Alexander Bommes

Alexander Bommes





Authentischer Aufsteiger

Seit Februar flimmert er in diversen Dritten mit seinem Talk "Bettina und Bommes" über den Bildschirm. Demnächst moderiert er die samstägliche Bundesliga-"Sportschau" im Ersten. Und nun wurde auch noch sein NDR-Quiz "Gefragt - Gejagt" in Erste befördert (ab 18. Mai, montags bis freitags, 18 Uhr). Keine Frage, der 39-jährige Alexander Bommes ist einer der TV-Aufsteiger des Jahres. Dabei schien der ehemalige Handballprofi seine ersten deutschlandweit beachteten Auftritte als Vorleser des Olympia-Telegramms 2012 aus London bereits vergeigt zu haben: Als schnöselig und übertrieben nassforsch empfanden manche Zuschauer den smarten Kieler. Und doch: Dieser Mann fiel auf im Heer der TV-Einheitsgesichter. Mittlerweile ist der Norddeutsche, der mit Moderatorenkollegin Julia Westlake zwei kleine Söhne hat, im Mainstream-Fernsehen angekommen. Wie es scheint, ohne sich dafür verbiegen zu müssen.

teleschau: Ihr NDR-Quiz "Gefragt - Gejagt" wird ins ARD-Hauptprogramm befördert. Was macht die Show besser als vergleichbare Formate?

Alexander Bommes: Ich bin ehrlich gesagt selbst kein großer Fan von Quizshows. "Gefragt - Gejagt" würde ich mir trotzdem angucken, weil es für mich eher ein sportlicher Wettkampf ist. Es ist die schnellste und schwerste Show ihrer Art. Und es entsteht immer wieder eine unglaubliche Dramatik. Ähnlich wie beim Fußball, wo man denkt: Die Dramaturgie dieses Sports ist eigentlich auserzählt. Doch dann gewinnt auf einmal Deutschland gegen Brasilien sieben zu eins im WM-Halbfinale oder alle Bayern rutschen beim Elfmeterschießen aus.

teleschau: Bei welchen Quiz-Fragen schneiden Sie selbst gut ab?

Bommes: Bei den Sachen, die mich selbst interessieren, weiß ich ganz gut Bescheid. Das sind vor allem: Sport, Politik und Geschichte.

teleschau: Und richtig schlecht ...

Bommes: ... bin ich bei allem, was mit Naturwissenschaften zu tun hat. Das war schon immer so. Ich schrieb mal eine Physikklausur im letzten Schuljahr, bevor ich das Fach abwählen konnte. Da begrüßte mich der Lehrer mit den Worten: "Ich hätte nie gedacht, dass Sie kommen!" (lacht)

teleschau: Herr Bommes, eine Quizfrage: Wissen Sie, wie viele Stunden Sie pro Monat im Fernsehen zu sehen sind?

Bommes: Sie meinen, ich mache zu viel? Ich habe zum Ende letzten Jahres eine ganze Menge abgegeben. Ich mache nicht mehr die "NDR Quiz Show", nicht mehr das "Hamburg Journal", und es gibt auch kein Boxen in der ARD mehr für mich. Stattdessen mache ich "Sportschau" und einmal im Monat die Talkshow "Bettina und Bommes". Im Moment, würde ich schätzen, sind es vier bis fünf Nettostunden pro Monat. "Gefragt - Gejagt" wird diesen Schnitt nun allerdings deutlich in die Höhe treiben, weil wir eben jeden Abend kommen.

teleschau: In den letzten Jahren waren Sie beim NDR das, was man im Medienjargon "Allzweckwaffe" nennt.

Bommes: Mit dem Begriff kann ich wenig anfangen. Das Vertrauen ehrt mich aber natürlich. Trotzdem habe ich mich, wie gesagt, Ende letzten Jahres neu sortiert. Jetzt mache ich drei Dinge, die ich richtig toll finde: Sport als die große Liebe, Talkshow als die Herausforderung und "Gefragt - Gejagt" als Riesenspaß.

teleschau: Würden Sie sich als strategisch denkenden Menschen in Bezug auf die eigene Karriere bezeichnen?

Bommes: Natürlich mache ich mir Gedanken darüber, was ich tun will. Alles andere wäre ja naiv und fahrlässig. Ich weiß auch, dass ich ein Riesenglück hatte die letzten Jahre. Andererseits habe ich mich noch nie aktiv um einen Job bemüht, sondern bin immer gefragt worden. So wie es jetzt ist, damit bin ich total zufrieden. Mehr oder andere Sachen müssen es im Fernsehen auch nicht mehr werden.

teleschau: Muss man sich als TV-Gesicht ein bisschen rar machen, damit einen die Leute nicht irgendwann über haben?

Bommes: Man sollte vor allem nur die Sachen machen, die man glaubwürdig vertreten kann. Ich würde zum Beispiel niemals kochen, keine Ratgeber-Sendungen moderieren und auch keine Physiksendung der Marke "Quarks und Co." machen. Das wäre fatal. Insgesamt sollte man nicht zu viel darüber nachdenken, was andere über einen denken. Das ist der erste Gedanke ins Verderben. Man muss authentisch bleiben - auch wenn ich dieses Wort eigentlich gerne vermeide.

teleschau: Ihre Talkshow "Bettina und Bommes" läuft auch noch nicht allzu lange. Ein guter Talker muss immer auch eine Art Psychologe sein. Hatten Sie Bammel vor dieser neuen Rolle?

Bommes: Ich hatte und habe auf jeden Fall Respekt. Es ist das erste Format, bei dem ich mir unsere Sendungen hinterher noch mal angeguckt habe. Eigentlich sehe ich mich nicht so gerne selbst im Fernsehen. Meine Lache finde ich blöd, und meine Nase mochte ich noch nie. Bei "Bettina und Bommes" fand ich es wichtig, genau hinzuschauen. Bettina und ich haben eine relativ unaufgeregte Art miteinander. Das ist schon mal eine gute Basis. Der Rest muss sich entwickeln.

teleschau: Viele Zuschauer abseits der NDR-Kundschaft haben Sie 2012 das erste Mal als Referent des Olympia-Telegramms aus London wahrgenommen. Damals fielen Sie auf, weil Sie es wagten, Nachrichten in süffisantem Ton, sozusagen bewertend, vorzulesen. Waren Sie sich dieser Wirkung bewusst?

Bommes: Erst im Nachhinein. Ich habe diese Prozedur schon mal als Handball-Profi durchgemacht. Als ich ein junger Spieler war, fanden die Leute das alle toll. Irgendwann bist du etabliert und dazu ein ernst zu nehmender Konkurrent. Auf einmal wird dir das, was dich schon immer ausmachte, als Arroganz ausgelegt. Plötzlich nervst du. Nach zwei Saisons hatte ich plötzlich mindestens ebenso viele Kritiker wie Fans. So ist es, wenn du ein polarisierender Typ bist. Thomas Müller von Bayern München ist als Fußballer über jeden Zweifel erhaben. Aber weil er so ist, wie er ist, wäre er der Erste, der kritisiert wird, wenn es mal länger nicht so läuft.

teleschau: Ihre Art zu moderieren entsprach also einfach nur ihrer Mentalität und war nie auch nur ein kleines bisschen Masche?

Bommes: Ich las dieses Telegramm damals so vor, wie ich dachte, dass man so etwas vorlesen muss. Ich habe zwar ein journalistisches Volontariat gemacht, aber nie eine Schulung als Moderator. Ich bin quasi ungelernt in diesem Job. Mir hat auch nie jemand gesagt, wie ich vor der Kamera sein soll, was ich als großes Glück empfinde. Ich habe mich nur einmal in meiner Karriere vor der Kamera verrannt, das war im "WM-Club". Da habe ich mir vorher ein paar, wie ich fand, lustige Sprüche notiert und habe die dann alle abgeschossen. Hinterher sagte ein Freund zu mir: "Was war denn mit dir los? Du bist doch nicht Fips Asmussen!" Er hatte absolut Recht. Es gibt zwei Dinge, die man vor der Kamera unbedingt vermeiden sollte: Man darf sich nicht verbiegen und nicht aus Versehen irgendwohin treiben.

teleschau: Sie leben also gut mit Ihrem "spitzen" Image?

Bommes: Irgendjemand hat mal geschrieben, ich hätte das Olympia-Telegramm mit "Stromberg" verwechselt. Das empfand ich als Kompliment. Wenn mir jemand sagt, ich sei im Fernsehen genauso wie im Leben sonst, ist es das netteste Kompliment, das ich mir vorstellen kann. Ich habe eher Schwierigkeiten mit Leuten, die im Fernsehen immer irgendwie so angeknipst wirken, wenn die Kamera auf sie zeigt.

teleschau: Nun sind Sie ja trotzdem nicht die Axt im Wald. Ist das deutsche Fernsehen zu brav, wenn schon ein Alexander Bommes als Enfant terrible durchgeht?

Bommes: Das ist ja fast schon eine philosophische Frage. Es gibt da sicherlich auch einen Generationenkonflikt. Jan Böhmermann ist jemand, der heute total polarisiert. Meine Mutter kann mit dem nichts anfangen. Aber die empfand auch schon Harald Schmidt als unangenehm. Die sagte immer über ihn: "Der hat so einen bösartigen Zug.2 Andere Menschen finden genau das total genial. Oder schauen Sie sich mal die Moderatoren der deutschen Regionalmagazine an. Die haben alle super Quoten, obwohl die Art der Ansprache extrem sachlich ist. Es gibt für jedes Bedürfnis den richtigen oder weniger geeigneten Moderator. Was die Leute merken, ist, wenn Moderatoren eine ihnen fremde Rolle annehmen. So etwas geht immer schief.

teleschau: Auch wenn Sie derzeit auf einer Welle des Erfolgs surfen - gibt es etwas, das Sie in ihrem Leben vermissen?

Bommes: Ich habe in den letzten Jahren immer von einem Zustand der Gelassenheit oder Zufriedenheit geträumt. Zwei Dinge, die in meiner Persönlichkeit nie angelegt waren. Beide Zustände sind momentan in einem für meine Verhältnisse wirklich maximal vorstellbaren Maße vorhanden in meinem Leben. Ich bin wirklich wunschlos glücklich. Und mit dem Sport geht es für mich ja jetzt erst so richtig los. Dass ich mal "Guten Abend" in der ARD-Bundesliga-"Sportschau" sagen würde, was in der nächsten Saison irgendwann der Fall sein wird, ist schon noch ein Traum, der in Erfüllung geht. Wenn ich dann noch mal irgendwann bei einem großen WM-Spiel auf dem Rasen stehen darf, um mit Mehmet Scholl oder seinem Nachfolger das Spiel zu besprechen, wäre mein Glückskonto wohl endgültig am Limit.

Quelle: teleschau - der mediendienst