Lost River

Lost River





Geisterstadt ohne Inhalt

Ein brennendes Fahrrad rollt ohne Fahrer in einer Ruinenlandschaft an einem Bewohner von "Lost River" vorbei. Eine wunderliche und neugierig machende Szene aus Ryan Goslings Regiedebüt. Ein Bild aus einem Neo-Noir-Fantasy-Film, der am Anfang noch voll des Versprechens ist, auf ungewöhnliche Weise vom Verfall, der Einsamkeit und dem Traum von einer besseren Zukunft zu erzählen. Es wird kaum eingelöst: Am Ende herrscht meist Inhaltsleere.

Der zerfallende Ort "Lost River" wird immer mehr zu einer Geisterstadt. Nur noch die Menschen, die keine andere Möglichkeit haben, die absoluten Verlierer der Gesellschaft, harren hier aus - bis ihnen die Häuser über dem Kopf zusammenbrechen. Zu dieser Sorte Mensch gehört auch die alleinerziehende Mutter Billy (Christina Hendricks), die mit ihrem fast erwachsenen Sohn Bones (Iain De Caestecker) und dessen kleinerem Bruder versucht, an diesem Ort zu überleben.

Warum eine Frau von Billys Format keine anderen Chancen hat, bleibt im Dunkeln. Auch Bones erweist sich als sehr geschickt und anpassungsfähig: Er streift durch die Ruinen und entwendet das Kupfer aus den Wänden. Dabei muss er aufpassen, sich nicht erwischen zu lassen. Nicht etwa von irgendwelchen Obrigkeiten, die hier schon lange nicht mehr vorbeischauen, sondern von Bully (Matt Smith). Diese psychotische Figur mit nacktem Oberkörper und Goldkette hat sich zum Herrscher von "Lost River" aufgeschwungen. In seinem Auto mit einem aufgebauten Stuhl als eine Art Thron fährt er durch die Straßen und brüllt durch ein Horn: "Willkommen in Bullys Stadt!".

Doch Bones lässt sich nicht einschüchtern und verfolgt weiter seine eigenen Interessen. Zu den Menschen, die ihm wichtig sind, gehört auch das Mädchen Rat (Saoirse Ronan) samt Ratte. Als der Konflikt zwischen Bones und Bully aufgrund von Rat eskaliert, kommt es zu einem befremdlichen Showdown. Eine wichtige Rolle darin spielt auch eine rätselhafte versunkene Stadt.

Auf unterschiedliche Weise versuchen die beiden jungen Männer, das Geheimnis dieses verwunschen wirkenden Ortes zu ergründen - als ob es noch eine Rettung für sie und die Stadt geben könnte. Bones' Mutter dagegen stellt sich der Realität: Sie wird das Haus verlieren, wenn sie die ausstehenden Rechnungen nicht sofort bezahlt. Einen "Ausweg" bietet ihr der Bankmanager Dave (Ben Mendelsohn), der einen versteckten Horror-Nachtclub betreibt, in dem weibliche Performer (Eva Mendes) vorgeben, sich auf die widerlichste Art körperlich zu verunstalten oder von Kunden verunstalten zu lassen. Perversionen wie diese zeigen die Inhaltsleere des Films.

Alles worauf man am Anfang noch hoffen durfte und was durch sehenswerte Szenen in den spektakulären Ruinen und menschenleeren Straßenzügen am Drehort Detroit angefangen wurde, führt ins Nichts. Ryan Gosling sucht - ursprünglich hatte der Film den Titel "How to catch a monster" - und weiß selbst nicht so richtig wonach. Genrefans finden sicherlich Freude an Stimmungen und (Gewalt-)Elementen, wie sie auch Regisseure wie David Lynch, Terry Gilliam, Nicolas Winding Refn und Guillermo de Toro auf die Leinwand brachten.

Mit "Lost River" hat Ryan Gosling als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent viel gewagt, um einen Film genau nach seinen Vorstellungen auf die Leinwand zu bringen. Für seine Fans könnte zumindest dies Grund sein, ein Kinoticket zu lösen.

Quelle: teleschau - der mediendienst