Hayley Atwell

Hayley Atwell





Nur auf der Leinwand ein Vamp

Als Captain America's Partnerin Peggy Carter wurde die Schauspielerin Hayley Atwell einem breiten Publikum bekannt. Nach dem Kino-Tod des Superhelden ging es für die attraktive Geheimagentin allerdings erst richtig los: Mit "Marvel's Agent Carter" bekam Peggy Carter eine eigene Serie, die nun auch in Deutschland zu sehen ist: Ab 27. Mai (immer mittwochs, 21.00 Uhr) ist sie beim Pay-Sender Syfy im Programm. Der Rummel um die spannende Agenten-Serie ist der Londonerin Hayley Atwell, deren Vater ein amerikanischer Schamane und deren Mutter eine britische Motivationstrainerin ist, nicht zu Kopf gestiegen. Ganz im Gegenteil: Die 33-jährige Hauptdarstellerin legt Wert auf ehrliche Freundschaften und versucht, sich stetig selbst zu verbessern, anstatt materiellen Errungenschaften nachzueifern. Beim Interview in München verrät Hayley Atwell auch, warum sie lieber brünett als blond ist, wieso sie ungern mit ihrer Weiblichkeit spielt und welche Eigenschaften ein Mann haben muss.

teleschau: Wie haben Sie reagiert, als man Ihnen als Agentin Peggy Carter eine eigene Serie anbot?

Hayley Atwell: Ich war vollkommen von den Socken, denn ich hätte nicht erwartet, dass es für Peggy ein Leben nach dem Kinofilm "Captain America: The First Avenger" gibt. Es war ein Schock, aber im positiven Sinne, denn ich arbeite sehr gerne mit der Marvel-Crew zusammen. Vor allem ist es toll, dass ich auch ein Mitspracherecht bei der Figurenentwicklung von Peggy hatte.

teleschau: Was mögen Sie am meisten an Peggy?

Atwell: Ihre Entschlossenheit und ihren Einfallsreichtum. Da sie keine Superkräfte hat, muss sie sich anderweitig behelfen. Dann greift sie zu einem Tacker, Schuh oder Lippenstift, um zu kämpfen. Das macht sie menschlich.

teleschau: Die Tatsache, dass sie all ihre Aufgaben ohne Superkräfte meistert, macht sie erst zur wahren Superheldin, oder?

Atwell: Exakt. Vor allem muss sie gegen so viele verschiedene Dinge auf einmal kämpfen: Auch gegen die Männer in ihrem Büro, die nicht an sie glauben. Und gegen Sexismus. Aber sie ist stark.

teleschau: Wie schwer war es für Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg im Berufsleben im Vergleich zu heute?

Atwell: Damals wehte noch ein anderer Wind. Man traute den Damen gerade mal zu, dass sie den Kaffee kochen. Es war wesentlich schwerer für sie, sich zu beweisen und zu behaupten.

teleschau: Dafür war der Kleidungsstil der Frauen in den USA damals wunderschön.

Atwell: Stimmt, das finde ich auch. Die Frauen waren sehr elegant und feminin gekleidet. Aber ihre Weiblichkeit wurde fälschlicherweise von den Männern mit Schwäche gleichgesetzt. Diesen Irrglauben nutzt Peggy aber für sich als "honey trap", um an Informationen zu kommen. Sie lauscht zum Beispiel Gesprächen, während sie vorgibt, den Kaffee zu bringen. Peggy ist ihrer Zeit insofern meilenweit voraus - vor allem den Männern um sie herum.

teleschau: Haben Sie das privat auch schon mal bewusst Ihre Weiblichkeit eingesetzt, um etwas zu bekommen?

Atwell: Nein. Denn im Gegensatz zu Peggy bin ich eher burschikos.

teleschau: Mit Verlaub: Sie sind doch nicht burschikos!

Atwell: Doch. Das liegt unter anderem daran, dass ich Eltern habe, die mir immer wieder gesagt haben, wie schlau ich bin und nicht wie hübsch. Sie wollten, dass ich meinen Intellekt und meine Stimme benutze und nicht meinen Körper, um Dinge zu erreichen. Vielleicht lag es daran, dass ich mich anfangs sehr unwohl in Peggys Kleidung fühlte. Aber selbstverständlich weiß ich, wie man flirtet und mache das manchmal (lacht). Doch meine Ziele erreiche ich auf andere Weise.

teleschau: Sie sind brünett und treten als Agentin Carter mit blonder Perücke in Aktion. Was verändert sich als Blondine?

Atwell: Ich habe viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Allerdings gefiel mir das nicht, sondern machte mich eher verlegen. Denn ich bin eigentlich ein Tomboy und laufe in bequemen Boots herum.

teleschau: Sie hatten die Möglichkeit, in Oxford Philosophie und Theologie zu studieren. Warum haben Sie sich dagegen und für die Schauspielerei entschieden?

Atwell: Ich wollte schon immer Schauspielerin werden und wusste, dass es Zeitverschwendung gewesen wäre, etwas anderes zu machen. Ich fühlte damals, dass eine akademische Laufbahn nichts für mich war. Ich bin lieber kreativ und nutze meine Phantasie. Deshalb ging ich zur Schauspielschule und studierte klassisches Theater. Noch heute spiele ich einmal im Jahr ein Theaterstück in London - das ist mir sehr wichtig.

teleschau: An eine große Filmkarriere dachten Sie damals gar nicht?

Atwell: Als Basis suchte ich bewusst die Theaterschauspielerei aus, aber natürlich hatte ich auch Lust auf Filme. Meine Vorbilder sind Judy Dench und Hellen Mirren. Aus irgendeinem Grund wusste ich, dass es mit der Schauspielerei klappen würde.

teleschau: Sind Sie eine spirituelle Person und jemand, der viel hinterfragt?

Atwell: Ja, ich bin eine nachdenkliche Person. Ich bin in einem spirituellen Umfeld aufgewachsen und glaube an die Kraft der Gedanken und die Existenz eines sechsten Sinnes: unseren Instinkt, unser Unterbewusstsein. Deshalb interessiere ich mich auch noch immer für die Philosophie. Damals wurde mir bewusst, dass die Schauspielerei der spirituellste Beruf ist, den es gibt, weil man viele verschiedene Masken aufsetzt.

teleschau: Was steckt hinter Ihrer Maske?

Atwell: Heute verstecke ich mich nicht mehr so hinter einer Maske, wie ich es noch tat, als ich jünger war. Da versteckt man sich noch hinter einer Fassade, die das zeigt, was man gerne sein möchte. Doch dann wird man älter und fühlt sich wohler in seiner Haut. Es steckt auf jeden Fall etwas von mir in Peggy und etwas von Peggy in mir. Aber ich will ich es den Leuten mehr recht machen als Peggy. Sie hat die Fähigkeit, egal, wo sie hingeht und auf wen sie trifft, sich nie einschüchtern zu lassen. Ich versuche hingegen viel mehr, mich an mein Umfeld anzupassen und mich in eine Situation hineinzufühlen. Ich bin ein "people-pleaser"!

teleschau: Es gibt folgendes Zitat von Ihnen: "You get a level of success, but still feel like crap." Wie geht es Ihnen mit dem immer größer werdenden Erfolg?

Atwell: Ich entdecke mich dabei, dass ich mehr denn je Menschen und Hintergründe hinterfrage und introvertierter werde. Doch nach und nach gewöhne ich mich an den Rummel. Man hat eine Idee, im Kopf, wie es wäre, wenn man Erfolg hat. Aber wenn dieser sich dann einstellt, erkennt man, dass man immer noch dieselbe Person ist - mit denselben Problemen und denselben zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Es ist eine falsche Vorstellung, dass man es geschafft hat im Leben, wenn man nur erst mal Erfolg hat.

teleschau: Wann hat man es denn geschafft?

Atwell: Ich orientiere mich zur Beantwortung dieser Frage ein bisschen an Peggy: Sie hat einen inneren Erfolg. Sie ist im Reinen mit sich selbst. Das versuche ich auch zu sein, anstatt nach materiellen Dingen zu streben. Ich probiere, meine persönlichen Ziele zu erreichen. Deshalb denke ich: Erfolg existiert erst dann, wenn du es selbst für dich spürst und dort angekommen bist, wo du persönlich hinwillst.

teleschau: Liebe spielt ja für die meisten auch eine wichtige Rolle für Ihr persönliches Glück. Peggy verliert die Liebe ihres Lebens, Captain America. Kann sie sich jemals wieder verlieben, oder ist er unersetzlich?

Atwell: In der ersten Staffel ist es wichtig, dass Peggy trauert. Denn sein Tod ist erst ein Jahr her. Deshalb hat sie auch keine amourösen Absichten. Sollte es eine zweite Staffel geben - das steht noch nicht fest - könnte sie langsam ihr Herz wieder für jemanden anderen öffnen. Das könnte dann spannend werden, zuzusehen, wie sie als moderne Frau in der damaligen Zeit, Beruf und Familie unter einen Hut bekommt.

teleschau: Haben Sie jemals jemanden verloren, den Sie liebten?

Atwell: Ja, als ich jünger war und meine erste große Liebe zerbrach. Das war sehr schmerzhaft. Aber es machte mich mitfühlender, und ich verstand besser, wie schwer und kompliziert Beziehungen sein können. Doch ich benutze diese Erfahrungen nicht, um zu schauspielern. Ich bin kein Method-Actor, sondern ich nutze meine Vorstellungskraft und stelle mir vor, wie Peggy jemanden vermisst. Oder ich denke daran, wie schmerzhaft es war, als ich meine Großmutter verlor.

teleschau: In der ersten Episode sagt Peggy, wie schwer es ist, "Mr. Right" zu finden. Woran erkennen Sie, dass Sie den richtigen Mann gefunden haben? Welche Eigenschaften muss er haben?

Atwell: Humor. Und er muss mich inspirieren und geistig herausfordern. Unsere Gespräche müssen wie von selbst fließen. Und man muss sich vertrauen können und loyal sein. Aber bei der Partnerwahl sollte man auf seinen Instinkt hören: Wenn der Richtige vor dir steht, dann spürst du das einfach. Darüber hinaus denke ich, dass man nicht nach dem Mr. Right suchen, sondern sich selbst zu einem "richtigen" Menschen machen sollte. Wenn du du selbst und mit dir im Reinen bist, dann ziehst du auch den Richtigen an. Aber die Liebe ist kompliziert und eine lange Reise. Alle wichtigen Schriftsteller haben darüber nachgedacht und geschrieben. Ich habe ebenso wenig wie sie eine allgemeingültige Antwort darauf. Wenn Sie es herausfinden, dann sagen Sie mir bitte Bescheid (lacht).

teleschau: Als Agentin müssen Sie viele Geheimnisse für sich bewahren. Wie gut sind Sie privat darin?

Atwell: Ziemlich mies! Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich Schauspielerin bin, bin ich sehr schlecht darin, ein Geheimnis für mich zu bewahren. Ich bin ein sehr offener Mensch, der großen Wert darauf legt, stets ehrlich zu sein. In meinen Freundschaften muss es möglich sein, sich immer die Wahrheit zu sagen. Ich möchte nicht Dinge für mich behalten müssen. Wenn man zu viel mit sich herumträgt, kann man depressiv und krank werden. Deshalb ist das für mich unverständlich, wie Peggy das aushält, ein isoliertes Doppelleben zu führen. Ich möchte nicht mit ihr tauschen.

teleschau: Bevor sie zu "Peggy Carter" wurden, haben Sie sich jemals für Comics interessiert oder mal einen gelesen?

Atwell: Nein, ich habe zuvor noch nie einen Comic gelesen! Als ich aufwuchs, ging ich regelmäßig ins Theater und interessierte mich sehr für die Stücke. Wenn ich Fernsehen schaute, dann eher Dramen und Verfilmungen von Büchern, aber nie von Comics. Das war jetzt meine erste Berührung mit diesem Genre. Ich war bei einigen Comic-Conventions. Dabei habe ich festgestellt, wie treu die Fans sind. Sie sind unglaublich und unterstützen mich sehr.

teleschau: Sind Sie jetzt eigentlich zum ersten Mal in München?

Atwell: Das ist mein zweites Mal. Beim ersten Mal war ich nur auf der Durchreise. Jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit. Schließlich ist München eine wunderschöne Stadt.

teleschau: Welche Pläne haben Sie für Ihren Aufenthalt neben der Promo für "Agent Peggy Carter"?

Atwell: Ich werde mich mit meinem Freund (Musiker und Model Evan Jones, d. Red.) einfach treiben lassen, und wir werden sehen, wo wir landen. Das mache ich am liebsten in einer fremden Stadt: ohne Plan loslaufen. München ist perfekt dafür, weil man vieles zu Fuß erreichen kann und überall schöne Plätze findet.

Quelle: teleschau - der mediendienst