Max von Thun

Max von Thun





"Ich lasse mich leicht manipulieren!"

Als Max von Thun noch mit großer Klappe als MTV-Moderator Aufmerksamkeit erregte, war nicht absehbar, dass 15 Jahre später Schlaflieder für seinen Sohn und gute Manieren in den Fokus des Münchners rücken würden. Doch der 38-jährige Spross von Friedrich von Thun (sie standen gemeinsam in einige Episoden der Krimireihe "Die Verbrechen des Professor Capellari" vor der Kamera) lebt seit sechs Jahren in einer Beziehung, genießt das Vaterdasein und spielt in vielen TV-Filmen und Serien. Im Gegensatz zu seiner Rolle als spießiger Zahnarzt in der ARD-Familienkomödie "Mutter auf Streife" (Freitag, 29. Mai, 20.15 Uhr) legt der Graf von Thun und Hohenstein (so lautet sein Adelstitel) großen Wert auf eine ausgeglichene Partnerschaft, in der seine Frau auf eigenen Beinen steht. Im Interview verrät Max von Thun außerdem, ob er ein strenger Vater ist und was er von Codewörtern für Sex hält.

teleschau: Braucht es heutzutage noch so einen Film, der starke Mütter in den Fokus rückt? Werden Mütter nicht ausreichend gewürdigt?

Max von Thun: Scheinbar ist es immer noch ein Thema und für einige Menschen noch nicht selbstverständlich. Also schadet es nicht, dass das in dem Film angesprochen wird. Aber "Mutter auf Streife" ist kein flammendes Plädoyer, sondern in erster Linie Unterhaltung. Ich habe nicht mitgemacht, um eine Message in die Welt zu schicken. Ich habe das als komödiantischen Stoff gesehen. Für mich war da also mehr die Lust auf die Rolle als die Aussage des Films.

teleschau: Was hat Sie an der Rolle des Spießer-Zahnarztes gereizt?

von Thun: Es macht Spaß, einen tennisspielenden Schnösel-Doktor zu spielen. Stefan ist ganz weit weg von mir selbst. Je näher mir eine Rolle privat ist, desto langweiliger wird die Arbeit, weil ich mir dann weniger vorstellen muss: Warum ist der so? Zudem kannte ich den Regisseur bereits und drehe gerne mit ihm. Ein weiterer Vorteil war, dass der Dreh in München stattfand. Aufgrund meiner Familie denke ich momentan auch geografisch bei der Rollenwahl. Dann kann ich mehr zu Hause sein und mehr von meinem Sohn mitbekommen.

teleschau: Könnten Sie mit einer 100-Prozent-Hausfrau wie Mia zusammen sein, oder muss Ihre Partnerin auf eigenen Beinen stehen?

von Thun: Ich finde, die Frau muss einfach glücklich sein. Was das bedeutet, muss jeder für sich definieren. Meine Freundin hat jetzt auch wieder eine Halbtagsstelle, weil sie neben dem Muttersein Lust darauf hat. Das ist allein ihre Entscheidung. Es besteht auch keine finanzielle Notwendigkeit, sondern ist einfach der Wunsch, etwas zu machen. Ich kann das sehr gut verstehen. Denn die Tage, die man ausschließlich mit seinem Kind verbringt, liegt man abends im Bett und fragt sich: Was habe ich heute eigentlich für mich gemacht? Es ist dann eher wenig, was man erledigen konnte. Deshalb kann ich verstehen, dass man das Bedürfnis hat, auch noch was außerhalb der Familie zu erleben.

teleschau: Teilen Sie sich die Erziehung und Aufgaben mit Ihrer Partnerin?

von Thun: Ja! Ich war zum Beispiel gerade zehn Tage lang Strohwitwer und mit meinem Sohn allein. Da bleibt dann zwar nicht viel Zeit für andere Sachen, aber wir musizieren viel zusammen. Musik ist für ihn ein großes Thema.

teleschau: Er liebt auch Ihre Schlaflieder?

von Thun: Ich habe ihm Schlaflieder geschrieben und aufgenommen, die er jeden Abend hört. Aber wir musizieren auch zusammen. Er spielt erstaunlich gut Mundharmonika, und ich begleite ihn dazu auf der Gitarre. Das klingt schon ganz passabel.

teleschau: Genießen Sie es als Vater, wieder mehr Ihre kindliche Seite austoben zu können?

von Thun: Ja, aber das ist ja nicht nur Teil des Vaterdaseins, sondern auch Teil meines Berufs. In meiner Berufsbezeichnung steckt ja schon das Wort "Spiel". Dadurch ist das Vatersein jetzt nicht eine völlig neue Welt, die ich entdecke. Aber ja: Es macht sehr viel Spaß!

teleschau: In "Mutter auf Streife" sind Sie ein eher spießiger Vater, der großen Wert auf Manieren legt. Wie wichtig ist Ihnen gutes Benehmen?

von Thun: So lange man weiß, was richtig und was falsch ist, kann man es auch bewusst in bestimmten Momenten mal übergehen. Wenn man hingegen nicht weiß, wie man sich richtig verhält, und sich dann daneben benimmt, ist es was anderes. Ich finde es wichtig, eine Basis, eine gewisse Form der Erziehung zu haben. Wie viel ich davon weitergeben kann, wird sich zeigen. (lacht) Aber ich habe eine ganz gute Erziehung genossen, die ich abrufen kann, wenn nötig.

teleschau: Sie kann man sich gar nicht als strengen Vater vorstellen ...

von Thun: Das bin ich auch nicht wirklich. (lacht) Ich lasse mich schnell und leicht manipulieren und bin auch empfänglich für viel Quatsch.

teleschau: Was machen Sie denn an drehfreien Tagen für gewöhnlich?

von Thun: Wenn ich arbeite, habe ich einen vorgegeben Rhythmus. Daher gönne ich mir auch immer eine gewisse Portion Freiraum, wenn ich nicht drehe. Wenn ein Tag zu schön ist und ich eigentlich etwas erledigen müsste, dann juckt es mich manchmal in den Fingern und ich schwinge mich aufs Motorrad und fahre los. Ich versuche, mich in meinem Leben nicht zu sehr irgendwelchen Terminen unterzuordnen.

teleschau: Im Film leben Sie mit Ihrer Mutter unter einem Dach: Wäre das für Sie vorstellbar?

von Thun: Ach, wenn Platz da ist, warum nicht?! Bei uns wäre jetzt aber kein Platz in der Wohnung. Als Vater kann ich allerdings verstehen, dass es seinen Reiz hat, noch eine Person mehr im Haus zu haben, die auch auf die Kinder aufpassen kann. Grundsätzlich ist das ja eher ein südländisches Lebensmodell, dass die Familie unter einem Dach wohnt. Eigentlich ist das doch schön. Das ist in unserer Gesellschaft ein bisschen verloren gegangen. Die Großeltern sind irgendwo, aber bloß nicht in der Nähe, weil sie anstrengend sein könnten. (lacht) Ich kann mir das durchaus vorstellen, aber nicht in einer Drei-Zimmer-Wohnung, in der man sich permanent über den Weg läuft.

teleschau: In einer Szene liegen Stefan und Mia im Bett, und er sagt: "Wir könnten ja mal wieder im Kirschgarten spazieren gehen". Was ist das bitteschön für eine bescheuerte Umschreibung für Sex?

von Thun: (lacht) Ich hatte auch meine Schwierigkeiten mit diesem Satz. Wir haben an dem Drehtag länger über diese Wortwahl diskutiert. Ich spreche ihn dann ja nicht ganz ernst, sondern eher lustig. Damit zeigt man auch, wie es bei vielen Pärchen ist: dass die eigene kleine Spleens und Insider haben oder eben Worte für Dinge, die man gemeinsam zelebriert.

teleschau: Haben Sie auch solcherlei Spleens und Codewörter innerhalb Ihrer Beziehung?

von Thun: Wir haben kein Codewort. Ab einem gewissen Punkt ist einfach klar, wo die Reise hingeht. (lacht) Aber warum nicht? Vielleicht sollte ich das mal einführen und in der Praxis testen.

Quelle: teleschau - der mediendienst