angst, dass Ihnen in Zukunft wieder Fehler passieren könnten und die Karriere doch schneller vorbei ist als geplant?

Severino Seeger: Ich lasse mich jetzt erst einmal von dem Rückenwind, den ich habe, ins Musikbusiness treiben und werde dort auf jeden Fall mein Bestes geben, um aufzutrumpfen.

teleschau: Immer mit Dieter Bohlen an Ihrer Seite?

Severino Seeger: Wenn es weiterhin so gut klappt mit uns, warum nicht? Warum sollte ich mich von einem Menschen trennen, der mich super findet und den ich auch super finde?

Quelle: teleschau - der mediendienst